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Die nächste absurde Kündigung: Brötchen gegessen, rausgeschmissen!

Die Liste an Fällen absurder Kündigungen nimmt scheinbar kein Ende. Wenn das Ganze nicht so bitter für die Betroffenen wäre, man könnte schallend lachen. Aber auch das was in diesem neuen Fall hier nun passiert ist, war leider kein Spaß: [1]

Eine Sekretärin des Bauverbandes Westfalen hatte sich in der Firma an einem Frühstücksbuffet zwei Brötchen genommen, die für Sachverständige, also externe Besucher, gedacht waren. Die Frau hatte diese Brötchen kurz vorher alle eigenhändig geschmiert und das Buffet vorbereitet. Was die Sekretätin nun genau dazu veranlasst hatte, davon ein wenig zu essen, ist nicht bekannt. Vielleicht wollte sie es abschmecken, vielleicht hat sie aber auch nur einem spontanen menschlichen Bedürfnis mit dem Namen Hunger nachgegeben? Ich finde, es ist auch egal.

Denn wir reden hier von einem Brötchen. Natürlich hat ihr das nicht gehört, aber irgendwo muss es eine Grenze der Unerheblichkeit geben. Ob das nun der Wert eines Brötchens ist, der einer Briefmarke oder der eines weißen Blatt Papiers: darüber kann man diskutieren. Im Falle des Handystrom-Diebs, über den wir vor kurzem an dieser Stelle berichtet [2] haben, ging es um weniger als einen Cent (!), den der Strom wert war, mit dem er sein Handy in der Firma aufgeladen hat, den er dem Arbeitgeber also „gestohlen“ hatte.

Der Sekretärin, die das Brötchen gegessen hatte, wurde vom Arbeitgeber fristlos gekündigt, nach 34 Dienstjahren! Grund: Vertrauensmissbrauch. Die Verhandlung vor dem Arbeitsgericht soll nun im Januar 2010 statt finden.

Sie meinen, so etwas ähnliches hatten wir schon mal? Stimmt! Das war beim Brötchenbelag-Fall. Da hat ein Bäcker einen Aufstrich nochmal abgeschmeckt, der auf ein Brötchen sollte, welches für den Verkauf bestimmt war. Kann man hier nochmal nachlesen. [3] Ist es die Wirtschaftskrise, dass sich diese Fälle nun scheinbar häufen oder haben Arbeitgeber lediglich ein neues Mittel gefunden, um Kündigungen zu begründen?

Wir brauchen dringend die Einführung einer arbeitsrechtlichen Grenze der Unerheblichkeit. Das wird sonst immer verrückter.

Und nicht nur rechtlich ist es verrückt, sondern auch persönlich: Denn was glauben Sie, wie Sie sich fühlen würden, wenn Sie 34 Jahre für einen Betrieb arbeiten und Ihr Arbeitgeber Sie von einem Tag auf den anderen fristlos kündigt, nur weil sie ein Brötchen gegessen haben?

Peter