Ab 1. Januar 2015 gilt auch im Taxigewerbe der gesetzliche Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde. Seit kurzem überfluten einen die Medien mit Horrornachrichten aus der Branche. Überall werden oder würden Fahrer massenhaft entlassen. Wie hier in Halle an der Saale zum Beispiel, wo angeblich ein Drittel aller Beschäftigten arbeitslos werden soll. Und dann bekommt es auch noch der Kunde selber ab: Denn die Preise sollen im neuen Jahr um etwa 30 Prozent steigen. Entsprechende Tarifänderungen seien bei vielen Kommunen bereits beantragt. Schuld auch hier: Dieser Mindestlohn,  der für Taxiunternehmen das Geschäft nicht mehr rentabel macht.

Ich muss gestehen: ich check es nicht ganz! Michael Müller ist Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes. Laut Müller gibt es 28.000 deutsche Taxi-Unternehmen mit etwa 220.000 Fahrern. Der aktuelle Durchschnittlohn liege bei etwas unter 6 Euro 50 (was bei einer 40 Stunden-Woche übrigens lachhafte 1.040 Euro im Monat sind – brutto!). Und dieser Durchschnittslohn würde auf 8,50 Euro angehoben werden? Wer bisher als Taxi-Arbeitgeber seinem Fahrer 6,50 Euro die Stunde gezahlt hat, zahlt 2 Euro mehr.

Somit steigen die Lohnkosten für einen Unternehmer rechnerisch tatsächlich um 30 Prozent, packt man da noch Abgaben und Steuern drauf, sogar noch um mehr. Aber: Was nimmt denn ein Fahrer in der Stunde so ein? Lassen wir mal die Standzeiten weg. Deren offiziellen Wert kennt man nicht. Wir stellen uns einen Fahrer vor, der super ausgelastet ist. Fährt man mit dem via A14 vom Hauptbahnhof in Halle an der Saale zum Hauptbahnhof in Magdeburg, dann sind das ca. 99 km, für die man bei guten Verkehrsverhältnissen  eine gute Stunde braucht. Der Taxikostenrechner von bettertaxi spuckt hierfür Taxikosten in Höhe von 168,40 Euro aus. Das muss ich als Kunde zahlen.

Jetzt kommt’s: Lege ich auf diesen Fahrtpreis die 2 Euro mehr Lohn um, die der Fahrer ab 1.1. zusätzlich bekommt und von mir aus nochmal pauschal 2 Euro für Abgaben und Steuern, dann komm ich auf Gesamteinnahmen für diese Stunde in Höhe von etwa 172 Euro. Zur Erinnerung: Vorher waren es 168. Die Steigerung: 2 Prozent. Standzeiten und Leerfahrten gibt es auch, aber selbst wenn man es auf eine halbe Stunde umrechnet und davon ausgeht, dass in der anderen halben Stunde nichts verdient wird, komme ich auf eine Steigerung von nicht mal 5 Prozent, was mich die Fahrt mehr kostet. Fünf!

Wer erklärt mir, wieso deswegen nun „massenhaft“ Fahrer entlassen werden müssen und warum die Fahrtkosten um irre anmutende 30 Prozent steigen? Vielleicht deshalb, weil es viel zu viele Taxen gibt, von denen sehr viele sehr lange einfach nur rumstehen? Ist das der Grund? Was läuft falsch? Der Mindestlohn ist an dieser Misere sicher nicht schuld. Er soll lediglich das Einkommen derer steigern, die eh kaum was verdienen.

Bildquelle: © fotogorg – fotolia.de



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 24. Oktober 2014 um 15:23 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Mindestlohn abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Das ist doch eine klare Sache.

    Eine Fahrt wie Sie in der Beispielrechnung annehmen hat ein Taxifahrer von den 220.000 Taxifahrern durchschnittlich einmal in 10 Jahren.

    Hinzu kommt, dass angenommen diese Fahrt würde durchgeführt, dieser Taxifahrer diese gesamte Strecke wieder leer zurück fahren muss, und diese Fahrt einschließlich der Rückfahrt nicht in nur zwei Stunden zu bewältigen ist.

    Oder gestatten Sie mir noch die eine Frage:
    Wie oft haben Sie in Ihrem Leben bisher eine Taxifahrt gehabt, bei der Sie dem Taxifahrer mehr als 100,- Euro bezahlt haben?

    Um die Standzeiten zu reduzieren müssten die Hälfte der Taxen abgeschafft werden, dies würde dann dazu führen, dass 110.000 Taxifahrer arbeitslos würden.

    Ich hoffe Sie haben jetzt etwas verstanden.

    MfG

    Kommentar von: Michael – am 26. Oktober 2014 um 14:48

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