Tolle Sache bei Volkswagen: Der Konzern hat eben bekanntgegeben, dass 2.200 Leiharbeitnehmer in die Stammbelegschaft übernommen werden sollen. Gibt es also doch das oft beschworene „Sprungbrett Leiharbeit„, welches eine Brücke vom atypischen zum typischen Normalarbeitsverhältnis bauen soll? In diesem Fall lautet die Antwort eindeutig: ja! Generell sind wir aber leider meilenweit von einem solchen Sprungbrett entfernt. Die Zahlen sind sehr bedrückend: Nur sieben Prozent der Leiharbeitnehmer schaffen es, im Entleihbetrieb eine Festanstellung zu erhalten.

Grund genug für die Gewerkschaften, heute am 24.02. einen bundesweiten Aktionstag Leiharbeit zu organisieren. DGB-Gewerkschaften haben dabei zu Aktionen gegen den Missbrauch von Leiharbeit und für mehr sichere und faire Arbeit aufgerufen. Mit vielen Demonstrationen, auch vor dem Bundeskanzleramt, will man auf Mißstände aufmerksam machen.

Das ist dringend nötig! Denn nach einer DGB-Studie sind viele Leiharbeitnehmer trotz Job auf Hartz IV-Hilfe vom Staat angewiesen. Der Grund: Miserable Bezahlung. Im Schnitt verdienen sie nur halb so viel wie normal Vollzeitbeschäftigte. Bei Leiharbeitern bestehe ein vier bis fünf Mal so hohes Verarmungsrisiko wie bei normal Angestellten, so die Studie.

Nur: Leiharbeit ist längst etabliert und auch akzeptiert. Politisch wird an ihr nicht gerüttelt. Und wenn sogar Wohlfahrtsverbände wie die evangelische Diakonie immer mehr Leiharbeitnehmer beschäftigen und dadurch niedriger entlohnen, spürt man, wie tief verankert Zeitarbeit mittlerweile bereits ist. Bei der katholischen Kirche sieht es nicht viel besser aus! Von den christlichen Sozialträgern darf man besonders enttäuscht sein. Natürlich: Kirchen agieren wie große Unternehmen. Allein die Diakonie verfügt über 435.000 festangestellte Arbeitnehmer! Hinter den Kirchen stehen jedoch andere Werte als hinter normalen Firmen. Jawohl, Werte! Bei Kirchen, auch bei ihren Wohlfahrtsverbänden, geht es um Nächstenliebe und um Seelsorge. Was aber ist davon zu halten, wenn auch hier der Trend dazu geht, immer mehr Leiharbeiter zu beschäftigen, die wissentlich schlechter entlohnt werden als die Stammbelegschaft. Das mag wirtschaftlich angezeigt sein, ist aber, leider Gottes, aus der christlichen  Sichtweise heraus keinesfalls in Ordnung! Ein schwieriger Spagat. Aber hier geht es in die falsche Richtung!

Aktuell tut sich was bei der Leiharbeit. Bei den Hartz IV-Verhandlungen wurde beschlossen, einen branchenübergreifenden Mindestlohn ab 01. Mai 2011 einzuführen. Gut so! Im Bundestag wird gerade ein Antrag der SPD behandelt, mit xdessen Hilfe ein Mißbrauch von Leiharbeit eingedämmt werden soll. Leider ist das Vorhaben chancenlos. Der Ausschuss für Arbeit und Soziales hat bereits im Vorfeld empfohlen, den Antrag abzulehnen. Eine politische Mehrheit dafür ist derzeit nicht zu haben.

Ursprünglich wollte der Gesetzgeber mit dem Instrument der Leiharbeit den Arbeitgebern ein flexibles Mittel an die Hand geben, um Auftragsspitzen in der Produktion flexibel aufzufangen. Gute Idee an sich. Nur: Mit der Realität hat das nicht mehr viel gemein. Derzeit gibt es bereits über eine Million Leiharbeiter, die genau wie Festangestellte tätig sein. Tendenz: steigend! Leiharbeit wird immer normaler. Das ist besonders gut für die Arbeitgeber: Sie erhalten billige Arbeitskräfte, die sie im Fall des Falles ganz schnell wieder los sind. Schlecht ist es für Arbeitnehmer: Denn sie verdienen häufig nur Hungerlöhne und haben keine Planungssicherheit für ihr Leben. Die negativen Folgen für die Gesellschaft sind unüberschaubar.

Gute Leiharbeit? Nein, wenn überhaupt dann nur in Nischen. Volkswagen macht gerade vor, dass es auch anders geht. Na also.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 24. Februar 2011 um 13:45 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Leiharbeit, Mindestlohn abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Das finde ich ja lustig, dass DGB zu Aktionsstag aufruft, wo er doch selber Teil des Lohnproblems in der Zeitarbeit ist.

    Kommentar von: GH – am 24. Februar 2011 um 14:19

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