Lufthansa-Piloten müssen weiterhin in öffentlichen Flughafenbereichen ihre Pilotenmützen tragen, während für Pilotinnen die Mützenpflicht nicht gilt. Im Gegensatz zur Vorinstanz sah das LAG Köln darin keine Benachteiligung von Männern (Urteil vom 29.10.2012, Az.: 5 Sa 549/11).

Hintergrund des Rechtsstreits ist eine „Betriebsvereinbarung Dienstbekleidung“. Diese sieht vor, dass Frauen eine Pilotenmütze tragen können, aber die Mütze nicht zur vollständigen Uniform gehört. Männer dagegen müssen die Mütze zwingend in dem der Öffentlichkeit zugänglichen Flughafenbereich anhaben.

Der klagende Pilot war für einen Flug nach New York eingeteilt. Während der Flugvorbereitung wurde er von seinem Vorgesetzten gefragt, ob er seine Pilotenmütze bei sich führe. Der Pilot verneinte dies und berief sich unter Hinweis auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) darauf, dass die Vorschrift der Betriebsvereinbarung nichtig sei. Er wurde daraufhin von dem Flug abgesetzt. Mit seiner Klage wollte er grundsätzlich klären lassen, ob es rechtmäßig ist, nur Männer zum Tragen der Pilotenmütze zu verpflichten.

Der Pilot argumentierte, er wolle als Mensch und nicht als Mann behandelt werden. Außerdem trügen 95 % seiner männlichen Kollegen die Mütze sowieso nicht. Nur bei ihm habe sein Chef plötzlich darauf beharrt. Die Mütze sei zudem unbequem und nehme unnötig Platz weg. Die Lufthansa fand hingegen, die Mütze sehe gut aus und entspreche nun mal dem historisch gewachsenen Bild von einem Flugkapitän.

Das Gericht schloss sich der Sicht der Lufthansa weitgehend an: In seiner mündlichen Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende, man dürfe die Mütze nicht isoliert sehen, sondern als Teil der Dienstbekleidung, die für Männer und Frauen nun einmal unterschiedlich sei. So hätten Frauen die Wahl, ob sie Rock oder Hose trügen, Männer dagegen müssten zwingend eine Hose anhaben. Das stelle auch keine Benachteiligung der Männer dar. Andernfalls wäre jede unterschiedliche Dienstkleidung für Männer und Frauen unzulässig.

Bildquelle: © Deklofenak – Fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 31. Oktober 2012 um 10:03 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Gleichberechtigung, Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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3 Comments »

  1. „Andernfalls wäre jede unterschiedliche Dienstkleidung für Männer und Frauen unzulässig.“

    Und was nicht sein darf, kann ja auch nicht sein, ne?

    Sonst kämen wir ja zu Oxforder Verhältnissen (wo man IIRC die Kleidungsvorschriften für Studierende inzwischen komplett geschlechtsneutral gefasst hat, gerade um Diskriminierung wegen des Geschlechts oder der Geschlechtsidentität zu vermeiden).

    Kommentar von: Hannah – am 31. Oktober 2012 um 15:42

  2. Bei einem Jahresgehalt von 70.000€ aufwärts ist natürlich das tragen einer Mütze auf dem Weg von und zur Maschine unzumutbar. Schön das die Piloten der Lufthansa keine anderen Sorgen haben. Traurig allerdings, dass sich deutsche Gerichte mit solch Banalitäten auseinandersetzen müssen.

    Kommentar von: emilie k. – am 04. November 2012 um 12:27

  3. Das Gehört zur Uniform.Also ich würde die Mütze mit stolz tragen!

    Kommentar von: Hardmeier – am 19. Juli 2015 um 17:08

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