Fußballer verklagte Verein auf Entfristung seines VertragsHeinz Müller ist 34 Jahre alt. Der gebürtige Frankfurter war fünf Jahre bei einem Mainzer Arbeitgeber, einem Traditionsunternehmen aus dem Jahre 1905, beschäftigt. Erstmalig eingestellt wurde er 2009. Damals erhielt er einen auf drei Jahre befristeten Vertrag. Nach dessen Ablauf verlängerte man um weitere zwei Jahre. Der Arbeitnehmer klagte anschließend auf Feststellung des Fortbestandes als unbefristetes Arbeitsverhältnis. Ein eiliger Blick in das Befristungsrecht verrät bereits an dieser Stelle: Da dürfte was hängen bleiben!

Der Blickwinkel auf die Sache verändert sich irgendwie, erfährt man, dass Heinz Müller Profi-Fußballer ist und es sich bei seinem Arbeitgeber um den Bundesligaverein FSV Mainz 05 handelt. Torwart Müller wechselte 2009 aus der zweiten englischen Liga nach Deutschland und absolvierte in den folgenden Jahren insgesamt 70 Einsätze für die Mainzer. Ende 2013 versetzte man ihn in die Regionalliga-Mannschaft. Einen weiteren Vertrag erhielt er nicht mehr.

So mancher Arbeitgeber könnte sich vorstellen, häufiger unbefristet einzustellen, wenn er sich nur über die „zukünftige Leistungsentwicklung“ des Arbeitnehmers im Klaren wäre. Aber so einfach ist es halt auch wieder nicht.

Nicht zuletzt seit der Ära Sepp Blatter wissen wir, dass in der Welt des Fussballs eigene Gesetze und vor allem wirtschaftliche Zusammenhänge gelten. Fußball-Weltmeisterschaften werden auch schon mal zur Winterszeit mitten in der Wüste ausgetragen, die Existenz deutschen Arbeitsrechts zur Kenntnis genommen, zumindest solange es nicht stört.

Mainz 05 hat Torwart Müller in die zweite Mannschaft des Vereins abgeschoben. Das Niveau seiner Aufgaben als Arbeitnehmer sank durch diese Versetzung deutlich. Anschließend ließ man den Vertrag einfach auslaufen. Solche Art von Karrieren dürften im Profisport häufig der Fall sein.

Das Arbeitsgericht Mainz stellte in einem aufsehenerregenden aber noch nicht rechtskräftigen Urteil fest, dass Müller einen Anspruch auf unbefristete Beschäftigung habe. Eine weitere Befristung ohne Sachgrund sei wegen der Überschreitung der Höchstbefristungsdauer von 2 Jahren nicht mehr in Betracht gekommen sei. Der zuletzt geschlossene Arbeitsvertrag durfte auch nicht wegen eines Sachgrundes befristet werden. Liegen andere Sachgründe wie etwa in der Person, zum Beispiel aufgrund eigenen Wunsches des Profisportlers, nicht vor, so rechtfertige die Ungewissheit „zukünftiger Leistungsentwicklung“ auch im Profisport nicht die Befristung des Arbeitsverhältnisses. Diese und auch die Branchenüblichkeit des Vorgehens, auf das sich der Verein stützte, spiele dabei keine Rolle.

Der Verein wird aller Wahrscheinlickeit nach gegen das Urteil Berufung einlegen. Viele Sportler könnten sich dadurch ermuntert fühlen, in Zukunft ebenfalls gegen ihren Verein zu klagen. Sollte die Entscheidung des Arbeitsgerichts von den höheren Instanzen bestätigt werden, könnte sogar der Weltfussball „auf den Kopf gestellt“ werden, wie hier bereits gemunkelt wird.

Arbeitsgericht Mainz, Urteil vom 19. März 2015, 3 Ca 1197/14

Quelle: Arbeitsgericht Mainz – Bildquelle: © oneinchpunch – fotolia

 



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 25. März 2015 um 14:59 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsvertrag, Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

«  –  »

Keine Kommentare »

No comments yet.

Leave a comment