Lauscht man dem ein oder anderen Gespräch so scheint es, als seien für viele Menschen neben dem Wetter das Aussehen, die Figur und die Anzahl der zu sich genommenen Kalorien die wichtigsten Themen. Ein paar Rundungen mehr oder weniger, letztendlich ist das ja auch eine ganz persönliche Sache. Aber kann es eigentlich arbeitsrechtliche Konsequenzen haben, wenn man das ein oder andere Kilo zulegt? Immerhin hat man ja in der Vergangenheit auch schon gelesen, das gerade Beamtenanwärter immer häufiger wegen eines zu hohen Body-Mass-Index (BMI) abgelehnt wurden. Normalerweise sollte eine Gewichtszunahme kein Problem sein, aber wie immer, wenn es um Rechtliches geht, „kommt es drauf an“. In folgendem Fall, von dem das Portal kostenlose-urteile.de berichtet, war die Kündigung wegen Übergewichts nämlich von der Sache her zulässig. Die Entscheidung ist zwar aus dem Jahr 1968, könnte aber aktueller nicht sein.

In dem damals zu entscheidenden Fall beim Arbeitsgericht Wilhelmshaven (Urteil vom 06.06.1968, Ca 166/68) ging es um eine Striptease-Tänzerin. Sie hatte für einen Auftritt im Juli ein Engagement bekommen. Im April des Jahres erfüllte sie jedoch nicht die gewünschten Anforderungen des Auftraggebers an ihr äußeres Erscheinungsbild und wurde fristlos gekündigt. Die Tänzerin war damit nicht einverstanden und zog vor Gericht.

Erfüllt eine Tänzerin nicht die Anforderungen am Erscheinungsbild kann der Arbeitgeber den Vertrag grundsätzlich außerordentlich kündigen, so das Arbeitsgericht. Denn: Striptease-Tänzerinnen müssen auf ihr Gewicht achten da ihr Erscheinungsbild wesentlicher Vertragsbestandteil ist. Wobei zu unterscheiden ist: In einer Bar im ländlichen Raum kommen durchaus auch noch „abgerundete Formen“ einer Striptease-Tänzerin an, meinten die Richter in  Wilhelmshaven. In einer mittelgroßen Stadt müssen sie jedoch auf die Maße und das Gewicht achten. Die Kündigung war von der Sache her also grundsätzlich in Ordnung – mit einer kleinen Einschränkung: In Anbetracht dessen, dass eine rasche Gewichtsverringerung möglich ist, war die Kündigung im April für einen Auftritt im Juli letztendlich doch unzulässig. Die Tänzerin hätte insofern noch genügend Zeit gehabt abzunehmen.

Bildquelle: © Anatoly Tiplyashin – Fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 24. Juli 2013 um 11:13 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. […] und dann war da noch: Kurios: Kündigung einer Striptease-Tänzerin wegen Übergewichts. […]

    Pingback: Wochenspiegel für die 30. KW., das war der Fall Mollath, ein Erbsenzähler, alkoholfreies Bier und eine (zu) fette Striptease-Tänzerin - JURION Strafrecht Blog – am 11. August 2013 um 09:01

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