Rauchen gefährdet bekanntlich die Gesundheit. Aber den Arbeitsplatz? Mit dieser Frage musste sich eine Arbeitnehmerin beschäftigen, der am ersten Arbeitstag nach zwei Stunden gekündigt wurde, weil sie „gravierend nach Rauch“ gerochen habe. Das berichten die Arbeitsgerichte Saarland in einer Pressemitteilung.

Die Angestellte hatte sich als Bürokraft bei einem neuen Arbeitgeber beworben und zunächst einen halben Tag zur Probe gearbeitet. Ein paar Tage später fand ein Gespräch statt, in welchem sie – unter Hinweis auf  das Rauchverbot im Betrieb – gefragt wurde, ob sie rauche. Sie erklärte, dass sie zwar rauche, aber mit dem Rauchverbot kein Problem habe.

Nachdem die Bürokraft an ihrem ersten Arbeitstag Tag zwei Stunden lang gearbeitet hatte, kündigte der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis in der Probezeit. Grund hierfür war, dass die neue Kollegin angeblich extrem nach Rauch gerochen habe, nachdem sie noch unmittelbar vor Arbeitsbeginn vor der Tür eine Zigarette geraucht hatte. Darüber sollen sich Kolleginnen und Kunden beschwert haben.

Das Arbeitsgericht Saarlouis erklärte die Kündigung für unwirksam (Urteil vom 28.05.2013, 1 Ca 375/12). Zwar sei diese wegen des Zeitpunkts nicht an den Maßstäben des Kündigungsschutzgesetzes zu beurteilen. Aber auch in der Probezeit seien das allgemeine Persönlichkeitsrecht und die allgemeine Handlungsfreiheit des Arbeitnehmers zu berücksichtigen. Auch Art. 12 GG verlange, dass ein bereits begründetes Arbeitsverhältnis mit dem ernsthaften Willen der Zusammenarbeit geführt werde, so das Urteil. Den Grundrechtsbereich des Arbeitnehmers betreffende Differenzen könnten ohne vorheriges Gespräch und die Gelegenheit zu reagieren nicht zu einer Kündigung führen, vor allem da die Bürokraft nicht gegen das Rauchverbot im Betrieb verstoßen habe.

Gegen dieses Urteil ist eine Berufung beim Landesarbeitsgericht Saarland möglich.

Bildquelle: © Ioannis Pantzi – Fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 04. Juli 2013 um 08:58 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Es ist schon erstaunlich, was die Diskussion um Rauchen in der Öffentlichkeit alles so zutage befördert. So mancher Raucher kann sich mit Recht diskriminiert fühlen. Zuerst wurden Raucherecken eingeführt, um Nichtraucher zu schonen und nun fehlt die Arbeitszeit, die der Raucher dort verbringt. Ob er aber privat raucht und „stinkt“ darf keinesfalls ein Grund sein, jemanden zu meiden oder sogar zu entlassen.

    Kommentar von: Barbara Jung – am 04. Juli 2013 um 13:52

  2. Ich bin durchaus der Meinung, dass ein Mitarbeiter, der durch extremen „Geruch“ (sei es nun durch Schweiß oder weil kalter Zigarettenrauch in der Kleidung hängt) seine Kollegen belästigt, nicht unbedingt geduldet werden muss. Gerade in kleinen Büros kann das schon belastend sein.
    Aber selbstverständlich hätte man erst nochmal mit der Dame sprechen müssen, statt sie nach zwei Stunden zu feuern…

    Kommentar von: A. R. – am 19. Juli 2013 um 08:38

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