von Peter am 17.01.2014, 16:42 Uhr , Kategorie: Leiharbeit

Nicht nur, dass Leiharbeit in Deutschland mit einem schlechten Ruf zu kämpfen hat. Auch Leiharbeiter selbst sind häufig nicht besonders glücklich mit ihrer Situation. Es war die Studie einer …  ja … Leiharbeitsfirma, die letzteres  Ergebnis zu Papier brachte. Das Personalberatungsunternehmen Page Personnel befragte zusammen mit TNS Infratest 11.000 Leiharbeitnehmer und 2.000 Arbeitgeber weltweit,  knapp 1.600 davon in Deutschland (hier der Link zu den deutschen Ergebnisen der Studie). Wenig überraschend: 85% der befragten Unternehmen finden Leiharbeit prima. Ganz anders dagegen die eingesetzen Arbeitnehmer: Die Mehrheit (54%) halten  im Zweifel eher nicht so viel davon.

In der Studie wurden die Beschäftigten nach den größten Vorteilen befragt, die Leiharbeit für sie persönlich habe. Die Mehrheit, nämlich 60%, gaben an, der größte Vorteil läge für sie im Aufbau ihres beruflichen Netzwerks. Und für immerhin 57% bedeute Leiharbeit eine Beschäftigung in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Moment, wieso denn wirtschaftlich unsichere Zeiten? Der Arbeitsmarkt und die Anzahl der angebotenen Stellen boomt doch in einer Tour, wie man häufig lesen kann. Aber gut. War wohl die Antwortmöglichkeit etwas schief formuliert.

Auch interessant: 55 % aller befragten Betriebe sind der Meinung, dass der Einsatz von Leiharbeitern für sie keinen Imageverlust bedeuten würde. Weltweit liegt dieser Wert bei 60 %. Vielleicht täusche ich mich ja, aber mal davon abgesehen, dass es für etliche Jobs, die über Leiharbeiter erledigt werden, sicher ein paar gute Gründe gibt (die berühmte Auftragsspitze, die bei manchen viele Jahre anzudauern scheint, ist nur einer davon), hat die Verleihbranche seit etlichen Jahren schon ein ziemlich negatives Image, was häufig mit Niedriglohn, Austausch der Stammbelegschaft, Mißbrauch der Gesetzesmotivation und Zwei-Klassen-Belegschaft assoziiert wird. Also gar kein schlechtes Gewissen?

Im Spiegel äußert sich der Deutschlandchef der Personalberatung, welche die Studie durchgeführt hat. Er meint, dass man speziell hierzulande als Leiharbeiter davon ausgehe, später auch eine Festanstellung zu bekommen. Eine Übernahme in das Unternehmen während des Einsatzes sei ein primäres Ziel vieler Leiharbeitnehmer. Das ist ja wohl klar, denn neben einer dadurch entstehenden persönlichen Planungssicherheit gibt es bei einem solchen Change im Normalfall auch gleich mehr Lohn in die Tüte. Nur: Dieser Wunsch geht nach der Studie nur für 43 % der eingesetzten Leiharbeiter in Erfüllung. Für mehr als die Hälfte bleibt die Festanstellung somit ein Traum.

Bleibt der Blick in den Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD, um eine vage Ahnung zu bekommen, wie es in nächster Zukunft mit der Leiharbeit weitergehen könnte. Danach soll zum einen die Überlassungshöchstdauer auf 18 Monate begrenzt werden, wobei jedoch durch Tarifverträge schon wieder Ausnahmen zugelassen werden dürfen. Zum anderen soll das Gehalt der Leiharbeitnehmer nach spätestens 9 Monaten in einem Unternehmen an das Gehalt der Festangestellten angepasst  werden. Man darf gespannt sein, wobei klar sein sollte, dass ein Koalitionsvertrag oft nur so was wie eine Absichtserklärung darstellt. Das ist nicht viel.

Dass Leiharbeit in vielen Fällen als Institut mißbraucht wird, was zu Lasten der Beschäftigten geht, ist weithin bekannt und dokumentiert. Die Kanzlerin zeigte sich zuletzt wenig kompetent, was das Thema betrifft. Es wird höchste Zeit, dass sich hier etwas ändert. Denn der Trend zur Leiharbeit geht langfristig steil nach nach oben.

Bildquelle: © Jörg Lantelme – Fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 17. Januar 2014 um 16:42 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Leiharbeit abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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