von Peter am 21.09.2009, 17:39 Uhr , Kategorie: Mobbing

Monika Hirsch-Sprätz ist Sozialpädagogin und leitet die Mobbingberatungsstelle Berlin-Brandenburg. In einem Gespräch mit der sonntaz, der Wochenendbeilage der Berliner Zeitung taz, berichtet sie von ihrer Arbeit und über aktuelle Erscheinungsformen von Mobbing. Sie erklärt, dass die Mobbing-Arten zwar immer noch die gleichen seien, das Vorgehen jedoch insgesamt viel rigider wurde. So würden beispielsweise Führungskräfte mittlerweile regelrechte „Mobbingaufträge“ an Untergebene im mittleren Management verteilen. Eine Vorstellung die, wie ich meine, nur schwer zu ertragen ist.

Konkrete Vorwürfe richtet Hirsch-Sprätz jedoch gegen so manche Betriebsräte in großen Unternehmen. Es sei kein Geheimnis, dass Betriebsräte oft nur so tun, als ob sie Mobbing-Opfern helfen würden, in Wahrheit aber zum Arbeitgeber halten und entsprechend handeln, so die Beraterin. Grund dafür seien neben Bestechung auch ein Mangel an Zivilcourage, persönliche Existenzangst sowie die Furcht vor Konsequenzen.

Ein Blick auf die Rangliste der meistgebuchtesten und nachgefragtesten Seminarthemen beim ifb, dem Institut zur Fortbildung von Betriebsräten, lässt auch eine andere Meinung zu. Schulungen zum Thema Mobbing, wie sie hier in vielen Kursen vermittelt werden, gehören seit etlichen Jahren zu den Dauerbrennern im Programm. Das Interesse und Engagement zu diesem Thema ist im Gegenteil mittlerweile so groß geworden, dass vom 11. bis 13. November 2009 nun zum zweiten Mal eine eigene Fachtagung veranstaltet wird. „Licht ins Dunkel bringen!“ ist ihr Motto und sie will Betriebs- und Personalräte dazu bewegen, sich mutig und konsequent für Mobbing-Opfer einzusetzen.

Denn Hilfe ist etwas, das Kolleginnen und Kollegen in solchen Situationen am dringendsten brauchen. Monika Hirsch-Sprätz: „Manchmal reicht es schon, zu sagen, was die nächsten Schritte sein können. Dann erscheint die Situation nicht mehr ausweglos.“ Und das ist meist nur der Anfang. Es gibt mittlerweile ein großes Netzwerk an Mobbing-Hilfsorganisationen. Leider wissen das viele Opfer gar nicht. Auch hier kann man deswegen als Betriebsrat durchaus schon mal präventiv ansetzen: Also bereits im Vorfeld ausreichend informieren! Es gibt viel, was man tun kann.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Montag, 21. September 2009 um 17:39 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Mobbing abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Hallo,
    ich bin seit 1996 freigestellter BR Vorsitzender und verwahre mich gegen die pauschalierte Darstellung, Betriebsräte würden Mobbingopfern nicht helfen.
    Gerade in Seminaren haben meine Gremiumskollegen und ich gelernt, das erste Ohr zu sein. Häufig handelt es sich nicht um Mobbing sondern um soziale Fehlleistungen Dritter, manchmal genau so schlimm. Häufig auch Übersensibilisierung der Opfer, da ist manch leistungsbezogener Vorgesetztenspruch schon Mobbing. Rundum haben wir die Erfahrung gemacht, dass Drittstellen besser helfen können, da völlig unternehmensfremd.

    Gruß RGK

    Kommentar von: elephanteum – am 21. September 2009 um 18:11

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