Obwohl ein Arbeitnehmer von seinem Diensthandy aus 16 000 private SMS verschickte, konnte der Arbeitgeber ihm nicht wirksam kündigen. Das berichtet n-tv. Was ist passiert? Sind die Gerichte auf einmal großzügig geworden, wo doch sonst ganz andere Delikte mit Kündigung geahndet werden (z.B. die bekannten Bagatelldelikte)?

Der Mitarbeiter einer Großküche hatte über einen Zeitraum von 22 Monaten mehrere Tausend Kurznachrichten mit seinem Diensthandy geschrieben. Dadurch entstand ein Schaden von über 2500 Euro. Der Arbeitgeber kündigte ihm – ohne Erfolg! Das Arbeitsgericht Frankfurt erklärte die Kündigung für unwirksam. Grund war jedoch nicht eine freizügige Haltung gegenüber dem tippwütigen Simsen auf Firmenkosten, sondern das lange Warten des Arbeitgebers. Er hatte erst nach 22 Monaten eingegriffen, obwohl Monat für Monat hohe Handyrechnungen einliefen. Nach Meinung der Richter hätte eine frühere Reaktion, zum Beispiel in Form einer Abmahnung, erfolgen müssen (ArbG Frankfurt, Urteil v. 24.09.2010, 24 Ca 1697/10).

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und wird wohl in die nächste Instanz gehen. Wir dürfen gespannt sein, denn der Kollege aus der Großküche ist nicht der erste Mitarbeiter, der auf diese Art und Weise aufgefallen ist. Sein Fall ist aber der schadensreichste aus einer Gruppe von zig weiteren Kündigungsfällen im selben Unternehmen, die wegen zu hoher Handyrechnungen ausgesprochen wurden. Von den insgesamt 20 Kündigungsschutzklagen gegen den Arbeitgeber sind bisher vier in der ersten Instanz zugunsten der Arbeitnehmer ausgegangen.

Ines



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 29. September 2010 um 15:28 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Kündigungsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

«  –  »

Keine Kommentare »

No comments yet.

Leave a comment