von Peter am 24.08.2010, 11:59 Uhr , Kategorie: Mindestlohn

Die massive Kritik am Textildiscounter KiK zeigt langsam Wirkung. Nachdem vor Kurzem eine aufsehenerregende Reportage in der ARD ausgestrahlt wurde, wo man sehen konnte, wie KiK-Mitarbeiter in Deutschland ausgebeutet werden, aber auch zu welch skandallösen Bedingungen die Firma die Waren in Fernost  produzieren lässt, bewegt sich das Unternehmen nun zumindest ein klein wenig. Scheinbar wurde der Druck dann doch etwas zu groß. Möglich, dass auch der Umsatz zurückgegangen ist, denn erfreulicherweise sind offenbar immer mehr Verbraucher bereit, diesen Firmen durch eine Abstimmung mit den Füßen klarzumachen, was sie von dem Ganzen halten. Zumindest diejenigen, die sich das leisten können.

KiK will nun einen Mindestlohn einführen: Ab Oktober soll jeder Beschäftigte, also auch Aushilfen, mindestens 7,50 Euro die Stunde erhalten. Ein Betrag, der fast schon sensationell anmutet, bedenkt man, dass KiK vor einiger Zeit noch dafür verurteilt worden ist, weil es einer Mitarbeiterin lediglich 5,20 Euro die Stunde gezahlt hat. Eine solche Höhe stufen Juristen gerne auch mal als „sittenwidrig“ ein!

Die Ankündigung läßt verhaltenen Jubel ausbrechen: Der Abeitgeberverband HDE spricht von einem „richtigen Schritt“, die Gewerkschaft ver.di nennt es eine „gute Nachricht“. Wir rechnen dagegen kurz mal nach: 7,50 Euro die Stunde macht bei 160 Arbeitsstunden im Monat genau 1.200 Euro brutto. Bei Lohnsteuerklasse III verbleiben 954,30 Euro netto. Ob sich davon eine Familie angemesssen ernähren lässt, bezweifeln wir ganz erheblich.

Eine Sache geht hier aber scheinbar völlig unter: Wer die erwähnte TV-Reportage neulich gesehen hat, der war vor allem vom Schicksal der armen Menschen in Bangladesch betroffen, die die KiK-Waren unter für uns kaum vorstellbaren Bedingungen herstellen. Ob KiK hier auch mal was verbessern will, dazu wurde nichts verlautbart. Der Zustand dort, das ist der eigentliche Skandal. Und da sollte nicht nur KiK am Pranger stehen, sondern auch viele andere Textil-Einzelhändler.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 24. August 2010 um 11:59 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Mindestlohn abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Unglaublich, Ausbeutung in Deutschland so weit das Auge reicht.
    Paradies für Unternehmer. Billiglohnland Deutschland.
    Nur, wie lange noch? Der Bericht über den Amoklauf in Amerika zeigt,
    wie weit man einen Menschen treiben kann.
    So wird es auf jedenfall nicht weitergehen, es kommt noch einiges auf uns zu
    denn, „der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht“

    derose

    Kommentar von: derose – am 15. Dezember 2010 um 18:53

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