Als Sicherheitsmitarbeiter am Flughafen mit überhöhter Geschwindigkeit über das Rollfeld brettern? Oder: Dem Chef verbal bescheiden, er solle sich „bei seiner Vorgeschichte besser in Acht nehmen“? Solche Äußerungen und Verhaltensausfälle merkt sich ein Arbeitgeber. Ist das Arbeitsverhältnis dann beendet, könnte es gut sein, dass das Arbeitszeugnis nicht so ausfällt, wie der Mitarbeiter es gerne hätte.

So wie in diesem Fall eines Eilverfahren (einstweiliges Verfügungsverfahren), in welchem das Hessische Landesarbeitsgericht ein Berufungsurteil erließ (Urteil vom 17.02.2014 – Az. 16 SaGa 61/14). Vorab: Einstweilige Verfügungen bezüglich Erteilung oder Berichtigung von Arbeitszeugnissen sind mangels Eilbedürftigkeit eher die Ausnahme. Im Gegensatz zu normalen „Zeugnisverfahren“ vor den Arbeitsgerichten: Die gibt es schon wesentlich häufiger.

Der Kollege wendete sich mit juristischer Hilfe gegen ein Arbeitszeugnis, das er zum Ende seiner Beschäftigung erhielt. Darin hieß es unter anderem: „Sein Verhalten gegenüber Kollegen war jederzeit korrekt. Vertrauliche Angelegenheiten behandelte Herr W stets mit der erforderlichen Diskretion.“ Neben weiteren Passagen, die seiner Meinung nach seine Arbeitsqualität recht unzutreffend wiedergeben, monierte er, dass eine Aussage zum Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kunden gänzlich fehle.

Erstinstanzlich folgte ihm das Arbeitsgericht in Frankfurt und erließ die einstweilige Verfügung nach seinen Anträgen. In der Berufung stutzte das LAG diese aber wieder gehörig zurück. Nur in einem Punkt konnte er sich im Eilverfahren durchsetzen: Die Arbeitgeberin muss nun das Zeugnis um eine Beurteilung in Hinsicht auf das Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kunden ergänzen. Das Arbeitszeugnis war insofern lückenhaft. Dieses Recht ergibt sich aus § 109 Abs. 1 S. 3 Gewerbeordnung.

Arbeitnehmer und Arbeitszeugnisse – es könnte so einfach sein. Und doch kann es ganz schrecklich werden, vor allem wenn der Arbeitgeber „nicht will“. Der Weg über das Arbeitsgericht erscheint recht einfach, kann sich aber in der Praxis als ziemlich mühsam erweisen. Verfahren dauern oft (deutlich) länger als andere und ist dann endlich einmal ein Titel vor Gericht erworben, wird dessen Vollstreckung  sicher kein Spaß und im Gegenteil häufig mit viel weiterer Mühe verbunden sein.

Bildquelle: © eccolo – Fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 26. September 2014 um 14:47 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitszeugnis, Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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