von Peter am 01.12.2010, 17:10 Uhr , Kategorie: Leiharbeit, Mindestlohn

Alptraum EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit: Im Mai 2011 fallen hier die letzten Schranken. Dann dürfen Beschäftigte aus EU-Osteuropa fast grenzenlos auf unserem Arbeitsmarkt tätig werden. Immer mehr Menschen dämmert so langsam, welche Folgen dies haben könnte. Wer derzeit bei einer deutschen Zeitarbeitsfirma beschäftigt ist, muss dann befürchten, schon bald durch einen polnischen oder einen anderen osteuropäischen Arbeitnehmer ersetzt zu werden. Der Lohn machts! In Ost-Polen soll das Lohnniveau angeblich bereits bei unter 2 Euro pro Stunde beginnen.

Beunruhigende Zeiten kommen da auf uns zu. Dabei ist es keineswegs so, dass ab dem nächstem Mai nur polnische Firmen auf den deutschen und auf andere westeuropäische Märkte drängen werden. Deutsche Zeitarbeitsfirmen sind angeblich selber schon hochaktiv in der Sondierung des Marktes. Wer seinen Firmensitz in Polen hat, könnte zumindest nach der momentanen Rechtslage wesentlich billigere Arbeitskräfte nach Deutschland ausleihen, die dann nicht den deutschen sondern den polnischen Tarifen unterliegen würden. So könnten die Löhne in Deutschland weiter nach unten gedrückt werden. Letztlich würden deutsche Unternehmen am meisten von der neuen Situation profitieren.

Laut einem neuen TV-Bericht von „Report München“ haben bis zu 500 deutsche Betriebe bereits jetzt das Know-how, wie sie am 1. Mai 2011 loslegen können. Man rechnet mit bis zu einer halben Million Arbeitnehmern allein aus Polen, die zum Einsatz kommen. Jetzt drängen sie alle, die FDP immer noch ausgenommen, auf einen Mindestlohn für die Zeitarbeitsbranche. Mit sozialem Gewissen hat das jedoch nichts zu tun, nur mit Selbstschutz. Ein seltenes Bündnis von den LINKEN über die SPD zu Ursula von der Leyen, den Bundesländern bis hin zum Arbeitgeberpräsidenten Dieter Hundt hat sich da gebildet.

Der Mindestlohn soll es richten. Zumindest könne man sich so Wettbewerbsvorteile vor der polnischen Zeitarbeitsindustrie verschaffen. Bleibt abzuwarten, wann die FDP ihren Widerstand aufgeben muss. Die Einführung des Mindestlohns für die Zeitarbeit wird jedenfalls schon in Kürze kommen.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 01. Dezember 2010 um 17:10 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Leiharbeit, Mindestlohn abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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4 Comments »

  1. Dann aber nicht auf halbem Wege stehenbleiben und gleich einen deutschlandweiten Mindestlohn vereinbaren. Das würde auch gleich (bei entsprechender Höhe >7,50€/h) die Neiddebatten gegen HartzVI-Empfänger reduzieren, da dann das Abstandsgebot eingehalten werden kann.

    Kommentar von: Micha – am 01. Dezember 2010 um 20:26

  2. Wenn hier die Handlungsmöglichkeiten der Betriebsräte angepasst würden, wäre schon ein Stück weit geholfen. Zum Beispiel: Der Lohn des Leiharbeiters darf nicht unter dem Lohn des vergleichbaren Mitarbeiters im Entleiherbetrieb liegen. Das BAG hat hierzu aktuell wohl den ersten Schritt gemacht, indem sie die führende Gewerkschaft für den Zeitarbeitsbereich für nicht Tariffähig einstuft. Die Zeitarbeitsbranche wird sich aber flott was neues einfallen lassen.

    Headline: Spitzenorganisation der Christlichen Zeitarbeitsgewerkschaften (CGZP) die Rote Karte gezeigt.
    Das Kürzel CGZP steht für „Christliche Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personalserviceagenturen“. Die Gewerkschaft darf künftig keine Tarifverträge mehr abschließen, weil ihr das BAG die Tariffähigkeit absprach (Az.: 1 ABR 19/10). Zur Gültigkeit bestehender Verträge für zehntausende Leiharbeiter machten die Bundesrichter zunächst keine konkreten Angaben.

    Kommentar von: Georg – am 17. Dezember 2010 um 15:43

  3. Ja, ein Albtraum. Es ist beängstigend, wie sich die Dinge entwickeln.

    Silvio Gesell hatte diese Entwicklung vorausgesehen. Bereits 1918, also kurze Zeit nach dem ersten Weltkrieg, als jeder über Frieden sprach und viele internationale Organisationen zur Friedenssicherung gegründet wurden, schrieb Gesell den folgenden Brief an den Herausgeber der „Zeitung am Mittag“ in Berlin:

    „Trotz dem heiligen Versprechen der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten, trotz der Rufe der Millionen: „Nie wieder Krieg“, entgegen all den Hoffnungen auf eine schönere Zukunft muß ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich es, heute schon zu behaupten, daß es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen.

    Ich sehe die kommende Entwicklung klar vor mir. Der heutige Stand der Technik läßt die Wirtschaft rasch zu einer Höchstleistung steigern. Die Kapitalbildung wird trotz der großen Kriegsverluste rasch erfolgen und durch ein Überangebot den Zins drücken. Das Geld wird dann gehamstert werden. Der Wirtschaftsraum wird einschrumpfen, und große Heere von Arbeitslosen werden auf der Straße stehen. An vielen Grenzpfählen wird man dann eine Tafel mit der Aufschrift lesen können: „Arbeitsuchende haben keinen Zutritt ins Land, nur die Faulenzer mit vollgestopftem Geldbeutel sind willkommen.

    Wie zu alten Zeiten wird man dann nach dem Länderraub trachten und wird dazu wieder Kanonen fabrizieren müssen, man hat dann wenigstens für die Arbeitslosen wieder Arbeit. In den unzufriedenen Massen werden wilde, revolutionäre Strömungen wach werden, und auch die Giftpflanze Übernationalismus wird wieder wuchern. Kein Land wird das andere mehr verstehen, und das Ende kann nur wieder Krieg sein.“

    Quelle: http://userpage.fu-berlin.de/roehrigw/benjes/ben03.html

    Kommentar von: Killerzins – am 22. Dezember 2010 um 09:07

  4. Ist doch toll,

    wir lassen alle rein, da wir dringend Arbeiter brauchen.

    Wen schert es da, das es im eigenen Land viele gibt, die keinen Job bekommen, obwohl sie arbeiten können und wollen.

    PS: Wo steht es eigentlich geschrieben, dass sich nur die besser Verdienenden den Job ihrer Wahl suchen dürfen und die anderen müssen jeden Mist annehmen?

    Kommentar von: Karl – am 04. Januar 2011 um 12:08

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