von Peter am 04.08.2015, 11:58 Uhr , Kategorie: Mindestlohn

Mindestlohn, Zollkontrolle, Finanzkontrolle SchwarzarbeitJe reicher, desto schäbiger? 200 Millionen Euro auf der hohen Konto, aber nicht willens, den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen? Der Kragen könnte einem platzen, wenn man liest, wie der Duke of Rutland, ein extrem vermögender britischer Adeliger seine Angestellten behandelt.

In Großbritannien beträgt der gesetzliche Mindestlohn 6,50 Pfund, umgerechnet etwas über 9 Euro. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, zahlt der Duke 57 Angestellten seiner Schlösserverwaltung weniger als diesen Betrag.

Woher die Zeitung das weiß? Natürlich aus dem Internet! Hier betreibt die britische Regierung seit zwei Jahren eine Webseite, auf der sie alle paar Wochen eine Liste aktualisiert. Auf dieser veröffentlicht sie für alle einsehbar „erwischte“ Arbeitgeber als Mindestlohn-Sünder. Genannt werden dabei die Namen der Firmen sowie die Nachzahlungen und Strafen, die das Finanzministerium festgesetzt hat.

In Deutschland hat der Zoll 2015 bisher 25.000 Kontrollen durchgeführt und 146 Ermittlungsverfahren wegen Verdacht des Verstoßes gegen den Mindestlohn eingeleitet.

„Name and shame“ heißt das bei den Briten, also „benennen und blamieren“. In Deutschland gilt seit Anfang 2015 der gesetzliche Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro. Seine Einhaltung überwacht die Finanzkontrolle Schwarzarbeit, eine Abteilung der deutschen Zollverwaltung. Im ersten Halbjahr 2015 wurden etwa 25.000 Kontrollen durchgeführt. In 146 Fällen leiteten die Beamten Ermittlungen wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen den gesetzlichen Mindestlohn ein.

Die Veröffentlichung solcher Daten im Internet ist in Deutschland nicht vorgesehen. Nur: Warum eigentlich nicht? Ich möchte als Arbeitgeber nicht auf einer Liste stehen, vielleicht sogar nach Postleitzahlen geordnet, wo jedermann in meiner Region und sonstwo sehen kann, dass ich auf die Einhaltung sozialer Mindeststandards für meine Beschäftigten pfeiffe. Datenschutz und vor allem rechtsstaatliche Erwägungen liefern sicherlich Gründe, warum das bei uns nicht möglich wäre.

Dennoch: Helfen täte es wohl. So ließ der Duke of Rutland nun öffentlich vermelden, er gedenke sich ab sofort an die Vorschriften zu halten. Wie edel Ihr doch seid, Sire! A propos edel: Die Engländer heben den Mindestlohn in den nächsten Jahren schrittweise auf 12,50 Euro an. Vielleicht ein Impuls für Deutschland, den Mindestlohn auch bei uns schon bald zu erhöhen. Es wäre dringend geboten!

Quelle: Süddeutsche Zeitung – Bildquelle: © Andreas Scholz – fotolia.de



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 04. August 2015 um 11:58 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Mindestlohn abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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