von Ines am 20.06.2014, 11:29 Uhr , Kategorie: Rechtsprechung

Mit dieser Frage hatte sich jüngst das Arbeitsgericht in Darmstadt zu beschäftigen. Folgendes war passiert: Eine Dame, Anfang 40, bewarb sich als Geschäftsführerin bei einer gemeinnützigen Patientenorganisation, die sich für Gesundheitsförderung einsetzt. Hier stellte sie sich auch persönlich vor. Die stellvertretende Vorsitzende vereinbarte einen zweiten Termin mit der Bewerberin, frage vorher jedoch schriftlich nach dem Grund für deren Übergewicht. Denn: Damit sei sie auf Mitgliederversammlungen kein vorzeigbares Beispiel und wirke den Empfehlungen des Vereins für Ernährung und Sport entgegen.

Zu dem Folgetermin erschien die gekränkte Kandidatin nicht mehr. Stattdessen erhob sie nach der bald darauf folgenden Ablehnung ihrer Bewerbung beim zuständigen Arbeitsgericht Klage auf Zahlung von Entschädigung und Schmerzensgeld nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) wegen Diskriminierung in Höhe von 30.000 Euro. Begründung: Sie habe die Stelle aufgrund ihres Übergewichts – einer Behinderung – nicht bekommen. Hilfsweise stützte sie die geltend gemachten Ansprüche auf eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechtes.

Das Gericht sah das anders und wies die Klage ab. Die Bewerberin war weder behindert noch durch Übergewicht eingeschränkt. Nach eigenen Angaben wog die Frau 83 Kilo bei einer Größe von 1,70 Metern und Kleidergröße 42. Außerdem stand nicht fest, ob die Patientenorganisation von einer solchen Behinderung überhaupt ausgegangen war. Vielmehr lag nahe, dass die Bewerberin abgelehnt worden war, weil sie nicht zum zweiten Vorstellungsgespräch erschienen ist. Immerhin hatte sie diesen Termin ja bekommen, obwohl man sich in einem ersten Gespräch bereits gesehen hatte.

Auch eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts lehnte die Richterin ab. Denn: Ein Arbeitgeber darf ohne weiteres in seine Erwägungen die Überlegung einbeziehen, ob der Bewerber aufgrund seiner Gesamtpersönlichkeit und Erscheinung bereit und in der Lage ist, seine Anliegen – hier gesundheitsbewusstes Verhalten – überzeugend zu vertreten.

Insgesamt standen der Klägerin nach dem Urteil also weder Entschädigung noch Schmerzensgeld zu (Urteil vom 12.06.2014, Aktenzeichen: 6 Ca 22/13). Laut Legal Tribune will es die Dame dabei übrigens nicht belassen und mit Hilfe ihres Rechtsbeistands in die nächste Instanz gehen.

Bildquelle: © Voyagerix – Fotolia.com



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