Und dabei fing alles so gut an: Eine junge Frau bewarb sich bei einem Unternehmen als Servicekraft, befristet für ein halbes Jahr. Beim Vorstellungsgespräch erwähnte sie, dass sie die Stelle nur antreten möchte, wenn sie einen bereits gebuchten Urlaub genehmigt bekomme. Kein Problem, so die Antwort sinngemäß. Wurde aber dann doch zum Problem, schon kurze Zeit nach Vertragsbeginn. Denn der Arbeitgeber fühlte sich, warum auch immer, nicht mehr an die Vereinbarung gebunden. Er strich den Urlaub kurzerhand aus dem Kalender. Dazu gab es die Info: Wenn sie sich mit diesen Gegebenheiten nicht arrangieren könne, dann müsse sie das Unternehmen wohl wieder verlassen. Punkt.

Nun stand der Urlaub unmittelbar bevor und die Kollegin sah irgendwie nicht so richtig ein, dass hier alles mit rechten Dingen zuging. „Mit den Gegebenheiten arrangieren“? Nein, wohl eher weniger. Sie wandte sich an einen Rechtsanwalt, bat diesen um Hilfe. Der Jurist schrieb dem Arbeitgeber einen Brief, wies auf den Sachverhalt hin, bat um Aufklärung, drohte dabei nicht. Die Folge: Kündigung – ohne jedes weitere Gespräch. Dagegen ging die Kollegin gerichtlich vor. Sie wollte die Unwirksamkeit dieser Kündigung feststellen lassen.

Mit Erfolg! Vor dem Arbeitsgericht Dortmund (Urteil vom 12.02.2014 – Az. 9 Ca 5518/13) machte der Gutsherr Chef seinen Standpunkt deutlich: Die Kommunikation einer seiner Angestellten über einen Rechtsanwalt zu Beginn eines neuen Arbeitsverhältnisses empfinde er als … irritierend. Eine derartige Vorgehensweise sei in seinem Hause weder gewünscht noch üblich, eine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit somit nicht vorhanden.

Mann Mann Mann. Über manche Arbeitgeber kann man wirklich nur den Kopf schütteln. Irgendwie tat das auch das Arbeitsgericht und gab der jungen Kollegin Recht: So verstoße die Kündigung gegen das Maßregelungsverbot gem. § 612a BGB. Dieses Verbot untersage es, einen Arbeitnehmer dafür abzustrafen, dass er seine Rechte wahrnimmt. Im Streitfall gehört dazu auch die Möglichkeit, sich rechtlich beraten und vertreten zu lassen. Daraus folge die Nichtigkeit der Kündigung nach § 134 BGB.

Bildquelle: © Janina Dierks – Fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 18. September 2014 um 16:14 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Kündigungsschutz, Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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3 Comments »

  1. Interessant 🙂 und was weiter? Arbeitet die Dame noch dort oder wurde im Rahmen der Probezeit gekündigt oder wie endet der Fall tatsächlich?

    Kommentar von: jojo – am 19. September 2014 um 12:35

  2. Hallo,

    wundert mich nicht.
    Das die Mitarbeiter Ihre Rechte wahrnehmen scheint in vielen Betrieben „_weder erwünscht noch üblich_“ zu sein. Schade, dabei könnte das Leben so einfach sein.

    Aber was rede ich … Wenn menschlich keine Einsicht da ist, dann braucht man sicherlich auch nicht damit rechnen, dass rechtlich auf alles geachtet wird 😉

    Gruß
    J.R.

    Kommentar von: J.R. – am 22. September 2014 um 15:23

  3. Hallo jojo,

    was weiter passiert ist, geht aus dem Urteil des Arbeitsgerichts leider nicht hervor. Sollte ein Leser aber darüber Bescheid wissen, freuen wir uns auf einen entsprechenden Kommentar.

    Herzliche Grüße
    Peter vom Betriebsrat Blog

    Kommentar von: Peter – am 22. September 2014 um 16:13

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