Ein angestellter IT-Experte lud den Akku seines Elektrorollers im Betrieb auf. Wert des dabei verbrauchten Stroms: 1,8 Cent. Dass er bereits seit 19 Jahren in der Firma beschäftigt war, ließ den Arbeitgeber unbeeindruckt: Er kündigte ihm mit sofortiger Wirkung fristlos. Der Arbeitnehmer zog vor das Arbeitsgericht – und erhielt nun auch in zweiter Instanz Recht: Nachdem bereits das Arbeitsgericht Siegen im vergangenen Jahr die Kündigung für unwirksam erklärte, urteilte nun das Landesarbeitsgericht Hamm entsprechend (Urteil vom 02.09.2010 – Az. 16 Sa 260/10). Die Begründung laut tagesschau.de: Der Arbeitnehmer habe sich 19 Jahre lang nichts zuschulden kommen lassen. Einen geringeren Schaden als im vorliegenden Fall könne man sich kaum noch vorstellen. Im übrigen habe der Arbeitgeber es auch geduldet, dass die Beschäftigten ihre Handys im Betrieb aufladen und elektronische Bilderrahmen betreiben. Auch dabei werden geringste Mengen an Strom verbraucht. Die vom Gericht vorzunehmende Interessensabwägung sei deswegen eindeutig zu Gunsten des Arbeitnehmers ausgefallen. Eine Abmahnung wäre in diesem Fall völlig ausreichend gewesen.

Der 41jährige Familienvater kündigte an, so schnell wie möglich wieder im Betrieb tätig werden zu wollen. Zwischenzeitlich wurde er auch in den Betriebsrat gewählt.

Link zur Pressemitteilung des Landesarbeitsgerichts Hamm

Pedter



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 03. September 2010 um 09:19 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Kündigungsschutz, Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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