von Peter am 01.02.2008, 14:20 Uhr , Kategorie: Rechtsprechung

Nach einem Hitler-Gruß gegen eine jüdische Kollegin ist einer Bankangestellten zu Recht gekündigt worden, berichtet FAZ.NET, die Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das Arbeitsgericht Frankfurt wies die entsprechende Kündigungsschutzklage der Arbeitnehmerin zurück. Aufgrund der langjährigen Betriebszugehörigkeit und des Alters der Angestellten bestätigten die Richter allerdings nur die fristgerechte, nicht aber die fristlose Kündigung (Urteil vom 08.01.08, Az: 1 Ca 7033/07).

Zwischen den beiden Kolleginnen war es zu einer Auseinandersetzung wegen der Benutzung eines Computersystems gekommen. Nachdem sich die jüdische Kollegin geweigert hatte, der späteren Klägerin zu helfen und stattdessen auf andere Arbeitnehmer verwies, äußerte diese:
?Die anderen sind doch schon tot. Heil Hitler?.

Laut dem Urteil ist eine derartige Entgleisung derart gravierend, dass eine Abmahnung keine ausreichende Sanktion sei. Schon im Hinblick auf den Betriebsfrieden und die Fürsorgepflicht müsse ein Arbeitgeber dafür Sorge tragen, dass es nicht zu derartigen ßußerungen komme. Eine Zeugin hatte vor Gericht geschildert, die beleidigte Kollegin sei ?völlig fertig? gewesen.

Bleiben zwei Fragen. Erstens: Wieso durfte der Arbeitgeber laut Gericht auf eine Abmahnung verzichten, muss aber im Gegenzug die betreffende Arbeitnehmerin bis zum Ende der Kündigungsfrist weiter beschäftigen, was gravierende Auswirkungen auf den Betriebsfrieden zur Folge haben wird?

Und: Darf man aus diesem Urteil den Schluss ziehen, dass man sich mit zunehmenden Lebensalter im Betrieb immer mehr rausnehmen und erlauben darf? Hätte das Gericht bei einem 18-Jährigen der die selben Worte gewählt hätte, eine fristlose Kündigung durchgehen lassen? Das darf man durchaus annehmen.

Manchmal werden Grenzen massiv überschritten und dann kann es keine Rolle spielen, wie alt man ist oder wie lange man irgendwo schon in Beschäftigung steht. Genau das war hier der Fall.
Vergangenheitsbewältigung am Arbeitsplatz, Anno 2008.

Peter



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