von Andrea am 08.02.2008, 11:55 Uhr , Kategorie: Familienfreundl. Betrieb, Frauen im Beruf, Rechtsprechung

Eine 38-jährige Arbeitnehmerin hat ihren Arbeitgeber, eine große Versicherungsgesellschaft, auf 500.000 ? Schadensersatz wegen Geschlechtsdiskriminierung verklagt, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Hintergrund ist die ?stille Kündigung? durch den Arbeitgeber, als dieser von der Schwangerschaft erfuhr. Die studierte Germanistin wollte lediglich drei Monate Mutterschutz nehmen, da ihr Einkommen die Familie ernährt. Bereits am letzten Arbeitstag wurde ihr Nachfolger vorgestellt. Als sie am Ende ihres Mutterschutzes zurückkehren wollte, drängte der Arbeitgeber sie dazu, Elternzeit zu nehmen. Die Klägerin bestand jedoch auf ihre Rückkehr. Der Arbeitgeber entzog ihr daraufhin die Zuständigkeit für den bisherigen umsatzstarken Bezirk und gab ihr stattdessen einen anderen Bezirk, der nur einen Bruchteil des Umsatzes eingebracht hat. Als der Arbeitgeber dann noch den Email-Zugang gesperrt und eine Schulung versagt hat, sei der Beschluss gefallen, den Arbeitgeber auf Schadensersatz zu verklagen.

Die Klägerin ist auch überzeugt, dass ihre türkische Herkunft eine Rolle gespielt hat, obwohl sie Deutsche ist. Sie hat daher ihren Arbeitgeber zugleich wegen ?ethnischer Diskriminierung? verklagt.

Ihre Anwälte Prof. Dr. Alenfelder, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Antidiskriminierungsrecht, der für das ifb über das Thema AGG referiert, und sein Kollege Frank Jansen, legen in ihrer Klageschrift ausführlich dar, warum die Schadensersatzforderung bei einem Bruttomonatsgehalt von 3.600 ? gerechtfertigt ist. Vom AGG werden abschreckende Strafen, die über den rein materiellen Schaden hinausgehen, ausdrücklich vorgesehen. In anderen angelsächsischen Ländern werden in solchen Fällen weitaus höhere Schadensersatzsummen zugesprochen.

Es bleibt abzuwarten, ob auch in Deutschland künftig höhere Schadensersatzsummen zugesprochen werden.

Andrea



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