von Ines am 08.10.2013, 14:41 Uhr , Kategorie: Rechtsprechung

Das ärztliche Attest besitzt einen hohen Beweiswert für das Vorliegen einer Arbeitsunfähigkeit. Doch was ist, wenn der Arbeitgeber aus für ihn offensichtlichen Gründen nicht an das Kranksein seines Mitarbeiters glaubt? Mit dieser Frage hat sich das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz beschäftigt (Urteil vom 06. Juni 2013, Az.: 10 Sa 17/13).

Ein Außendienstmitarbeiter eines Weinguts hatte mit dem Geschäftsführer ein Gespräch, in dem es um eine mögliche Arbeitgeberkündigung ging.  Am Folgetag legte der Mitarbeiter eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor, der anschließend weitere folgten. Der Arbeitgeber ging von einer vorgetäuschten Krankheit aus und kündigte fristlos. Hiergegen ging der Außendienstmitarbeiter vor.

In der Regel reicht das ärztliche Attest aus um das Vorliegen einer zur Arbeitsunfähigkeit führenden Erkrankung zu „beglaubigen“. Zweifelt der Arbeitgeber daran, muss er durch entsprechende Gegenbeweise den Beweiswert des Attestes entkräften. Gelingt ihm das, ist wiederum der Arbeitnehmer am Zug. Er hat nun die Möglichkeit, die Umstände, die gegen seine Arbeitsunfähigkeit sprechen, zu widerlegen. Zu diesem Zweck kann er begründete Darlegungen zu seiner Krankheit, den gesundheitlichen Einschränkungen, den ärztlichen Verhaltensanweisungen und der Medikation vornehmen. Dabei helfen beispielsweise die Entbindung von der Schweigepflicht und eine entsprechende Zeugenvernehmung des Arztes. Ist danach der Beweiswert der Arbeitsunfähigkeit wiederhergestellt, trägt wieder der Arbeitgeber die Beweislast für seine Behauptung, dass die Krankheit nur vorgetäuscht sei. Und so weiter und so weiter.

In unserem beschriebenen Fall war die Kündigung übrigens unwirksam, da dem Arbeitgeber bereits der erste Gegenbeweis nicht gelungen war.

Bildquelle: © PeJo – Fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 08. Oktober 2013 um 14:41 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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3 Comments »

  1. Eigentlich sollte der Arbeitnehmer Schmerzensgeld einklagen für die Behauptung des AG, er habe seine Krankheit vorgetäuscht . Es wäre ja denkbar, dass der AN aufgrund des geplanten Kündigungsvorhabens des AG psychisch angeschlagen war. Die Definition von Krankheit ist nicht AG-Sache, sondern WHO-Sache. Das Anzweifeln eines ärztlichen Attests ist eine absolute Anmaßung. Das Unterstellen einer vorgetäuschten Erkrankung ist bösartige Unterstellung.

    Kommentar von: Montana – am 10. Oktober 2013 um 08:12

  2. Ich stimme dem Kommentar von Montana in jeder Hinsicht zu. Ergänzend will ich noch hinzufügen, dass Arbeitgeber mittlerweile im Wolkenkucksheim leben. Abgehoben, unverschämt und geldgiegrig. Soziale Belange gehen in am Allwertesten vorbei. Nur so kann man sich erklären, dass dieser Arbeitgeber eine vorgetäuschte Krankheit unterstellt.

    Kommentar von: RaMue – am 18. Oktober 2013 um 16:20

  3. Ich kann meinen beiden Vorrednern nur zu stimmen. Sowas ist schon sehr dreist. Aber ist es nicht meistens so: Die Leute, die in jedem Monat mal krank sind, da fällt es nicht weiter auf. Aber wehe, jemand lässt sich mal krank schreiben, der ansonstn nur alle Jubeljahre krankk wird. Dann ist das Geschreie groß!

    Kommentar von: Raschi – am 28. Oktober 2013 um 09:06

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