von Susanne am 16.10.2012, 14:59 Uhr , Kategorie: Kündigungsschutz, Rechtsprechung

Offenbar ist immer noch nicht überall angekommen, dass Beleidigungen auf Facebook unschöne Folgen haben können, wie (mal wieder) eine aktuelle Entscheidung des Landesarbeitsgerichts (LAG) Hamm zeigt. Die Richter entschieden mit Urteil vom 10.10.2012 (Az.: 3 Sa 644/12), dass sich Arbeitgeber auf Facebook nicht öffentlich als „Menschenschinder und Ausbeuter“ beschimpfen lassen müssen und hoben damit ein Urteil des Arbeitsgerichts (ArbG) Bochum auf.

Im vorliegenden Fall hatte ein 26-jähriger Auszubildender auf seinem Facebook-Profil den Arbeitgeber als „Ausbeuter und Menschenschinder“ bezeichnet. Weiter schrieb er, er müsse „Scheiße für Mindestlohn Minus 20%“ erledigen. Das fand der Ausbildungsbetrieb – der unter anderem für seine Kunden Facebook-Profile erstellt – gar nicht lustig und kündigte dem Auszubildenden fristlos.

Obwohl die Äußerungen des Auszubildenden auch vom ArbG Bochum als beleidigend eingestuft worden waren, hatten die dortigen Richter Milde walten lassen: Sein Facebook-Profil lasse auf eine unreife Persönlichkeit und mangelnde Ernsthaftigkeit schließen. Eine Abmahnung und ein klärendes Gespräch mit dem Arbeitgeber hätten ausgereicht.

Das LAG Hamm sah das anders: Nach Auffassung der Richter ist die fristlose Kündigung des Ausbildungsverhältnisses wirksam. Der Auszubildende habe nicht annehmen dürfen, dass diese Äußerungen keine Auswirkungen auf den Bestand des Ausbildungsverhältnisses haben würden. Die Äußerung sei einer Vielzahl von Personen zugänglich gewesen. Auch die Besonderheiten des Ausbildungsverhältnisses stünden der Wirksamkeit der fristlosen Kündigung nicht entgegen, da der Kläger bei Zugang der Kündigung bereits 26 Jahre alt war. Gerade aufgrund seines Alters könne man davon ausgehen, dass dieser über genug Lebenserfahrung verfüge, um die Folgen seines Handelns einschätzen zu können.

Genau das ist aber oft das Problem: Auch wenn die Arbeitsgerichte bereits zahlreiche Fälle zu Lasten von Arbeitnehmern entschieden haben, unterschätzen immer noch zu viele Menschen die Reichweite des Internets. Man kann es nicht oft genug sagen: Wer sich im Internet äußert, sollte mindestens zweimal nachdenken, was er in Bezug auf den Job oder die Ausbildung veröffentlicht. Und alles, was man seinem Chef nicht guten Gewissens vis-à-vis ins Gesicht sagen würde, sollte man auch nicht im (vermeintlich anonymen) Internet veröffentlichen.

Bildquelle: © Evgenij Mymrin – iStockphoto.com



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