Fristlos gekündigt, weil man ein paar Maultaschen von der Arbeit mit nach Hause genommen hat? Maultaschen, die sowieso weggeschmissen worden wären? Die inhaltliche Füllung dieser Maultaschen hat sich nun als etwas weniger verdorben dargestellt, als bis vor kurzem noch angenommen. Dieser Kündigungsprozess war einer der aufsehenerregendsten der letzten Zeit und gilt schon heute als Klassiker im Bereich der sog. Bagatellkündigungen. Zur Erinnerung: Eine 58jährige Altenpflegerin nahm sechs Maultaschen (=schwäbisches Leibgericht) mit nach Hause, die nach Anweisung ihres Arbeitgebers entsorgt gehört hätten, also im Müll gelandet wären. Ergebnis: Fristlose Kündigung! Während das Arbeitsgericht Radolfszell diese in erster Instanz als rechtmäßig durchwinkte, kam das Landesarbeitsgericht in Freiburg nun zu einem ganz anderen Ergebnis: Die Kündigung war rechtswidrig!

Richter Christoph Tillmanns ließ in der mündlichen Verhandlung keinen Zweifel daran, dass es sich bei der eigenmächtigen Zweckentfremdung dieser Maultaschen rechtlich um einen Diebstahl handelte. Tillmanns, der in der Verhandlung einräumte, „als Rheinländer Frikadellen immer ohne Teig zu essen“, meinte dazu: „Dem Arbeitgeber ist durch das Fehlverhalten der Altenpflegerin kein wirtschaftlicher Schaden entstanden“. Eine fristlose Kündigung würde das Verhalten nicht rechtfertigen. Zwar habe der Arbeitgeber vor etlichen Jahren das Verbot ausgesprochen, Essen, das entsorgt werden soll, mit nach Hause zu nehmen. Im vorliegenden Fall wäre jedoch eine vorherige Abmahnung angemessen gewesen.

Vor Gericht einigten sich die Altenpflegerin und ihr Arbeitgeber nun auf einen Vergleich: Die Arbeitnehmerin akzeptiert die Kündigung zum Ende des letzten Jahres, erhält dafür im Gegenzug eine Abfindung in Höhe von 25.000 Euro sowie mehrere Monatslöhne Gehaltsnachzahlung. Die Stiftung, die das Altenheim unterhält, muss dem Vergleich noch zustimmen.

Nochmals zur Klarstellung: Die fristlose Kündigung war zwar unwirksam, das Verhalten der Altenpflegerin dennoch rechtswidrig! Wie immer kommt es in solchen Fällen auf die Umstände des Einzelfalls an. Hier wäre laut Richter Christoph Tillmanns eine vorherige Abmahnung angemessen gewesen, in anderen Fällen, die durchaus ähnlich gelagert sein können, ist dagegen möglicherweise auch eine sofortige Kündigung wirksam. Deshalb: Finger weg von fremden Eigentum, auch wenn es einem in Fällen wie diesen, wo Essen weggeschmissen werden soll, schon ziemlich heftig aufstößt. Im Zweifel kostet es den Job!

Mal was anderes: Ziemlich viele leckere Rezepte mit Maultaschen bei chefkoch.de

Peter



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 31. März 2010 um 13:56 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Kündigungsschutz, Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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