vier Schaumküsse davon einer angebissenManche Menschen haben irgendwie nicht mitbekommen, dass der ein oder andere Begriff aus dem deutschen Sprachgebrauch entfernt wurde, weil er politisch nicht korrekt bzw. diskriminierend ist. So zum Beispiel der heutige Schokokuss, der früher „Negerkuss“ oder „Mohrenkopf“ hieß. Dass eine solche Ignoranz auch ernste Folgen haben kann, zeigt ein Fall, der derzeit durch die Presse, aber auch durch die Gerichtslandschaft geht.

Einem Mitarbeiter im mittleren Management eines Reiseunternehmens (Thomas Cook) wurde fristlos gekündigt, weil er in der Betriebskantine von einer aus Kamerun stammenden Mitarbeiterin statt eines Schokokusses einen „Negerkuss“ verlangte. Davon berichtet unter anderen Focus Online. Ein klarer Fall von Diskriminierung, oder? Vor allem, weil eine Provokation dieser Art nicht zum ersten Mal erfolgt war. Und trotzdem war die Entlassung nicht wirksam, entschied das Arbeitsgericht Frankfurt (Urteil vom vom 13. Juli 2016, Az. 15 Ca 1744/16). Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Für die Wirksamkeit einer fristlosen Kündigung müssen laut § 626 Abs. 1 BGB zwei Bedingungen vorliegen. Erstens: ein wichtiger Grund. Zweitens: die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses ist dem Arbeitgeber nicht mehr zumutbar. Das Bundesarbeitsgericht verlangt jedoch in ständiger Rechtsprechung noch eine weitere Prüfung: Es darf kein milderes Mittel geben, um das Arbeitsverhältnis trotz des Pflichtverstoßes weiter fortzusetzen. Und genau hieran ist die Kündigung des Mitarbeiters gescheitert. Sie war, wie man juristisch sagt, unverhältnismäßig. Da das Arbeitsverhältnis mehr als zehn Jahre beanstandungsfrei angedauert habe, sei ohne vorherige Abmahnung weder eine außerordentliche fristlose, noch eine ordentliche Kündigung gerechtfertigt, entschied das Arbeitsgericht.

Gegen das Urteil ist das Rechtsmittel der Berufung zum Hessischen Landesarbeitsgericht möglich. Doch ein Thomas-Cook-Sprecher sagte laut Presse, man werde vor weiteren Schritten erst einmal die schriftliche Urteilsbegründung abwarten. Als multikulturelles Unternehmen will sich Thomas Cook jedoch gegen jede Form der Diskriminierung einsetzen.

Bildquelle: @Birgit Reitz-Hofmann – 123rf.com



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 26. Juli 2016 um 16:26 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Kündigungsschutz, Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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