von Ines am 31.05.2013, 09:26 Uhr , Kategorie: Rechtsprechung

Radiohören im Büro. Der eine liebt es, den anderen nervt es. Also eines jener Themen, die immer mal wieder Anlass zu Konflikten zwischen KollegInnen liefern. Eine Lappalie scheint es nicht zu sein, immerhin hat sich vor einigen Jahren schon einmal das Bundesarbeitsgericht mit dieser Thematik befasst. An dieser Stelle soll diese „alte“ aber immer noch geltende Entscheidung (Beschluss vom 14. Januar 1986, 1 ABR 75/83) aufgefrischt werden.

Ein generelles Verbot des Arbeitgebers, am Arbeitsplatz das Radio einzuschalten, ist nicht ohne weiteres zulässig, entschied das Bundesarbeitsgericht. Auch im Rahmen des Direktionsrechts des Arbeitgebers, ist üblicherweise keine Anordnung erforderlich. Denn: Radiohören während der Arbeitszeit betrifft nicht das Arbeitsverhalten (dann Direktionsrecht), sondern das Zusammenleben und Zusammenwirken der Arbeitnehmer im Betrieb und damit die betriebliche Ordnung. Daher muss der Arbeitnehmer, wenn er eine generelle Regelung für den Betrieb schaffen will, den Betriebsrat mit ins Boot holen. Die Gestaltung der betrieblichen Ordnung ist Aufgabe der einvernehmlichen Regelung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat und daher Inhalt des Mitbestimmungsrechts nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG.

Einzelne Fälle sind denkbar, in denen das Direktionsrecht doch zum Tragen kommt. Nämlich dann, wenn die Anordnung, während der Arbeit kein Radio zu hören, die Art und Weise betrifft, wie die Arbeit zu verrichten ist. So kann beispielsweise zur Kundenberatung oder -bedienung gehören, dass dabei nicht Radio gehört wird, weil dies unmittelbar die zu erbringende Dienstleistung, deren Form und Inhalt der Arbeitgeber zu bestimmen hat, berührt. Hier wäre also eine „Einzel-Anordnung“ des Arbeitgebers zulässig.

Gibt es eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat oder eine gesonderte (Einzel)Anordnung nicht, gilt laut Bundesarbeitsgericht Folgendes: Der Arbeitnehmer ist schon aufgrund seines Arbeitsvertrags verpflichtet, seine Arbeit ordnungsgemäß zu verrichten, d.h. konzentriert und sorgfältig zu arbeiten. Da jeder Arbeitnehmer auch selbst dafür verantwortlich ist, dass er die geschuldete Arbeitsleistung ordnungsgemäß erbringt, muss er selbst darüber entscheiden, ob er während der Arbeit Radio hört oder nicht. Erbringt er seine Arbeitsleistung ordnungsgemäß, obwohl er dabei Radio hört, verstößt er nicht gegen seine Vertragspflicht. Wird er durchs Radio hören abgelenkt und macht Fehler, verstößt er gegen seine vertraglichen Pflichten und muss mit entsprechenden Konsequenzen rechnen.

Natürlich muss besonders auf die Kollegen Rücksicht genommen werden. Werden die durch das Radiohören in ihrer Konzentration gestört, darf der Chef nach Auffassung des Bundesarbeitsgerichts anordnen, während der Arbeit kein Radio zu hören. Eventuell können dann Kopfhörer zum Einsatz kommen.

Bildquelle: © Sashkin – Fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 31. Mai 2013 um 09:26 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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11 Comments »

  1. Guten Tag,
    ganz aktuell hatten wir eine Einigungsstelle zum Thema „Radiohören am Arbeitsplatz“. Der AG hat nach jahrzehntelangem Radiohören im Betrieb die Radios eigenmächtig ohne Beachtung §87 (1) BetrVG verboten. (Es handelt sich um einen Automobilzulieferbetrieb, der gemäß BetrVG 13 Betriebsratsmitglieder hat).
    Leider wurde aufgrund von „Kundenbeschwerden“ und „nicht zumutbare Kostenübernahme durch den AG“ das Radiohören seitens des Einigungsstellenvorsitzenden als „eine Erforderlichkeit des Verbotes“ entschieden.

    Kommentar von: Feodora – am 17. Juni 2013 um 11:17

  2. Eine Aspekt wurde bei diesem Thema bislang noch nicht erwähnt:
    Vor Jahren hatte ich im Radio vom Ergebnis einer Studie gehört, die die Wechselwirkung zwischen Radio und menschlicher Aufmerksamkeit bzw. Konzentration untersuchte.
    Dabei kam heraus, daß ein Mensch vom Radio abgelenkt wird, wenn die Lautstärke sehr laut oder auch sehr leise ist. Eine Ablenkung durch laute Musik ist schon nachvollziehbar. Daß aber auch selbst eine sehr geringe Lautstärke zur Ablenkung führt, hat, laut dieser Studie, damit zu tun, daß sich der Mensch meist stark auf die Musik bzw. das Gesprochene konzentrieren muß, wenn er noch etwas hören bzw. verstehen will.
    Erstaunlicher Weise gibt es aber einen Lautstärkebereich dazwischen, der sich beim Menschen dann aber plötzlich sogar positiv bemerkbar macht. So hält die ständige Beschallung den Menschen wacher und aufnahmefähiger. So wird dann bspw. dem Einschlafen am Steuer entgegen gewirkt. Auch ist der Mensch mental wacher, motivierter und reaktionsfreudiger.
    Dies sind alles Aspekte, die bei den meisten Arbeitsplätzen das Arbeitsverhalten also eher positiv beeinflussen sollten.
    Diesen Effekt benutzt man nebenbei bspw. auch in Supermärkten. Studien haben nämlich ergeben, daß der Mensch bei Unterhaltungsbeschallung ein positiveres Einkaufsverhalten an den Tag legt.

    Kommentar von: Kaleb – am 05. August 2013 um 16:51

  3. […] Webradio hören während der Arbeitszeit ist deswegen momentan untersagt Wir warten auf die nächsten Nachrichten der Telekomiker. […]

    Pingback: Telekomiker und der Umzug eines DSL-Telefonanschlusses - Digitale Diaspora – am 24. Oktober 2013 um 21:28

  4. Ich finde es furchtbar, ständig zwangsbeschallt zu werden. Wer unbedingt Radio hören will, sollte es mit MP3player machen o.ä. Ich muss am Arbeitsplatz den ganzen Tag lautstark Antenne Bayern hören und bin mittlerweile nervlich am Ende deswegen. Die Chefs sagen alle, ich wäre intolerant und die Kollegen behaupten, es wäre nicht zu laut. Dass mich die laute Zwangsmusik mit jedem Tag das gleiche krank macht, interessiert niemand.

    Kommentar von: Alex – am 10. April 2015 um 19:30

  5. Hallo Alex!
    Ich leide mit Dir! Auch ich muss mir hier schon seit Jahren mittlerweile…die ganzen Mainstream-Sender mit immer der gleichen DrecksMusik anhören.
    Evtl. freundliche Bitten, wenigstens bis nach der Mittagspause das Radio aus zu lassen: Nichts zu machen! Is aber nicht mein einziges Thema… habe hier 2 notorische Dauerlüfter, die gerne bei 10Grad Außentemepratur stundenlang am offenen Fenster sitzen. Im Hemd. Mit kurzen Ärmeln. Wenn ich da was sage: Ich bin Doof, du übertreibst.
    Ich bin der Nörgler, weil ich al einziger die Klappe aufmache. Demnächst klärendes Gespräch mit Chef..mal sehen, ob isch dann was ändert. Und wenn es danach scheisse is: Egal, isses ja jetzt auch schon 🙂

    Kommentar von: John – am 06. Oktober 2015 um 13:36

  6. Hallo Zusammen,
    mir reicht das Radio meines Kollegen auch so langsam. Wenn ich nur privat im Internet surfen und telefonieren würde so wie er könnte ich es wohl auch vertragen aber konzentriert Geschäftspost verfassen, Rechnungen prüfen, denken, denken, denken. Ich habe ein sehr sensibles und gutes Gehör und mich nervt z. B. auch immer das ständige Gedudel in den Supermärkten.
    Ich empfinde Großraumbüros als eine Pest. In kleineren Einheiten kann man mal die Tür zu machen oder auch die Kollegen so zusammensetzen wie die Chemie stimmt. Na gut der Benannte ist aus meiner Sicht ohnehin ein furchbarer Typ Mensch. Das wird noch lustig wenn er oder ich als Chef nachrücken.

    Kommentar von: Det – am 29. Oktober 2015 um 19:05

  7. Hi alle,

    bei dieser ganzen Diskussion fehlt mir die Antwort auf die Frage wer die GEMAgebühren (oder wie das jetzt auch immer heissen mag) bezahlt.

    Kommentar von: Steffi – am 10. November 2015 um 08:37

  8. Hallo zusammen,

    ich arbeite in einer Schule im Büro (Hauptbüro der Schule, 1 Mitarbeiter/in). Mir wurde das Radio hören untersagt, da ich sehr viel „Kundenkontakte“ habe. Komischerweise dürfen aber meine beiden Kollegen, die eigene Büros haben und genauso Telefonate und Kundenkontakte haben, in ihren Räumen Radio hören. Ich finde, da wird mit zweierlei Maß gemessen. Selbstverständlich wäre mein Radio auf eine Lautstärke gedrosselt, die für Jeden erträglich ist und einen positiven Aspekt auf meine Arbeitsleistung hätte das sicherlich auch. Kopfhörer wären laut Leitung ein absolutes No-Go. GEMA-Gebühren trägt eh der Staat (öffentliches Gebäude), also wo liegt das Problem? Vor allem habe ich ja eigentlich ein Recht auf Information, welches das Radio durch Nachrichten ebenfalls bietet. Was passiert in einer besonderen Situation, wo durch die Nachrichten Terrorwarnungen o. ä. durchgesagt werden?

    Kommentar von: Josch – am 09. März 2016 um 15:51

  9. Guten Tag,

    von der Zwangsbeschallung im Büro kann ich ein Liedchen singen. Ich finde es unmöglich, rücksichtslos und dreist, was manche sich einbilden. Bei meiner Kollegin, die übrigens weit nach mir in der Firma anfing (es gibt Menschen, die Probleme haben sich anzupassen), halfen mehrere Bitten, das Radio wenigstens leiser zu machen, nichts. Aufgrund ihrer Schwerhörigkeit könne sie ab einer bestimmten Lautstärke nichts mehr hören. Eine klare Ansage war ebensowenig erfolgreich und die letzte Instanz, der Chef, zeigt Desinteresse. Meine werte Kollegin zeigt sich uneinsichtig und dröhnt sich weiterhin mit dem 0815 Mainstreamradioprogramm zu. Das End vom Lied ist, dass ich jetzt Ohrstöpsel trage, damit ich mich bei meiner Arbeit konzentrieren kann – man passt sich halt an 😉

    Kommentar von: Chris – am 23. Mai 2016 um 10:46

  10. Ich höre eigentlich sehr gerne während der Arbeit Radio, ich habe jedoch auch ein Büro für mich, sobald man in einem Großraumbüro ist, finde ich, kann ein Radio auch sehr schnell nervig werden, falls jemand einen anderen Musikgeschmack hat oder man sich mal eben wirklich stark konzentrieren muss…
    Wenn man aber einfach seine Kollegen freundlich drauf anspricht, ist auch das eigentlich meist kein Probleme, denke ich 🙂
    LG

    Kommentar von: Tjard – am 18. Juli 2016 um 01:02

  11. Großraumbüros sind eine Zumutung für alle Mitarbeiter, sowohl für die, die gern Musik bei der Arbeit hören als auch für die, die Ruhe für ihre Konzentration brauchen.
    Beide können weniger gut arbeiten und fühlen sich schlechter.

    Kommen dann noch weitere Probleme wie unterschiedliches Frischluft-/Wärmebedürfnis,
    verschiedene Essgewohnheiten, Ticks, Telefonate und sonstige Faktoren hinzu, wird der Arbeitsplatz schnell zur Hölle.

    Beide Seiten erleben sich gegenseitig als entweder rücksichtslos oder intolerant und es kommt zu ständigen Konflikten.
    In anderen Fällen stecken die Ruhigeren zurück und leiden still.

    Das eigentliche Problem sind aber nicht die Kollegen sondern das Großraumbüro.
    Menschen sind nunmal unterschiedlich und sie zwangsweise zusammenzupferchen ist unmenschlich.

    Kommentar von: ert – am 02. November 2016 um 00:43

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