von Susanne am 09.08.2011, 11:23 Uhr , Kategorie: Lohn und Gehalt, Streikrecht, Tarifrecht

Nun also doch kein Chaos an deutschen Flughäfen: Der für heute von der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) geplante Streik der Fluglotsen wurde im allerletzten Moment gestoppt. Mitten in der Nacht hatte die Deutsche Flugsicherung (DFS) den Schlichter angerufen, kurz nachdem die Arbeitsgerichte den Streik in zwei Instanzen für rechtmäßig erklärt hatten. Es war bereits der zweite Streikversuch der Fluglotsen. Erst vergangene Woche waren sie mit ihren Plänen gescheitert, da das Arbeitsgericht Frankfurt eine ihrer Forderungen für rechtswidrig erklärte. Mit angepassten Forderungen gingen sie erneut auf Konfrontationskurs – und siegten vor Gericht. „Im Sinne der betroffenen Fluggesellschaften und der Passagiere ist die Schlichtung daher das einzige Mittel, um die GdF wieder an den Verhandlungstisch zu bewegen.“, so die DFS in ihrer Pressemitteilung.

Tausende Flüge und hunderttausende Passagiere wären von dem Streik betroffen gewesen. Mit der Anrufung des Schlichters gilt nun die sogenannte Friedenspflicht. Die GdF darf demnach in den nächsten vier Wochen die Arbeit nicht niederlegen. Urlauber können wieder aufatmen – zumindest die Ferienzeit ist gerettet!

Ohne Fluglotsen bleibt jede Maschine am Boden. Aufgrund ihrer strategisch wichtigen Position haben sie eine deutlich größere Verhandlungsmacht in Tarifgesprächen als andere Berufsgruppen. Im Gegensatz zu ihren Kollegen im europäischen Ausland verzichteten die GdF-Mitglieder in der Vergangenheit jedoch auf Streiks, konnten sie doch auch ohne Arbeitsniederlegung satte Konditionen aushandeln. Jetzt habe es nach Angaben der GdF aber keine Alternative mehr zu einem Streik gegeben.

Nicht nur die Urlauber waren entsetzt. Auch der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) reagierte mit Unverständnis auf die erneute Streikandrohung der Fluglotsen und fordert die Fluglotsen-Gewerkschaft auf, unverzüglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Kritisiert wurde insbesondere, dass es der Gewerkschaft nicht nur um mehr Lohn gehe, sondern dass diese versuche, in unternehmerische Entscheidungen einzugreifen.

Kritik an den Streikplänen äußerte in den vergangenen Tagen auch Bundesverkehrsminister Ramsauer: Er habe wie die Urlauber „kein Verständnis für Streiks in der Ferienzeit“. Fluglotsen verdienten bereits um die 120.000 Euro im Jahr bei 25 Stunden Wochenarbeitszeit und bei 40 bis 50 Urlaubs- und Kurtagen. „Das müssen sie den Familien, die sich ihren Urlaub mühsam zusammengespart haben und dann womöglich wegen eines Streiks am Flughafen festsitzen, erst mal erklären“, so der Bundesverkehrsminister gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Spiegel„.

Ohne die – zweifellos hohe – Bedeutung der Tarifautonomie schmälern zu wollen, stellt sich an dieser Stelle doch die Frage, ob das Vorgehen der Gewerkschaft strategisch klug war. Die Tatsache, dass Einzelinteressen ohne Rücksicht auf Verluste über alles gestellt werden, erhöht in der Öffentlichkeit nicht gerade das Verständnis für Arbeitskampfmaßnahmen. Und diese bittere Pille müssen jetzt leider all diejenigen schlucken, die sich für das „große Ganze“ einsetzen.

Susanne

 

Bildquelle: © Ben Burger - fotolia.com


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  1. […] Fluglotsen wie angekündigt am heutigen Dienstag, 09.08.2011, streiken (siehe auch die Meldungen hier und […]

    Pingback: Streikforderung nach festen Einstellungsvoraussetzungen zulässig - Kanzlei Blaufelder – am 11. August 2011 um 14:51

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