So entschied kürzlich das Arbeitsgericht in Frankfurt am Main (Urteil vom 23.7.2010, 7 Ca 263/10). Ein Sparkassen-Teamleiter hatte sich für eine Bewerbung als Organisationsleiter bei einem Giroverband sein Arbeitszeugnis selbst geschrieben. Auf einem Blanko-Formular ergänzte er den Text und kopierte die Unterschrift des Geschäftsführers darunter. Dies blieb nicht unentdeckt. Als der Chef davon erfuhr, kündigte er dem Mitarbeiter fristlos.

Kündigung unwirksam, entschieden die Richter in Frankfurt. Das Verhalten des Teamleiters sei zwar als „außerdienstliches Fehlverhalten“ zu werten. Dies habe jedoch keinen Einfluss auf die Arbeitsleistung oder dessen betriebliche Verbundenheit, so das Urteil. Die Fälschung der Unterschrift stellt wohl eine Straftat dar, sie darf aber laut Urteil trotzdem nicht als Kündigungsgrund herangezogen werden.

Das Urteil lässt einige Frage offen: Warum hat die Urkundenfälschung auf einem Arbeitszeugnis nichts mit der betrieblichen Verbundenheit zu tun? Würde sich ein loyaler Mitarbeiter, der sich seinem Betrieb verbunden fühlt, so verhalten? Oder wird hier ein Unterschied gemacht, weil es sich um eine Art „interne Bewerbung“ handelt? Wäre der Fall anders entschieden worden, wenn sich der Mitarbeiter bei einer Konkurrenz- Bank beworben hätte? Weil irgendwie schließen sich doch betriebliche Verbundenheit und eine Bewerbung per se aus, oder? Und was ist mit dem Vetrauensverhältnis, auf das immer so viel Wert gelegt wird? Wir warten gespannt auf die Entscheidung in der 2. Instanz.

Ines



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 15. Oktober 2010 um 12:01 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Kündigungsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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