Die einen verwenden den Begriff so gerne, weil er ihrem Ideal entspricht, die anderen bekommen dagegen wegen seines inflationären Gebrauchs langsam aber sicher Brechreiz. Es geht um die fast schon legendären „jungen erfolgreichen Teams“ aus den Stellenanzeigen, für die mal wieder irgendwo ein Kollege oder eine Kollegin gesucht wird. Gerne ist das Team auch „engagiert“. Na ja, kennt wohl jeder. Ich stelle mir dabei immer eine Werbeagentur vor, in der hippe hübsche Menschen vor schicken Apple-Computern rumlümmeln, ständig auf der Suche nach der nächsten Kreativgranate. Bald kann es damit jedoch vorbei sein, denn: Solche Formulierungen schlagen, abgelenkt durch eine scharfe arbeitsgerichtliche Rechtsprechung, immer häufiger bei denen ein, von denen sie verwendet werden. Bei den Arbeitgebern also!

Ursächlich ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Dessen Hauptzweck liegt darin, Menschen vor Benachteiligungen diverser Art zu schützen. Dabei geht es vor allem um die Rasse, um das Geschlecht und die Religionszugehörigkeit, aber auch um das Alter! Auf letzteres nehmen etliche Arbeitgeber Bezug, wenn sie in ihren Stellenanzeigen ausdrücklich nach „jungen“ Mitarbeitern oder Kollegen für ein „junges“ Team suchen. Letzten August entschied das Bundesarbeitsgericht, dass es ein Indiz für eine Altersdiskriminierung darstelle, wenn in einer Annonce nach einem/r „jungen“ Mitarbeiter/in gesucht wird (siehe unseren Beitrag „Jung und willig sollst du sein!„).

In einer erst kürzlich veröffentlichten Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Hamburg (Urteil vom 23.06.2010, Az. 5 Sa 14/10) ging es den jungen, erfolgreichen Teams nun an den Kragen. Im zugrundeliegenden Fall hatte der Arbeitgeber in seiner Anzeige lediglich mitgeteilt, dass sich die Bewerber in ein“ junges, erfolgreiches Team“ einbringen können. Obwohl es sich dabei also nur um eine Selbstbeschreibung handelt, ging das dem Gericht schon zu weit. Die Argumentation: Wer das lese, dem sei klar, dass er in das Team nicht passe, wenn er nicht selbst ein entsprechendes Alter mitbringe.Wer wie der Kläger 50 Jahre oder älter ist, fällt da vornherein heraus.

Zitat aus dem Urteil: „Wenn einen Bewerber ein „junges Team“ erwartet, wird der durchschnittliche Leser einer Anzeige auch wissen, dass er eher in diese Team passt, wenn er selber ein entsprechendes Alter mitbringt und das liegt sicherlich nicht über 50 Jahre. Hieran ändert sich auch nichts dadurch, dass zugleich Berufserfahrung gewünscht wird. Das bedeutet zunächst nur, dass Berufsanfänger nicht gewünscht sind, aber auch jemand etwa Ende zwanzig könnte schon hinreichende Erfahrung mitbringen. Nach allgemeiner Lebenserfahrung besteht damit eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für einen Verstoß gegen die Bestimmungen zum Schutz vor einer Benachteiligung.“

Obwohl der Verdacht bestand, dass es sich beim Kläger um einen sog. AGG-Hopper handelt, erhielt er vom Gericht zwei Monatsgehälter Entschädigung zugesprochen.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 13. Januar 2011 um 15:25 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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8 Comments »

  1. I.d.R. ist man für die obengenanten Unternehmen mit 30 uralt und mit 40 schon scheintot.
    Im Zusammenhang mit „engagiert“ bedeutet eine solche Anzeige übersetzt sinnesgemäß:
    „Wir suchen einen 20-Jährigen Vollprofi mit abgeschlossenem Studium, Kenntnisse in 20 Programmiersprachen, Beziehhungsfrei bei Mutti wohnend mit wenig Selbstbewustsein, damit wir ihn bis zum letzten ausquentschen können, wenn er dann mit 25 schon zu alt und erfahren ist“ 😉

    Kommentar von: AndreB – am 14. Januar 2011 um 10:19

  2. kann man sich nicht damit rausreden, dass mit „jung“ nicht das Alter der Bewerber gemeint sei, sondern das „Alter“ des Teams? Es sich also um eine Gruppe handelt, die es noch nicht allzu lange gibt und die nun Verstärkung sucht?

    Kommentar von: schindler – am 14. Januar 2011 um 10:37

  3. Mit dieser Verfahrensweise werden doch nur die „doofen“ Arbeitgeber erwischt. Wenn man sich die „Coorporate Responsibility Reports“ von machen Telekommunikationskonzernen ansieht, bei den nur noch 6% der Belegschaft über 50ig ist, dann stellt sich die Frage reichen die Regelungen im AGG aus.
    Wäre es nicht sinnvoller wenn Firmen ab einer bestimmten Größe, bei denen die Alterstruktur der Belegschaft signifikant von der Gesamtgesellschaft (ca. 24% sind über 50ig) abweicht, eine Ausgleichszahlung zur Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer leisten zu lassen.

    Kommentar von: Fossil – am 14. Januar 2011 um 11:51

  4. Wie wärs damit?
    „Alters- und behindertenneutrales Team sucht geschlechts- und sexualneutral multiethnische Mitarbeiter/in mit oder ohne Migrationshintergrund“

    Kommentar von: Vortex – am 17. Januar 2011 um 14:53

  5. wenn ein Arbeitgeber ein junges Team möchte, dann bekommt er es. Er stellt halt nur jemanden ein, der jung ist. Das AGG hilft da überhaupt nicht weiter. Es ist ein stumpfes Schwert. Der Arbeitgeber unterlässt die formalen Fehler, indem er seine Anzeige geschechts-, alters- und konfessionsneutral formuliert, die Absage der Älteren mit einem „..andersweitig entschieden…“ versieht und fertig ist die Laube. Er hat im Vorfeld etwas mehr „Sortierarbeit“, das ist alles.
    Fossil hat recht, wer es anders macht ist bloß doof…

    Kommentar von: Reginhard – am 18. Januar 2011 um 14:54

  6. Sicherlich sind gute – nicht mit der „heißen Nadel“ gestrickte – gesetzliche Regelungen sehr wichtig.

    Für absolut wünschenswert und mittlerweile zwingend halte ich aber ein grundsätzliches Umdenken bei den Unternehmen.
    Wann wird man an den entscheidenden Stellen endlich verstehen, dass es eben nicht reicht, seine Mitarbeiter lediglich in Unternehmens-Broschüren oder bei öffentlichen Anlässen als „unser wichtigstes Kapital“ zu bezeichnen.

    Es ist höchste Zeit für einen WIRKLICH wertschätzenden Umgang mit allen Menschen des Unternehmens, weit über das gesetzlich Regelbare hinaus!
    Und der beginnt natürlich schon bei der Auswahl neuer Mitarbeiter!

    Allein die grundlegende Veränderung der Alterspyramide in Deutschland sollte Unternehmen zum Umdenken bewegen!

    Kommentar von: Dr. Matthias Braun – am 20. Januar 2011 um 08:19

  7. Ich kann nur sagen, das zeigt wieder mal wie gedankenlose Rechtssprechung sein kann!
    Als fiktives Beispiel, zur Verdeutlichung, suche ich für ein „junges erfolgreiches Team“ eine/n MitarbeiterIn. Die Firma ist führend in Computer-Spieleentwicklung und braucht deshalb einen Mitarbeiter der sich neben der Technik und Programmierung auch mit den Inhalten des Spiels identifizieren kann. Und außerdem die feinmotorische Fähigkeit besitzt, das Spiel in allen Phasen der Entwicklung selber „durchzuspielen“. Wäre für diese Aufgabe ein 40/50-jähriger wirklich Teamgeeignet?

    Kommentar von: derRösrather – am 10. Februar 2011 um 09:46

  8. Natürlich ist ein 40/50-jährige/r für die beschriebene Stelle geeignet, sofern er/sie diese Voraussetzungen erfüllt.
    Spaß an Computerspielen ist nicht absolut, sondern nur statistisch altersabhängig, genauso wie Programmierfähigkeiten.

    Kommentar von: Marsu – am 15. November 2012 um 12:19

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