Mann fährt aus Rasenmäher etwas verrückt durch den Garten „Probieren kann man es ja mal“. Das hat sich der Hausmeister von Cora Schumacher, Ex-Frau von Formel 1-Pilot Ralf Schumacher, vielleicht gedacht, als er seine Arbeitgeberin auf Zahlung von 43.200,- Euro Lohn für geleistete Dienste verklagte. Tatsächlich gearbeitet hat er an 12 Tagen. In seinem formularmäßigen Arbeitsvertrag stand geschrieben: „Der Arbeitnehmer erhält eine monatliche Vergütung / einen Stundenlohn von 450,00 Euro.“ Beim Abschluss streicht man in dieser Zeile üblicherweise eine der beiden Varianten raus. Dies wurde übersehen. Später berief er sich auf § 305c BGB, wonach Zweifel bei der Auslegung eines Arbeitsvertrags zu Lasten des Arbeitgebers gehen. Bezüglich des Gehalts würden hier genau solche Zweifel bestehen. Folge: Die vereinbarten 450 Euro seien als Stundenlohn zu zahlen, nicht als Monatsvergütung.

43.200 Euro für 12 Tage Hausmeistertätigkeit? Absurd! Auch Cora Schumacher ging das zu weit. Sie verweigerte einen Großteil der Zahlung. Der Hausmeister klagte seinen vermeintlichen Lohn vor dem Arbeitsgericht ein – und verlor. Die Begründung des Gerichts liegt nicht vor. Der Haumeister dürfte aber daran gescheitert sein, dass es bei der Auslegung seines Vertrags überhaupt keine Zweifel gegeben hatte, die man zu seinen Gunsten hätte auslegen können. Wie auch? Der Arbeitsvertrag war sogar als „geringfügig beschäftigt“ überschrieben. Was sollte da unklar sein?

Aber das war nur ein Teil der Geschichte. Denn während die Sache mit der Lohnforderung juristisch gerade am Laufen war, gab der Hausmeister der Bild-Zeitung ein Interview und schilderte darin seine Sicht der Dinge. Cora Schumacher war nicht amused und schoss zurück: Per einstweiliger Verfügung wollte sie dem Ex-Angestellten einen Maulkorb verpassen. Ihren Antrag wies das Arbeitsgericht jedoch in Teilen als zu unbestimmt und unzulässig zurück.

Der Hausmeister habe ein gutes Recht, an seiner eigenen Interpretation des Arbeitsvertrages und somit an den 450 Euro Stundenlohn festzuhalten, so das Gericht  und dürfe dies sehr wohl äußern. Es sei nicht die Unwahrheit und auch nicht beleidigend.

Dieses Recht gilt auch im Rahmen von Arbeitsverhältnissen. Man darf sich in der Presse sehr wohl kritisch über den Arbeitgeber äußern, sofern man sachlich bleibt und im Verhältnis zur eigenen Stellung im Betrieb das rechte Maß wahrt. Unbedachte Äußerungen von Vorstandsvorsitzenden sollen schon globale Bankkonzerne an den Rand des Abgrunds gebracht haben. Eine solche Gefahr bestehe bei Frau Schumacher zwar nicht, aber letztlich ist es immer Abwägungssache. Insofern sah das Gericht keinen Grund, dem ehemaligen Hausmeister seine Äußerungen zu untersagen.

Was am Ende blieb, war ein wenig Presse für Frau Schumacher. Ob gute oder schlechte, wird sie selbst wissen.

Arbeitsgericht Mönchengladbach, Entscheidung vom 15.04.2016, Az. 5 Ga 7/16

Bildquelle: © lassedesignen – fotolia.de (Motivbild)



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 31. Mai 2016 um 16:24 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsvertrag, Lohn und Gehalt, Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

«  –  »

3 Comments »

  1. Ex-Frau?

    Kommentar von: ralf – am 28. Juni 2016 um 10:51

  2. Das Paar ist seit 2015 geschieden.

    Kommentar von: Peter – am 28. Juni 2016 um 10:54

  3. Dies ist ein Interessanter versuch eines Arbeitsvertrages. Jedoch nicht genau ausgeklügelt von dem Herrn Hausmeister.

    Kommentar von: Adalbert Allmann – am 05. Juli 2016 um 10:14

Leave a comment