von Peter am 11.11.2013, 18:35 Uhr , Kategorie: Lohn und Gehalt, Rechtsprechung

Stellen Sie sich vor, die Weihnachtsfeier Ihres Betriebes ist fast immer so sterbenslangweilig, dass Sie jedes Jahr erneut Kämpfe mit sich austragen, ob Sie hingehen oder nicht. Nun: Es geht auf Mitte November zu, somit ist die Frage an sich nicht nur theoretisch interessant, sondern wird in wenigen Wochen bereits akute Brisanz erlangen, seien Sie sich sicher.

Stellen Sie sich weiter vor, Sie haben sich erneut zum Besuch durchgerungen, rechnen wie immer mit dem Schlimmsten und dann steht am Abend auf der Feier plötzlich Ihr Chef vor Ihnen und drückt Ihnen mit diesem gewissen Gesichtsausdruck ein nagelneues ipad mini im Wert von etwa 400 Euro in die Hand. „Als Geschenk“ sagt er und aus Dank dafür, dass Sie sich das heute Abend antun. Und auf einmal ist alles schön, der Abend leicht und beschwingt.

Wir wollen nun nicht Grundsatzfragen der Konsumbesessenheit und Sinn und Unsinn von Apple-Produkten erörtern. Unsere Aufmerksamkeit gilt vielmehr denen, die nicht zur Feier gingen und am nächsten Morgen verblüfft von der vorabendlichen Bescherung der tapferen weil anwesenden Kollegen erfuhren.

Wie denken Sie, war deren durchschnittliche Reaktion? Genau! Muss man nicht näher beschreiben. Natürlich wollten sie auch eins haben. Diejenigen, die  beim Arbeitgeber vorstellig wurden und ihr halbwegs nachvollziehbares Begehren vortrugen, blickten in ein konsterniertes und vielleicht etwas enttäuschtes Gesicht. Richtig leid tun würde es ihm, so der Chef vermutlich, aber das ipad, oh nein, das bekämen nur die als Geschenk, die auch auf der Weihnachtsfeier waren. Punkt. Als Dankeschön und als kleine Schmerzprämie sozusagen. Nun, er wird sich anders ausgedrückt haben, aber egal.

Gegen vieles ist ein Kraut gewachsen, aber nicht gegen den ipad-Neid und dieses Gefühl subjektiver Ungerechtigkeit, das sich in den Hallen des etwa 100 Mitarbeiter großen nordrhein-westfälischen Handelsunternehmen nun breit gemacht haben dürfte. Immerhin: 75 Kollegen waren bei der Weihnachtsfeier anwesend. Und 25 fehlten. Einer von ihnen zog vor das Arbeitsgericht. Denn: Er fühlte sich benachteiligt! Am Tag der Weihnachtsfeier war er arbeitsunfähig krank geschrieben. Er verlangte Gleichbehandlung, sah das Gerät als Vergütung an. Diese stünde ihm auch während seiner AU zu. Sein Klageantrag: Herausgabe eines ipad mini.Das Urteil: Keine Chance!

In seiner Entscheidung stellte das Arbeitsgericht Köln (Urteil vom 18.10.2013, Az.: 3 Ca 1819/13) fest, dass der Arbeitgeber mit seiner „Überraschung“ ein freiwilliges Engagement außerhalb der Arbeitszeit habe belohnen wollen. Deshalb würde es sich um eine Zuwendung eigener Art handeln, die nicht mit einer Vergütung für geleistete Arbeit vergleichbar sei. Der Arbeitgeber sei bei solchen Zuwendungen auch berechtigt, die Mitarbeiter unterschiedlich zu behandeln, wenn er damit das Ziel verfolgt, die Betriebsfeiern attraktiver zu gestalten und die Mitarbeiter zur Teilnahme zu motivieren.

Wir sind gespannt, ob die Weihnachtsfeiern der kommenden Wochen nun aus allen Nähten platzen werden, ob dieser winzigen Chance, dass der eigene Arbeitgeber vielleicht ähnliches planen könnte. Wir bleiben da mal lieber realistisch, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Hingehen werden wir trotzdem. Die Motivation bleibt unser Geheimnis.

Pressemitteilung des Arbeitsgericht Köln zum Herunterladen als pdf-Datei

Bildquelle: © ArTo – Fotolia.com



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