Wer schläft, sündigt nicht. So heißt es in einem Sprichwort. Aber der ein oder andere Fehler kann auch im Schlaf passieren. Noch schlimmer, wenn ein solcher auf der Arbeit wegen eines sogenannten Sekundenschlafs passiert. Mit solch einem Fall hatte sich das Landesarbeitsgericht in Frankfurt am Main (Urteil vom 7. Februar 2013, 9 Sa 1315/12) zu beschäftigen.

Es ging um die Mitarbeiterin einer Bank, die seit vielen Jahren als Sachbearbeiterin im Zahlungsverkehr tätig ist. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem die Überprüfung von Überweisungsbelegen und gegebenenfalls deren Korrektur. Eines Tages übersah sie den Zahlungsbeleg eines Rentners, der durch einen Arbeitskollegen von 62,40 € auf 222.222.222,22 € korrigiert worden war. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war der vorprüfende Arbeitskollege in einen Sekundenschlaf gefallen und hierbei auf die Taste „2“ der PC-Tastatur geraten, die er dann länger gedrückt gehalten hatte.

Die Bank warf der Sachbearbeiterin die vorsätzliche Täuschung über ihre Arbeitsleistungen vor indem sie Belege nicht geprüft, sondern ohne Prüfung freigegeben habe. Ihr wurde fristlos, hilfsweise fristgerecht gekündigt. Dagegen wehrte sie sich mit einer Kündigungsschutzklage.

Sowohl das Arbeitsgericht Frankfurt am Main als auch das Landesarbeitsgericht gaben der Bankmitarbeiterin Recht. Eine vorsätzliche Schädigung des Arbeitgebers oder eine vorsätzliche Manipulation des Arbeitsablaufs lagen nicht vor. Nach der Vorbearbeitung durch den Arbeitskollegen kann der Sachbearbeiterin lediglich eine unterlassene Kontrolle des Überweisungsträgers vorgeworfen werden. Dies war zwar ein schwerer Fehler im Sinne des § 626 BGB. Die für eine Kündigung aus verhaltensbedingten Gründen notwendige negative Prognose war aber nicht erkennbar. Deshalb war der Bank hier eine Abmahnung statt einer Kündigung noch zumutbar gewesen. Auch die von der Bank begehrte Auflösung des Arbeitsverhältnisses hat das Hessische Landesarbeitsgericht zurückgewiesen. Die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür lagen nicht vor. Nach wie vor war eine weitere den Betriebszwecken dienliche Zusammenarbeit möglich.

Bildquelle: © Viorel Sima – Fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Montag, 01. Juli 2013 um 18:30 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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