von Peter am 30.01.2008, 09:29 Uhr , Kategorie: Allgemein

DGB-Arbeitsrechtlerin Martina Perreng erklärt in einem lesenswerten Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass wir in einem gesellschaftlichen Klima leben, in dem der Einzelne nicht mehr nur als Mensch, sondern vielmehr als „Lebensmanager“ betrachtet wird: Der Wert eines Menschen hänge demnach heutzutage davon ab, wie viel er in allen Lebensbereichen auf die Reihe kriegt.

Na denn herzlichen Glückwunsch allerseits! Beruf, Familie, Gesundheit: Man braucht sich jedenfalls im Falle eines persönlichen Scheiterns nicht allzuviel Hoffnung machen. Denn die ansonsten übliche Millionenabfindung, die man als Manager immer gerne noch als „Abschiedsbonus“ mitbekommt, steht bislang jedenfalls nicht zur Debatte.

Peter

von Peter am 29.01.2008, 09:59 Uhr , Kategorie: Lohn und Gehalt, Mindestlohn

In der aktuellen Debatte um die Einführung von Mindestlöhnen wird vielfach ein Mindeststundenlohn von 7,50 Euro gefordert. Dazu passt eine aktuelle Meldung des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) wonach im Jahr 2006 in Ostdeutschland jeder Fünfte weniger als diesen Betrag verdient habe, im Westen übrigens noch jeder Zwölfte. Mal abgesehen davon, dass dies ein mal wieder pregnantes Licht auf die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung im Land wirft, bleibt die Diskussion spannend: Denn die Wirtschaftswissenschaftler warnen, dass bei Einführung eines Mindestlohns diejenigen Beschäftigten, die dadurch anschließend mehr verdienen würden, auch stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sein könnten. Könnten, wohlgemerkt! Das IWH schreibt selbst, dass die Entwicklung an sich weithin unklar ist und dies nur „vermutlich“ so sei.
Der Briefzusteller Pin hat indes einen Mindestlohn akzeptiert. So ist es vorstellbar, dass die Erhöhung der Löhne in diesem Segment von den Firmen betriebswirtschaftlich weggesteckt werden kann. Kritiker befürchten wie so oft den Wegfall von Arbeitsplätzen ins Ausland. Nur gibt es mittlerweile in fast allen EU-Ländern ebenfalls Mindestlöhne. SPD-Chef Beck kann das ganze „Getöse“ um das Thema deshalb nicht verstehen.
7,50 die Stunde sind übrigens rund 1.200,- Euro im Monat. Brutto! Menschen schuften Tag für Tag und müssen danach noch behördliche Zuschüsse beantragen, um die Familie überhaupt halbwegs ernähren zu können. Es gehört zur Menschenwürde, dass man vom Geld seiner Arbeit (über-)leben kann. So kann es nicht weitergehen.

Peter

von Peter am 28.01.2008, 11:00 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt

Vor zwei Jahren wurde die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes (ALG) I für unter 55-Jährige von 32 auf maximal 12 Monate gekürzt. Es handelte sich dabei um einen zentralen Punkt der rot-grünen „Agenda 2010“. Nun wird dieser Zeitraum zumindest für über 50-Jährige wieder verlängert. Der SPIEGEL spricht von einer „Rolle rückwärts„: Rückwirkend zum 01.01.2008 sollen Arbeitslose nun ab 50 Jahren wieder 15 statt bisher nur 12 Monate ALG I erhalten, über 55-Jährige bis zu 18 Monate, über 58-Jährige bis zu 24 Monate. Letzterer Gruppe werden zukünftig außerdem verstärkt Angebote über Job-Wiedereingliederungen gemacht. Ziel soll es sein, dass niemand vor Vollendung des 63. Lebensjahres mit Abschlägen zwangsverrentet wird.

Warum das Ganze? Die Große Koalition will die Auswirkungen des Gesetzes etwas abmildern: Denn zwar ist es ein tapferes Ziel, ältere Arbeitnehmer wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern, nur zeigt sich in der Praxis, dass es einfach regelmäßig sehr schwer umsetzbar bleibt. Der Clou kommt jedoch jetzt: Wer älter als 58 ist und bereits ALG II bezieht, wird in Zukunft sogar ganz aus den Arbeitslosen-Stastiken rausgeworfen, sofern ihm nicht innerhalb von 12 Monaten eine sozialversicherungspflichtige Arbeit angeboten wurde. Man gilt dann offiziell ganz einfach als „nicht mehr arbeitssuchend“. Das soll vom neuen § 53a SGB II so geregelt werden. Dazu der Kommentar von Ralf Brauksiepe (CDU), dem arbeitsmarktpolitischen Sprecher der Union: „Es ist ein gutes Gesetz geworden“.

Wirklich? Zumindest wird einem in dieser Sache recht deutlich vor Augen geführt, was möglicherweise mit ein Grund für die anhaltende positive Entwicklung der Arbeitslosenzahlen ist, wenn nämlich alle über 58-Jährigen nach einem Jahr ALG II ohne neue Jobangebote einfach nicht mehr mitgezählt werden… So einfach geht das – mal wieder – mit den Statistiken.

Peter

von Caroline am 15.01.2008, 13:44 Uhr , Kategorie: Allgemein, Arbeitsmarkt

Arbeitnehmer in Deutschland bleiben deutlich länger in ihrem Betrieb als Arbeitnehmer anderer Länder Europas. Im Durchschnitt sind es 10,5 Jahre, in Großbritannien dagegen nur 7,8. Eine kürzere Verweildauer gibt es auch in Dänemark und Irland (beide 8,1 Jahre), in Spanien (8,6), in Ungarn (9,1) und in Polen sowie in Tschechien (beide 9,6 Jahre). Darauf weist das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hin. Nach den statistischen Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) halten nur die Belgier und Franzosen (11,5 Jahre) und die Italiener (10,8) ihrem Arbeitgeber noch länger die Treue. (Quelle dpa)

Was meinen Sie? Woran liegt die Treue der Deutschen ihrem Unternehmen gegenüber?
Liegt es am starken Kündigungsschutz? Am Arbeitsmarkt? oder ist der Deutsche einfach nur bequem?

Ich bin gespannt auf Ihre Meinung!

Grüße Caroline

von Martin am 06.11.2007, 14:16 Uhr , Kategorie: Allgemein

Mit diesem Spruch wirbt die Bahn nach wie vor ? auch wenn dies in letzter Zeit aufgrund vieler Streiks der Lokführergewerkschaft GDL lange nicht immer gestimmt hat.
Pendeln Sie auch täglich mit der Bahn zur Arbeit und sind in den letzten Wochen des öfteren bei Wind und Wetter vergeblich auf dem Bahnsteig gestanden? Ja? Dann können Sie ja bestens nachvollziehen, wovon ich rede.
Aber wieso fällt in diesem Tarifkonflikt eine Einigung eigentlich so schwer?
In erster Linie geht es der GDL ? anders als in der Presse häufig geschrieben wird ? sicherlich nicht um eine 30 prozentige Lohnerhöhung. Vielmehr will sie einen eigenen Tarifvertrag für die Lokführer erreichen, in dem mehr geboten wird als die 4,5 %, die GDBA und Transnet vor Wochen mit der Bahn ausgehandelt haben. Nur wenn die GDL einen eigenen ?selbständigen? Tarifvertrag erreicht, macht eine Mitgliedschaft bei ihr überhaupt erst Sinn. Ansonsten können die Lokführer ja auch bei der GDBA oder bei Transnet eintreten, wenn es bei allen dasselbe gibt.
Gerade aber einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer will die Bahn mit aller Macht verhindern. Bei der Bahn AG sind viele verschiedene Berufsgruppen beschäftigt: neben den Lokführern auch Zugbegleiter (früher auch Schaffner genannt), Mitarbeiter im Stellwerk, Fahrkartenverkäufer und viele viele weitere. Wenn nun jede Berufsgruppe für sich einen eigenen Tarifvertrag erreichen will, und es dafür jedes Mal zu Streiks bei der Bahn kommt, dürfte die Bahn bald gar nicht mehr fahren.
Tja, eine verfahrene Situation und eine Lösung scheint nicht in Sicht. Nachdem nun ? anders als die Vorinstanz ? das Landesarbeitsgericht Chemnitz auch Streiks im Güter- und Fernverkehr für zulässig erklärt hat, wird wohl ab Donnerstag der Güterverkehr bestreikt werden und wir Pendler wahrscheinlich verschont bleiben. Wie lange das jedoch gut geht, wenn die Bahn keine Güter mehr transportiert?
Die Bahn kommt … ? am Donnerstag aber wohl nicht für die neu produzierten Autos, Eisenstangen … und was sonst noch so alles von der Bahn an Gütern transportiert wird.

Gruß
Martin

von Peter am 26.10.2007, 13:15 Uhr , Kategorie: Allgemein

Liebe Kollegen,

Hans-Werner Sinn (der Chef des Münchner Ifo-Instituts)  hat mich wieder einmal zum Nachdenken angeregt. Er sagt, dass Manager ruhig zu viel verdienen dürften. Die neue Transparenz bei Managergehältern fördere nur den Neid der Menschen und sei letztlich schädlich für die Wirtschaft.

„Mit etwas mehr Ungerechtigkeit lebt es sich besser“, sagte Sinn. „Etwas mehr Ungleichheit in der Einkommensverteilung bewirkt auch für die weniger gut dabei Wegkommenden letztlich einen höheren Lebensstandard, als wenn man ein egalitäres System schafft, wo alle das Gleiche kriegen und alle gleichermaßen arm sind.“ In der Marktwirtschaft denke doch zunächst einmal jeder an sein eigenes Wohlergehen.

So sagt Sinn. Macht das auch Sinn? Findet Ihr auch, dass mehr Wohlstand für alle, wichtiger als Gerechtigkeit ist? Das ganz Interview (ca. 4 Minunten) findet Ihr hier:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/705/139415/

Ich werde am Wochenende mal darüber nachdenken und bin sehr auf Eure Meinung gespannt.

Euer Peter

von Caroline am 10.10.2007, 15:49 Uhr , Kategorie: Allgemein

Bisher galten Italien oder Frankreich als streikerprobte Länder. Deutschland war eher die Ausnahme, wenn es darum geht für die Arbeitnehmerrechte auf die Straÿe zu gehen. Dies ändert sich aber gerade gewaltig. Der Bahnstreik ist seit Wochen in aller Munde und aus den Zeitungen nicht mehr wegzudenken. Streiks werden in Deutschland immer beliebter. So haben die Arbeitnehmer in Deutschland im vergangenen Jahr so viel gestreikt wie seit 13 Jahren nicht mehr. Der längste Arbeitskampf dauerte einer Studie zufolge sechs Monate.  Im langfristigen europäischen Vergleich ist Deutschland aber nach wie vor ein sehr streikarmes Land. Im Zehn-Jahres-Vergleich von 1995 bis 2005 kam die Bundesrepublik mit jährlich 2,4 Streiktagen je 1000 Beschäftigte unter den gröÿeren europäischen Ländern auf den letzten Platz. Sogar in der Schweiz wurde in diesem Zeitraum mehr gestreikt. An der Spitze liegt Spanien mit 145 Streiktagen je 1000 Beschäftigten, gefolgt von Italien mit 86,8 Tagen und Frankreich mit 71,5 Tagen. 

Mal sehen, wie es weitergeht mit der Streiklust in Deutschland. 

  Was meinen Sie? Geht der Trend in Richtung Streik?

von Peter am 05.10.2007, 08:20 Uhr , Kategorie: Allgemein

… hätte auch gerne kleine Wahlgeschenke.

In gut einem Jahr fäng der Bundestagswahlkampf wieder an. Da gibt es in der Fußgängerzone wieder Kullis von der FDP, Schlüsselanhänger von der CDU und Luftballons von der SPD.

Ein halbes Jahr später wird das arbeitende Wahlvolk schon wieder zur Wahlurne gerufen: zur Betriebsratswahl. Und was gibt es da an kleinen Aufmerksamkeiten? Meist nix!

Das muss aber nicht so sein, sagt das Berliner Finanzgericht (7 K 9184/06), denn Aufwendungen für Werbegeschenke, die einem Kandidat für seine Wahl in den Personal-/Betriebsrat entstehen, sind als Werbungskosten steuerlich berücksichtigungsfähig. Die Berliner Richter widersprachen damit dem Finanzamt, welches die Schlüsselanhänger, Kalender etc. im Wert von 500 Euro, für „Gewerkschaftspropagandamaterial“ gehalten hatte.

Also, auf in den (Wahl-)Kampf und die Luftballonpreise vergleichen, denn das dient laut Finanzgericht Berlin „der Sicherung und Verbesserung des eigenen Berufsbereichs“.

Als Wählerin freue ich mich schon auf die nächste Wahl.

Eure Caroline

von Sonja am 23.08.2007, 16:04 Uhr , Kategorie: Allgemein

…so die ßberschrift zu einem Artikel, den ich dieser Tage sehr interessiert las. Noch vor einigen Jahren, gehörte Mediation zu einem … na, sagen wir  mal vorsichtig ?eher belächelten Randgebiet für esoterisch angehauchte Exoten?. Eine damalige Anfrage bei meinem ersten Arbeitgeber, ob vielleicht eine Zusatzausbildung zur Mediatorin   für Familien- und Arbeitsrecht für unsere Kanzlei von Vorteil wäre, wurde mit einem fränkischen ?der amerikanische Schmarrn setzt sich bei uns niiieee durch? quittiert.
 
Zwischenzeitlich sieht die Situation anders aus.
 
In Niedersachsen wird bei Gericht schon längst Mediation zur Streitschlichtung herangezogen. Ohne Prozess, aber geleitet von einem als Mediator ausgebildeten Richter, werden Streitfälle einvernehmlich gelöst. Diese Versuche zeigen bemerkenswerte Erfolge ? und sparen der Gemeinschaft viel Zeit und Geld.
 
Laut meinem Artikel erkennen aber auch immer mehr Unternehmen die Vorzüge der alternativen Methode zur Lösung von Konflikten und nutzen diese, bevor es überhaupt zu einem Rechtsstreit kommt. Angeblich werden immer häufiger unter Anleitung unabhängiger Dritter, ohne die formalen Zwänge von Prozessordnung und Co. und insbesondere fernab aller ßffentlichkeit und Image-Schäden Lösungen gesucht und auch gefunden. 
 
Die IHK für München und Oberbayern hat 2006 ein IHK MediationsZentrum eingerichtet.  Dort wird ein umfassender Service im Bereich der Wirtschaftsmediation angeboten.
Soweit die Theorie. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Bei wem wurde denn schon mal im Unternehmen  ein professionelles Mediationsverfahren durchgeführt? Und, wie war es?  Führte es zum gewünschten Erfolg?
Ich würde  mich freuen, von Euch zu hören. Wenn der ?amerikanische Schmarrn? sich bei uns doch durchsetzt, vielleicht mach? ich die Ausbildung ja irgendwann noch…
Schöne Grüße von hier
 
Sonja

von Ines am 16.08.2007, 16:32 Uhr , Kategorie: Allgemein

Gestern hatte ich mal wieder ein persönliches Highlight im Rahmen der juristischen Hotline. Eigentlich ging es mehr um eine kleine Beschwerde als um eine juristische Frage. So war mein Gesprächspartner, ein Betriebsrat aus Berlin, zwar grundsätzlich sehr zufrieden mit dem Seminar, dass er bei uns gebucht und auch besucht hatte. Er war aber doch etwas ungehalten über die Aussage eines Referenten, der auf eine Frage aus dem Teilnehmerkreis antwortete: ?Ja, liebe Kollegen, das kommt ganz darauf an!?
?Det hab ich nu schön öfter jehört bei dene Rechtsleute?, klagte mein Betriebsrat. ?Wieso kommt det bei euch denn imma drauf an?? ?Jute Frage?, dachte ich. ?Echt ne jute Frage.? Und ich begab mich auf eine kleine Zeitreise, zurück in mein Studium, zurück in den Hörsaal (der für 200 Studenten zugelassen war, aber von 500 besucht wurde), zurück in die Vorlesung, wo schon die Professoren eines zu sagen pflegten: ?Sie wissen nicht, was Sie in diesem Fall entscheiden sollen? Ich sage es Ihnen: Es kommt ganz darauf an!? Irgendwann im Laufe des langjährigen Studiums, also ehrlich gesagt eigentlich erst ziemlich am Ende, habe ich es endlich verstanden. Tatsächlich gibt es bei Rechtsfragen meist ? und Gott sei Dank ? keine Pauschalantworten. Es ist immer, und das ist auch so eine beliebte Formulierung aus dem Rechtswesen, eine Sache des Einzelfalls. So zum Beispiel die Frage, welche Regelungen vorrangig zu behandeln sind, die aus dem Tarifvertrag oder aus der Betriebsvereinbarung. Grundsätzlich gilt: Der Tarifvertrag geht vor, aaaaaaaber……..die Regelung aus dem Betriebsvertrag geht vor, wenn sie gegenüber der Regelung aus dem Tarifvertrag für den Arbeitnehmer günstiger ist. Es kommt also erstens darauf an, ob es überhaupt eine Betriebsvereinbarung gibt und zweitens, ob deren Regelung günstiger ist. Alles klar?
Macht euch also nichts draus, wenn es wieder einmal heißt, es käme darauf an. Der Referent sagt es jedenfalls nicht, weil er es selbst nicht so genau weiß. Es müssen eben alle Details berücksichtigt werden.  Und unsere Fälle, sind meinst genauso individuell, wie wir selbst.
Viele Grüße von eurer Ines