von Susanne am 25.10.2011, 11:08 Uhr , Kategorie: Lohn und Gehalt

Der Herbst ist da, und damit auch die Erkältungszeit. Die Grippewelle rollt und allerorts geht das Gehuste und Geschniefe los. Was für die einen meist nur ein lästiges Mitbringsel der kalten Jahreszeit ist, stellt berufstätige Eltern gleich vor mehrere Probleme. Was es an Krankheiten zu holen gibt, schnappen die lieben Kleinen in Kita & Co nämlich nur allzu gerne auf. Statistisch gesehen brüten Kinder durchschnittlich zehn Infekte pro Jahr aus. Was also tun, wenn von heute auf morgen das Kleine krank ist? Wer bleibt daheim? Wie lange darf man in der Arbeit fehlen? Wer zahlt in dieser Zeit den Lohn?

Die weit verbreitete Ansicht, Mütter oder Väter könnten in jedem Fall zehn Tage pro Jahr zu Hause bleiben, trifft leider nicht immer zu. Einheitliche Regelungen über zulässige Fehlzeiten für Beschäftigte mit Kind gibt es in Deutschland nicht. Je nach Einzelfall können die Ansprüche erheblich variieren. Dennoch können Eltern oftmals auf auf zwei Gesetze bauen:

Finanziell am besten fährt, wer sich auf § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) beruft. Danach dürfen Arbeitnehmer in bestimmten (Not-) Fällen „für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ bezahlt fehlen. Was unter dieser unkonkreten Formulierung genau zu verstehen ist, hat das Bundesarbeitsgericht zuletzt in den 70er Jahren konkretisiert, als es als Richtwert für die Betreuung eines kranken Kindes unter acht Jahren fünf Arbeitstage festlegte. In Stein gemeißelt ist diese Zahl jedoch nicht: Vereinzelt erlauben Gerichte Eltern abhängig vom Alter des Kindes und der Dauer des Arbeitsverhältnisses Fehlzeiten bis zu zehn Tage oder sogar mehr. Der Haken an der Sache: § 616 BGB kann arbeits- oder tarifvertraglich ausgeschlossen werden! Es lohnt sich also, die eigenen Verträge genauer unter die Lupe zu nehmen.

Relativ klar ist die Rechtslage nur, wenn Arbeitnehmer (und deren Kinder) gesetzlich krankenversichert sind. In diesem Fall darf gemäß § 45 des Sozialgesetzbuches (SGB) V jeder Elternteil zehn Arbeitstage im Jahr sein Kind gesund pflegen – Alleinerziehende 20 Tage im Jahr – wenn

  • das Kind jünger als zwölf Jahre ist
  • ein Arzt bescheinigt hat, dass die Betreuung des Kindes notwendig ist
  • keine andere Betreuungsperson zur Verfügung steht und
  • kein Anspruch auf bezahlte Freistellung durch den Arbeitgeber besteht.

Auch die Lohnfortzahlung ist für gesetzlich Versicherte geregelt: Kassenpatienten bekommen 70 % ihres pauschalierten Bruttolohns, maximal jedoch 90 % ihres Nettoeinkommens von der Krankenkasse als sogenanntes Kinderkrankentagegeld.

Für Privatversicherte gelten diese Regelungen nicht. Sie müssen sich mit den vagen Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuches begnügen und auf einen kulanten Arbeitgeber sowie verständnisvolle Kollegen hoffen. Übernimmt der Chef bei Fehlzeiten nicht freiwillig den Lohn, müssen Privatversicherte den Verdienstausfall selbst tragen. Gleiches gilt für gesetzlich Versicherte, deren Kind beim privat versicherten Partner mitversichert ist.

Susanne

Bildquelle: © Joanna Zielinska - Fotolia.com

 



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 25. Oktober 2011 um 11:08 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Lohn und Gehalt abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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