Szenenwechsel: Sie haben sich gerade bei einer Firma auf eine freie Stelle beworben. Man lädt Sie zum Vorstellungsgespräch ein. Während Sie in einem Vorraum warten, öffnet sich die Tür. Ein Mann erscheint, schaut sie an und sagt ….. erst mal nichts. Daraufhin fragen Sie ihn, ob er denn der Vertreter des Unternehmens sei. Er bejaht. Sie stellen sich ihm mit Ihrem kompletten Namen vor. Der Mann erwidert, er sei jetzt schon etwas erstaunt, denn ihm sei eine Frau als Bewerberin angekündigt worden. Sie sagen, dass das schon stimme, sie seien diese Frau! Der Mann ist offenbar stark verunsichert, führt sie dann aber trotzdem etwas im Betrieb herum und erklärt Ihnen, um was es bei der Tätigkeit geht.

Was der Mann nicht wusste: Die geschilderte Bewerberin war transsexuell. Sie hatte also als Mann eine weibliche Identität angenommen. Ihr Aussehen schien aber offenbar noch etwas männlich zu wirken. Den Job hat sie nicht erhalten. Natürlich nicht.

Vor dem Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz ging es um eine Entschädigungsklage wegen Diskriminierung nach § 15 AGG. Die Kollegin meinte, der potentielle Arbeitgeber habe sie herabgewürdigt und ihre geschlechtliche Identität angezweifelt. Ihre Transexualität sei nicht bekannt gewesen. Es sei ein Unding, dass Menschen wie sie nicht nur dann diskriminiert werden, wenn das Trans-Sein bekannt sei, sondern auch, dass sie im gewählten Geschlecht zuweilen als von dieser Geschlechtsnorm abweichend auffielen auch weil sie sich vielleicht keinem der beiden anerkannten Geschlechter zuordnen wollten.

Die Klage wurde in der 2. Instanz abgewiesen. Zum einen habe sie leider – immer ganz wichtig –  die Fristen nicht eingehalten: Nach § 15 Abs. 4 AGG sind derartige Ansprüche innerhalb von 2 Monaten nach Ablehnung einer Bewerbung geltend zu machen. Sie sei genau einen Tag zu spät dran gewesen. Aber selbst wenn das gepasst hätte: Eine Diskriminierung wegen Transsexualität lag nach Ansicht des LAG nicht vor. Denn: Der Vertreter des Arbeitgebers wusste damals nichts davon. Die Kollegin hatte zum ersten Mal im Berufungsverfahren darauf hingewiesen. Somit konnte die Ablehnung deshalb nicht erfolgt sein (Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 09.04.2014, 7 Sa 501/13).

Gerichte lieben die Nichteinhaltung von Fristen. Kann man in so einem Fall den Anspruch meist ohne viel Aufsehen abweisen. Mit vielleicht schwierigeren materiellen Fragen muss man sich dann nicht mehr unbedingt befassen. Das LAG gab dennoch Anhaltspunkte zur vorgebrachten Diskriminierung. Wir meinen: Im Prinzip richtig, aber dennoch ganz schön leicht gemacht. Der Arbeitgeber beharrte darauf, er habe von der Transsexualität nichts gewusst. Er sei nur etwas verwirrt gewesen, weil die erwartete Frau aussah wie ein Mann. Wir wetten darauf, dass ihm die Sache überhaupt nicht geheuer vorkam und er deshalb lieber jemand anders den Vorzug gab. Für die transsexuelle Kollegin natürlich nur schwer zu beweisen. Aber gut, dass sie es nicht hat auf sich beruhen lassen und sich massiv zur Wehr setzte. Denn Diskriminierungen wegen ihrer Transsexualität müssen solche Menschen im Alltag leider jeden Tag und immerzu aushalten. Die Opferrolle hinzunehmen bringt meistens nicht.

Nehmen Sie als Betriebsrat Stellung gegen jegliche Form der Diskriminierung am Arbeitsplatz! Besuchen Sie ein Seminar und lernen Sie, wie Arbeitnehmervertreter in solchen Fällen helfen  können.

Bildquelle: © so47 – fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 30. Oktober 2014 um 17:16 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Gleichberechtigung, Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Hi,
    ich bin froh, dass mir dieses Problem bis jetzt erspart geblieben ist, da ich einen Job habe. Leider kenne ich aus Gesprächen, dass Problem der Jobsuche als TS zu gut. Eine transsexuelle Person hat es da wirklich nicht einfach. Es ist eben unser Schicksal neben den normalen Problemen die wir haben.

    Kommentar von: Jacky – am 27. März 2015 um 08:53

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