ArbeitsgerichtIm Juni 2015 wurde im thüringischen Werk des Unternehmens Leist Oberflächentechnik in Fambach zum ersten Mal ein Betriebsrat gewählt. Nach „monatelangem Ringen“, wie das Portal insuedthueringen.de schreibt. Das neue Betriebsratsgremium setzt sich aus neun Mitgliedern zusammen. Eine längere Einarbeitungszeit war den Kollegen jedoch nicht vergönnt, denn: Nach Informationen der IG Metall erhielten der BR-Vorsitzende und sein Stellvertreter Anfang August völlig überraschend die fristlose Kündigung. Eine Begründung gab es keine. Gleichzeitig sprach der Arbeitgeber den beiden Kollegen ein Hausverbot aus.

Die betrieblichen Interessenvertreter setzten sich zur Wehr und konnten nun den ersten Erfolg erzielen. Das Arbeitsgericht Suhl hob das Hausverbot per Eilentscheidung letzte Woche auf. Somit ist der Zugang zum Betrieb und zu den Kolleginnen und Kollegen wieder gewährleistet. Über die Rechtmäßigkeit der anhängigen Kündigungsschutzklagen wird separat entschieden. Von einer Zustimmung zur Kündigung durch die Kollegen im Betriebsrat nach § 103 BetrVG ist jedoch nichts bekannt.

Wilder Osten? Wohl kaum. Vielleicht eher ein wildgewordener Arbeitgeber, der ganz im Sinne des leider populären
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von Peter am 04.09.2015, 15:07 Uhr , Kategorie: Betriebsrat

KiKHoch her ging es im Juni auf der Güteverhandlung beim Arbeitsgericht Dortmund. Mehr als 100 KiK-Mitarbeiter erschienen persönlich, um sich mit dem vom Unternehmen gekündigten Betriebsrat Andreas Piezocha solidarisch zu zeigen (wir berichteten). Mangels einer Einigung der Parteien traf das Gericht nun die Entscheidung: Es stimmte der Ersetzung der vom Betriebsratsgremium verweigerten Zustimmung zur Kündigung von Piezocha zu. Der kämpferische Kollege aus dem KiK-Zentrallager in Bönen bei Unna unterlag also, zumindest vorerst, denn: So einiges spricht dafür, dass er Beschwerde gegen die Entscheidung zum Landesarbeitsgericht eingelegen wird. Das BR-Gremium wird das wohl ebenso tun.

„Kik dich doch selbst ins Knie, du Ramschrampe!“ – diesen in Richtung Arbeitgeber gerichteten Spruch postete Piezocha auf seiner öffentlich einsehbaren Facebook-Seite.
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Mundipharma Betriebsgelände LimburgEs ist noch gar nicht so lang her, da erhielt das Limburger Pharmaunternehmen Mundipharma mehrfach Auszeichnungen für sein soziales Engagement und seine besondere Familienfreundlichkeit. Auch beim „Great Place to Work“-Wettbewerb konnte man als äußerst beliebter Arbeitgeber überzeugen, zuletzt 2015. Immerhin 1.000 Mitarbeiter sind hier beschäftigt: Mundipharma gilt als einer der größten und wichtigsten Arbeitgeber in der Region. In starkem Kontrast zu diesem positiven Image stehen Vorwürfe, wie die Firma mit ihrem Betriebsrat umgehen soll. Die Frankfurter Rundschau spricht von Sabotage, heftige Auseinandersetzungen sollen stattfinden. Rund 50 Gerichtsverfahren waren oder sind in Zusammenhang mit der betrieblichen Interessenvertretung anhängig, so die Tageszeitung.

„Die Hexe muss weg“ – Sätze wie dieser waren in den Führungskreisen Mundipharmas
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von Peter am 18.08.2015, 17:23 Uhr , Kategorie: Allgemein

KaffeeDie Lackierung des Lieferwagens lässt keinen Zweifel offen: ein paar nackte Frauenbeine in roten High-Heels, die sich lasziv auf Kaffeebohnen räkeln, darüber die mit einem roten Herz verzierte Headline „Verführerisch lecker“. Den Link zum Foto gibt’s ganz am Ende des Artikels unter „Quelle“, nicht eher.

Kaffeebohnen? Ja genau, denn es ist kein „Puffauto“, wie man meinen könnte, sondern der Lieferwagen des Mönchengladbacher Kaffeeversorgers Bovelett. Was „pfiffiges“ Neues wollte man hier in Sachen Werbung wagen.

Ein Mitarbeiter der Firma weigerte sich, mit diesem Fahrzeug dienstlich zu fahren, weil ihm das, gelinde gesagt, zu unseriös war. Kunden hätten sich bereits negativ geäußert. Arbeitgeber und Angestellter stritten miteinander, schließlich war der Kollege krank geschrieben. Der Krankschreibung folgte die fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber.

In der Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht kam es zu keiner Annäherung. Das Gericht ließ jedoch erkennen, dass es keinen rechten Grund für eine fristlose Kündigung sehe, da es dem Mitarbeiter tatsächlich eventuell unzumutbar hätte sein können, dieses Fahrzeug zu benutzen. Original-Ton: „Auch seien die nackten Frauenbeine in dem Kfz bedenklich, da dies den Eindruck erwecke, dass dort eine nackte Frau drin liegen würde bei geöffneter Tür.“ Ja da schau her.

Das Gericht schlug einen Vergleich vor, ohne Erfolg. Die Sache wird jetzt streitig.

Eins haben sie alle zusammen erreicht: Aufmerksamkeit. Und darum geht’s ja in der Werbung, oder? Dennoch: Während manchem das nicht scharf genug zu sein scheint (bitte?), haben wir zu der Aktion eine andere Meinung: Die Werbung ist völlig sexistisch, total daneben und geht gar nicht.

Quelle: RP Online (hier versteckt sich auch das Foto…) – Bildquelle: © CC BY 2.0, via flickr/Thomas Schlosser

Hamburg, Zeitungsmarkt, MoPo, Hamburger MorgenpostWer Hamburg kennt, dem ist auch die „MoPo“ ein Begriff. Die Hamburger Morgenpost ist eine Boulevardzeitung, die schon länger mit einer stark sinkenden Auflage zu kämpfen hat. Knapp 90.000 Exemplare verkauft man täglich, aber allein im letzten Jahr fuhr man ein Minus von fast 11 Prozent ein. Der ganze Markt geht nach unten, auch die Konkurrenten Hamburger Abendblatt und Bild Hamburg machen da keine Ausnahme. Die Branche ist im Umbruch, das ist kein Geheimnis.

Eigentümer der MoPo ist seit 2009 der Medienverlag M. Dumont Schauberg, eines der größten deutschen Verlagshäuser mit Sitz in Köln.

Im Verlagsgebäude der MoPo in Hamburg-Bahrenfelde herrscht seit mehreren Jahren Unruhe. Betriebsbedingte Kündigungen, Stellenabbau und Umstrukturierungen, all das kommt immer wieder zur Sprache. Betriebsräte und Gewerkschaft betreiben den Blog
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Bosch Rexroth, UmstrukturierungWas mag das nur für ein schreckliches Gefühl sein, wenn man erfährt, dass der Arbeitgeber ein Kostensenkungsprogramm in gewaltiger Höhe plant? Die Mitarbeiter der Bosch Rexroth AG mit Sitz im unterfränkischen Lohr am Main machen diese Erfahrung gerade. Ende Juli gab das Industrieunternehmen bekannt, dass es „seine Zukunftsfähigkeit langfristig sichern wolle“. Es geht dabei um den großen Produktbereich Mobile Anwendungen. Hier werden Getriebe und Hydrauliken für mobile Arbeitsmaschinen auf Baustellen oder in der Landwirtschaft hergestellt.

Die Rede ist von einer Kostenreduzierung in Höhe von 450 Millionen Euro. Kostenreduzierung, 450 Millionen? Die Angst um den Arbeitsplatz wird angesichts dieser Worte und Zahlen bei vielen sofort von 0 auf 100 gestiegen sein. Was für ein Schock!

Jetzt ist der Betriebsrat gefordert, vielleicht wie noch nie zuvor. Bosch Rexroth kündigte an, mit den Arbeitnehmervertretern offene Gespräche zu führen, um ein Gesamtkonzept zu prüfen und evtl. alternative Maßnahmen zu überlegen. Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort sind am Kochen, denn: Nach einem Artikel der Würzburger Main-Post habe der Arbeitgeber
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Zalando, Schrei vor GlückMehr als 2.500 Mitarbeiter, eine Wahlbeteiligung von 70 Prozent und 21 neue Kolleginnen und Kollegen, die den Schritt gewagt haben. Gratulation, Zalando in Erfurt hat es getan: Nach der Wahl eines Betriebsrats im Logistik-Standort Brieselang bei Berlin, werden Anfang Juni einige Tausend Beschäftigte im riesigen Zalando-Hauptlager Erfurt vor Glück geschrien haben: Die Mitbestimmung ist – endlich – auch bei ihnen angekommen.

Schrei vor Glück – mit diesem Spruch und attraktiven Werbevideos zog der Online-Händler vor einigen Jahren jede Menge Aufmerksamkeit auf sich. Auch dadurch legte er den Grundstock für sein raketenartiges Wachstum im Bereich des Internet-Schuh- und Modeshoppings im deutschsprachigen Raum. Der Umsatz explodierte in letzten Jahren nahezu: Nach 150 Millionen Euro im Jahr 2010 betrug er 2014 bereits gigantische 2,2 Milliarden Euro. Das jährliche Wachstum liegt  immer im zweistelligen, manchmal im dreistelligen Prozentbereich (zuletzt gab es 26 % Plus 2013/14).

Schreien vor Glück konnten bislang, gerade wegen dieser Entwicklung, vor allem die Anteilseigner, weniger die Mitarbeiter. Deren Arbeitsbedingungen gerieten in den Fokus, als zwei TV-Reportagen
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von Peter am 07.08.2015, 14:19 Uhr , Kategorie: Betriebsrat

DruckereiDie GGP Media GmbH aus Pößneck ist eine der größten Offsetdruckereien Europas. Knapp 1.000 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Bis zur Wende druckten die Thüringer fast alle Bücher der DDR, sogar das Telefonbuch von Moskau wurde hier hergestellt. Bekanntheit erlangte das Unternehmen auch, weil es sich 2005 als erstes europäisches Unternehmen überhaupt hat FSC-zertifizieren lassen. In Punkto „umweltverträgliche Produktion“ stellte dies eine Pionierleistung dar. Auch die beliebten Harry Potter-Bücher hat GGP Media gedruckt, die deutsche aber auch die englische Version. Eine gewaltige Auflage war das, die wegen der Neugier der Fangemeine unter den strengsten Sicherheitsvorkehrungen hergestellt wurde, was weltweit zu vielen Berichten führte.

Nun ist leider der Betriebsrat des Unternehmens in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Wie MDR Thüringen berichtet, werden aktuell im Betrieb Unterschriften gesammelt, um eine Neuwahl des BR-Gremiums zu erreichen. Falko Eismann, der Initiator der Aktion, erklärte dem Radiosender MDR die Gründe: Man sei unzufrieden mit dessen Arbeit. Die Kollegen vom Betriebsrat würden sich nicht genügend für die Belange der Belegschaft einsetzen.

Ein dazu befragtes Betriebsratsmitglied zeigte sich auf Rückfrage des MDR überrascht
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Arbeit am Notebook mit HandverletzungWelches Körperteil am häufigsten bei Arbeitsunfällen in den Branchen Energie, Textil, Elektro und Medienerzeugnisse verletzt wird, verrät eine aktuelle Unfallstatistik der zuständigen Berufsgenossenschaft BG ETEM. Danach sind nicht der Kopf oder der Rücken, sondern die Hände der Spitzenreiter und zwar mit 22.705 Fällen im vergangenen Jahr. Das entspricht in etwa 40 % aller erfassten 57.000 meldepflichtigen Arbeitsunfälle des Jahres 2014. Die Verletzungen erfolgen dabei meistens durch das Einwirken von Werkzeugen und laufenden Maschinen und Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen. Platz zwei in der Unfallstatistik belegen Knöchel und Füße gefolgt von Kniegelenk und Unterschenkel.

Unfälle sorgen nicht nur für Schmerzen und Leid, sie verursachen auch Kosten: Für die medizinische Behandlung und anschließende Rehabilitationsmaßnahmen aller meldepflichtigen Arbeitsunfälle, Wegeunfälle sowie der Berufskrankheiten hat die BG ETEM nach eigenen Angaben im  Jahr 2014 gut 814 Millionen Euro ausgegeben.

Bildquelle: © RioPatuca Images – fotolia.de

befristeter ArbeitsvertragDie Süddeutsche Zeitung hat es heute ganz oben auf dem Titel: „Immer weniger Jobs werden befristet“. Zuerst Erstaunen, dann aber eine Nachfrage: Ist das tatsächlich eine bedeutungsvolle, weil an sich gute Nachricht? Oder will man ihr durch die Platzierung in der ersten Reihe eine solche Bedeutung erst verleihen? Was steckt dahinter?

Hintergrund sind neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die zumindest wir online nicht entdeckt haben (für den Link wären wir dankbar). Über diese Zahlen wird heute ausführlich berichtet. Danach sei der Anteil der befristet Beschäftigten von 8,9 Prozent (2011) auf 8,1 Prozent (2014) zurückgegangen. Dies gelte für Arbeitnehmer ab 25 Jahren. Das ist ja ordentlich!

Arbeitsmarktexperten wie Karl Brenke vom DIW-Institut interpretieren dies mit dem Beschäftigungsboom auf dem deutschen Arbeitsmarkt. So viele Menschen wie nie zuvor seien in Lohn und Brot. 42,6 Millionen derzeit, die zumindst nach seiner Argumentation allein durch ihre schiere Masse automatisch eine verbesserte Verhandlungsposition im Job hätten. So könne man heute als Arbeitnehmer viel leichter als früher auf einen unbefristeten Vertrag pochen. Da sind wir beim Lesen das erste Mal unruhig geworden!

Die Süddeutsche Zeitung ist witzig: Einen Satz nach dem Zitat
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