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Endlich erwischt: Das „junge erfolgreiche Team“ tappt in die AGG-Falle!

Die einen verwenden den Begriff so gerne, weil er ihrem Ideal entspricht, die anderen bekommen dagegen wegen seines inflationären Gebrauchs langsam aber sicher Brechreiz. Es geht um die fast schon legendären „jungen erfolgreichen Teams“ aus den Stellenanzeigen, für die mal wieder irgendwo ein Kollege oder eine Kollegin gesucht wird. Gerne ist das Team auch „engagiert“. Na ja, kennt wohl jeder. Ich stelle mir dabei immer eine Werbeagentur vor, in der hippe hübsche Menschen vor schicken Apple-Computern rumlümmeln, ständig auf der Suche nach der nächsten Kreativgranate. Bald kann es damit jedoch vorbei sein, denn: Solche Formulierungen schlagen, abgelenkt durch eine scharfe arbeitsgerichtliche Rechtsprechung, immer häufiger bei denen ein, von denen sie verwendet werden. Bei den Arbeitgebern also!

Ursächlich ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG [1]). Dessen Hauptzweck liegt darin, Menschen vor Benachteiligungen diverser Art zu schützen. Dabei geht es vor allem um die Rasse, um das Geschlecht und die Religionszugehörigkeit, aber auch um das Alter! Auf letzteres nehmen etliche Arbeitgeber Bezug, wenn sie in ihren Stellenanzeigen ausdrücklich nach „jungen“ Mitarbeitern oder Kollegen für ein „junges“ Team suchen. Letzten August entschied das Bundesarbeitsgericht, dass es ein Indiz für eine Altersdiskriminierung darstelle, wenn in einer Annonce nach einem/r „jungen“ Mitarbeiter/in gesucht wird (siehe unseren Beitrag „Jung und willig sollst du sein! [2]„).

In einer erst kürzlich veröffentlichten Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Hamburg (Urteil vom 23.06.2010, Az. 5 Sa 14/10 [3]) ging es den jungen, erfolgreichen Teams nun an den Kragen. Im zugrundeliegenden Fall hatte der Arbeitgeber in seiner Anzeige lediglich mitgeteilt, dass sich die Bewerber in ein“ junges, erfolgreiches Team“ einbringen können. Obwohl es sich dabei also nur um eine Selbstbeschreibung handelt, ging das dem Gericht schon zu weit. Die Argumentation: Wer das lese, dem sei klar, dass er in das Team nicht passe, wenn er nicht selbst ein entsprechendes Alter mitbringe.Wer wie der Kläger 50 Jahre oder älter ist, fällt da vornherein heraus.

Zitat aus dem Urteil: „Wenn einen Bewerber ein „junges Team“ erwartet, wird der durchschnittliche Leser einer Anzeige auch wissen, dass er eher in diese Team passt, wenn er selber ein entsprechendes Alter mitbringt und das liegt sicherlich nicht über 50 Jahre. Hieran ändert sich auch nichts dadurch, dass zugleich Berufserfahrung gewünscht wird. Das bedeutet zunächst nur, dass Berufsanfänger nicht gewünscht sind, aber auch jemand etwa Ende zwanzig könnte schon hinreichende Erfahrung mitbringen. Nach allgemeiner Lebenserfahrung besteht damit eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für einen Verstoß gegen die Bestimmungen zum Schutz vor einer Benachteiligung.“

Obwohl der Verdacht bestand, dass es sich beim Kläger um einen sog. AGG-Hopper [4] handelt, erhielt er vom Gericht zwei Monatsgehälter Entschädigung zugesprochen.

Peter