von Christine am 20.04.2020, 21:53 Uhr , Kategorie: Psychische Belastungen
Entspannung statt Corona-Stress
Bild: Pixabay

Was tun gegen den „Corona-Koller“?

Seit gestern dürfen zwar in vielen Bundesländern ein paar Geschäfte wieder öffnen, z. B. Buchläden und kleinere Läden. Aber generell gilt: Die Kontaktbeschränkungen bleiben bis zum 3. Mai bestehen – vorerst. Nach vier Wochen Ausnahmezustand sind wir zunehmend erschöpft und dünnhäutig. Worin liegt jetzt die Gefahr? Und was tun gegen Genervtheit und Einsamkeit?

Corona geht nicht spurlos an uns vorbei, da sind sich die Stressforscher wahrscheinlich einig. Manche sprechen inzwischen schon vom „Corona-Koller“: Er beschreibt das hilflose Gefühl, in den eigenen vier Wänden zu sitzen und sich Kollegen, Freunden und Verwandten nur mit eineinhalb Metern Abstand nähern zu dürfen. Im Radio oder Fernsehen kommen täglich neue Schreckensmeldungen, und in den meisten Freundes- und Bekanntenkreisen ist inzwischen ein Covid-19-Fall angekommen. Langsam dämmert es uns: Corona ist kein Spuk, der schnell wieder verschwinden wird. All das ist eine Belastungsprobe, von der wir noch vor wenigen Wochen nichts geahnt haben – und die uns zunehmend zermürbt.

Drei Ursachen für den Stress

Der Corona-Stress hat drei Hauptquellen:

  1. Die Sorge um die eigene Gesundheit und die der Liebsten,
  2. die weitreichenden Einschnitte ins alltägliche Leben wegen der Kontaktbeschränkungen und
  3. die Ungewissheit und Angst vor den wirtschaftlichen Folgen.

Es gibt niemanden, der nicht betroffen ist – und keiner weiß, wie die Zukunft aussehen wird.

Was tun gegen Angst und Einsamkeit?

Aber es nutzt nix. Wir müssen da durch. Und man kann sich aktiv gegen den „Corona-Koller“ wappnen, sagen Wissenschaftler. Hierzu gibt es ein paar Tipps:

Struktur im Alltag beibehalten

Sehr wichtig ist es z. B., auch weiterhin eine feste Struktur in den Alltag zu bringen. Das gilt ganz besonders für Familien mit Kindern. Also nicht in den Tag „hineingammeln“, sondern zu festen Zeiten aufstehen, arbeiten und essen. Auch nicht in Jogginghose an den Schreibtisch setzen! So behält man das Gefühl der Kontrolle über den Tag.

Soziale Kontakte pflegen

Das Telefon erfährt im Moment eine ungeahnte Renaissance. Denn auch „virtuell“ kann – und muss! – man seine sozialen Kontakte pflegen. Videotelefonate oder WhatsApp-Chats sind ebenfalls sehr beliebt. Und warum nicht mal wieder „echte“ Briefe und Postkarten schreiben?

Gefühle zu benennen und über Sorgen zu sprechen kann dabei ein weiterer, wichtiger Schritt sein.

Grenzen der Informationen

Natürlich ist es wichtig und gut, sich regelmäßig über das aktuelle Geschehen zu informieren. Aber zu viel des Guten kann einen auch verrückt machen. Vielleicht reicht es, einmal am Tag die Nachrichten anzusehen?

Schöne Momente schaffen

Ein besonderes Essen kochen, ein schöner Gang im Sonnenschein (sofern erlaubt), mal wieder ein Brot backen, die Fotos aus dem letzten Jahr sortieren (und ansehen!), den Kids vorlesen oder endlich den dicken Schmöker lesen – all das macht Corona möglich. Die Liste der schönen Momente ist so lang und individuell wie wir alle. Wichtig ist dabei nur, dass wir uns auch bewusst Zeit für uns selbst und für die schönen Dinge nehmen.

Wie geht es weiter?

Die Pandemie ist nicht besiegt, Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach vor ein paar Tagen lediglich von einem „zerbrechlichen Zwischenerfolg“. Bund und Länder wollen alle zwei Wochen wieder beraten. Die nächsten Gespräche über das weitere Vorgehen sind am 30. April 2020 geplant. Bis dahin und darüber hinaus gilt: Bitte halten Sie durch!

Tipp: Kostenlose Telefonberatung für Betriebsräte bei psychischen Anliegen in der Corona-Krise

Fühlen Sie sich als Betriebsrat durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie überfordert, mutlos oder verunsichert?
Rufen Sie uns an! Unsere ifb-Expertin, die Diplom-Psychologin Frau Andrea Danker, berät Sie gerne zu allen psychischen Anliegen – vom Umgang mit Stress, Depressionen und Ängsten bis zu Tipps, wie Sie Ihre Psyche jetzt stärken können.

Unsere kostenfreie Krisen-Hotline: 08841 6112 163

Wann? Immer Dienstag von 9:00 – 11:00 Uhr und Donnerstag von 13:00 – 15:00 Uhr.

Hinweis: Alle Gesprächsinhalte behandeln wir selbstverständlich streng vertraulich. Ihre Daten werden nur zur internen Verarbeitung gespeichert und für den Fall, dass Sie sich erneut an uns wenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht.



Dieser Beitrag wurde am Montag, 20. April 2020 um 21:53 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Psychische Belastungen abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Wie verhalten sich andere Betriebe in Bezug auf Masken tragen. Ist das schon irgendwo verpflichtend oder hält man das freiwillig. Kann der Arbeitgeber jeden MA. dazu verpflichten?

    Kommentar von: Michael Dierker – am 21. April 2020 um 13:50

  2. Das ist eine sehr berechtigte Frage. Zum Thema Maskenpflicht werden wir bis spätestens Ende der Woche einen Beitrag veröffentlichen. Herzliche Grüße aus der Redaktion

    Kommentar von: Christine – am 21. April 2020 um 14:00

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