Erinnern Sie sich noch an die „Ice Bucket Challenges“? Das war der Renner im letzten Sommer im Bereich Social Media. Der nominierte Kandidat musste sich entweder einen Eimer mit Eiswasser über den Kopf schütten oder zugunsten der Erforschung der Nervenkrankheit ALS spenden. Die Aktion wurde gefilmt und auf Facebook eingestellt. Wer teilgenommen hatte, ernennt weitere Freunde und Bekannte, die dann an die Reihe kommen.

An sich alles kein Problem. Doch dann führte eine langjährige OP-Leiterin einer Klinik ihre „Ice Bucket Challenge“ im OP-Bereich durch – mit anschließender Veröffentlichung auf Facebook – und wurde daraufhin gekündigt. Die Klinik warf ihr vor, gar nicht an der „Ice Bucket Challenge“ teilgenommen zu haben, weil sie zu einer Spende zugunsten eines regionalen Tierheims und eben nicht ALS aufgerufen hatte. Außerdem habe die OP-Leiterin mit dieser Aktion gegen Hygienevorschriften verstoßen.

Für die Klinik war sie als Mitarbeiterin mit Führungsverantwortung jedenfalls nicht mehr tragbar. Auf das Angebot, das Arbeitsverhältnis als Krankenschwester fortzusetzen, ließ sich die Gekündigte nicht ein. Sie berief sich stattdessen in ihrer Kündigungsschutzklage darauf, dass der Operationssaal noch nicht endgereinigt gewesen sei und die an der Aktion beteiligten Reinigungskräfte die Folgen sofort beseitigt hätten. Auch habe sie sich über Facebook nur an ihre engsten Freunde und letztendlich nicht an die Öffentlichkeit gewandt.

Eine spannende Frage für das Arbeitsgericht Lübeck. Und auch uns hätte die Entscheidung in diesem Fall interessiert. Wie sehen die Richter diesen Fall? War die Kündigung rechtens? War die Pflichtverletzung tatsächlich so gravierend? Oder hätte eine Abmahnung als milderes Mittel gereicht? Doch zur Klärung dieser Fragen kam es (leider) nicht. Denn: Die Parteien konnten sich noch vor dem anberaumten Gütertermin außergerichtlich einigen. Der Rechtstreit hat sich dadurch erledigt. Wie die erzielte Einigung aussieht, ist nicht bekannt. „Es wurde eine einvernehmliche Lösung erzielt, über die beide Seiten Stillschweigen vereinbart haben“, so die Kliniksprecherin in der regionalen Presse.

Bildquelle: © qphotomania – fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 12. März 2015 um 09:19 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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