Wenn es nach Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) geht, lautet die Antwort: Ja! Und das sogar per Gesetz. Der Hintergrund: Schwesig will sich mehr für die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen einsetzen. Laut Statistischem Bundesamt liegt die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland bei 22 %. Der Plan: Mehr Transparenz in den Lohnstrukturen soll insgesamt zu einer faireren Bezahlung führen. Das neue Gesetz erlaubt allen Angestellten Auskunft über die Gehälter von Arbeitskollegen, die einer ähnlichen Tätigkeit nachgehen. Das berichtet u.a. der Spiegel.

Doch ist das wirklich zielführend? Und was ist mit dem Datenschutz? Muss man das als Arbeitnehmer dulden? Gehört das Gehalt nicht zu sehr persönlichen Daten, die eigentlich keinen etwas angehen? Die Bundesministerin versucht, die aufkommenden Bedenken zu zerstreuen: Im Tagesspiegel wird sie wie folgt zitiert: „Es wird nicht möglich sein, das Gehalt des Kollegen einzeln zu erfragen, aber es wird möglich sein zu prüfen, ob die eigene Einstufung in einer vergleichbaren Gruppe erfolgt ist“.

Die Wirtschaft hat trotzdem große Zweifel und lehnt das geplante Gesetz in dieser Form ab. Bislang wurde hier wegen der Formulierung im Koalitionsvertrag davon ausgegangen, dass die Regelung nur für Mitarbeiter von Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten gelten soll. Doch die Bundesfamilienministerin plant, dass alle Gehälter öffentlich sind – unabhängig von der Größe des Betriebs.

Wirtschafts-Experten machen sich Sorgen um den Betriebsfrieden. Sie fürchten, dass die Offenlegung der Gehälter in den Betrieben zu einem „Klima des Misstrauens und der Ausforschung“ führt. Auch vor „starker Unruhe“ und „Unfrieden“ wird gewarnt. Außerdem werden Fragen nach dem Datenschutz laut. Frau Schwesig jedenfalls scheint unbeeindruckt und will als nächstes gemeinsam mit den Gewerkschaften eine große Kampagne starten.

© Brad Pict – fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 05. März 2015 um 09:03 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsmarkt, Gleichberechtigung, Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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7 Comments »

  1. Die Geheimhaltung bei den Gehältern hilft vor allem dem Arbeitgeber. Einem Mitarbeiter, der nicht weiß, wieviel (mehr) andere bekommen, kann man leichter vorlügen, dass „da gar nichts geht“. Und klar: die Offenlegung großer Gehaltsunterschiede bei vergleichbarer Tätigkeit kann schon zu Unfrieden im Betrieb führen. Aber da liegt die Ursache nicht in der Offenlegung, sondern in der Unterschiedlichkeit.
    Insofern ist die Initiative zu begrüßen.

    Kommentar von: Michael – am 13. März 2015 um 08:12

  2. In US-Amerikanischen ist es gängige Praxis, dass alle Gehälter intern offengelegt werden. So kann jeder das Gehalt seiner Kollegen einsehen und es gibt weniger ungerechtigkeit in der Arbeitsvergütung von Frauen und Männern.

    Ich würde dieser Einführung für unseren Markt ebenfalls sehr ositiv gegenüber stehen.

    Kommentar von: Norbert – am 14. März 2015 um 16:46

  3. Warum nur die Gehälter der Kollegen? Warum nicht auch Bezüge von Führungskräften, Geschäftsführern und Vorständen – incl. vereinbarter Abfindungen?

    Kommentar von: Ursula – am 16. März 2015 um 13:10

  4. „Über das Gehalt hat der Arbeitnehmer Stillschweigen zu bewahren.“ Abgesehen davon, dass derartige Passagen in Arbeitsverträgen juristisch nicht mehr haltbar sind, könnten sie bald aus anderen Gründen der Vergangenheit angehören.

    Aus welchem Recht ( Urteil-Beschluss) wird hier abgeleitet, das derartige Passagen in AVs juristisch nicht mehr haltbar sind?

    Kommentar von: Stefan – am 16. März 2015 um 15:01

  5. In dem Zusammenhang verweisen wir auf unseren Artikel aus dem Blog von 2010:

    http://blog.betriebsrat.de/gerichtsmassig/uber-das-gehalt-sprechen-ist-erlaubt/

    Kommentar von: Peter – am 16. März 2015 um 15:07

  6. Der Offenlegung ist absolut zuzustimmen! Wovor haben die Arbeitgeber denn Angst? Wenn alles korrekt eingruppiert ist sollte das doch kein Problem sein. Aber genau da liegt es: gleiche Arbeit gibt noch lange nicht gleiches Geld. Und nicht nur Männer/Frauen, sondern auch z.B. angepasste und nicht angepasste Mitarbeiter. Vor allem in kleineren Betrieben dürfte das ein Problem sein. „Der hat eben besser verhandelt“….
    Es heißt doch immer: „Transparenz ist uns wichtig.“ Na dann aufgehts

    Kommentar von: Uli – am 16. März 2015 um 17:02

  7. Da darf man gespannt sein, wie die Gerichte den Datenschutz für derartige Veröffentlichungen bewerten werden. Und wie sollen dabei die Löhne behandelt werden, wenn nur die Gehälter zu veröffentlichen sind? Das ist schließlich nicht dasselbe, noch gibt es ein paar wenige Unterschiede zwischen Arbeitern und Angestellten. Per se sind sie nicht unbedingt gleich zu behandeln.

    Kommentar von: Brosamensammler – am 22. März 2015 um 02:47

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