So kam auch das Ergebnis eines Urteils des Landesarbeitsgerichts Schleswig-Holstein (vom 9.6.2011, AZ: 5 Sa 509/10) zustande: Eine psychische Erkrankung ist nicht gleichzusetzen mit Schuldunfähigkeit und schützt nicht vor Kündigung.

Ein Arbeitnehmer war als Sachbearbeiter beschäftigt. Seit der Trennung von seiner Familie befand er sich kurzfristig in ambulanter psychologischer Behandlung und war aufgrund eines psychischen Zusammenbruchs auch danach noch einige Zeit arbeitsunfähig. Wieder zurück im Büro konnte er es nicht unterlassen, fortlaufend anzügliche Bemerkungen gegenüber seinen Kolleginnen zu machen. Unter anderem beleidigte er eine Vorgesetzte und weitere Arbeitnehmerinnen mit den Worten „Besser eine Frau mit Charakter als drei Schlampen“ und wurde daraufhin abgemahnt. Als er dann auch noch öffentlich behauptete gesehen zu haben, dass seine Vorgesetzte die Nacht bei einem HIV-positiven Geschäftspartner verbracht hatte, erfolgte die fristlose Kündigung.

Der Sachbearbeiter klagte gegen die Kündigung, blieb jedoch auch in zweiter Instanz erfolglos. Er argumentierte, er sei aufgrund einer Depression schuldunfähig gewesen. Doch die Richter waren anderer Ansicht. Eine verhaltensbedingte fristlose Kündigung setzt zwar in der Regel ein schuldhaftes Verhalten voraus. Das Gericht stellte jedoch fest, der Mitarbeiter habe durch die sexuell gefärbten groben Beleidigungen den Betriebsfrieden und die betriebliche Ordnung in hohem Maße gestört. Es sei dem Arbeitgeber nicht zuzumuten, dies auch künftig hinzunehmen, selbst wenn der Mann bei den Vorfällen schuldlos gehandelt haben sollte.

Ines

 

Bildquelle: © Berc - iStockphoto.com


Dieser Beitrag wurde am Freitag, 26. August 2011 um 13:23 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Kündigungsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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