Immer wieder berichten wir über Arbeitsgerichtsurteile in Sachen Bemerkungen auf Facebook. Aber offensichtlich haben es immer noch Einige nicht verstanden, dass man hier vorsichtig sein sollte. Wir sind es nicht leid, darüber zu schreiben. Denn: Wenn es nicht so blöd wäre, dann wäre es schon wieder lustig. Also: Diesmal hat sich ein altgedienter Mitarbeiter mit einem Ex-Kollegen auf Facebook über seinen Chef ausgetauscht. Nach zwei angeblichen Abmahnungen ließ er seinem Ärger freien Lauf. Es fielen derbe Schimpfworte – vom „ „faulen Schwein“ über „Wixer“ bis zum „kleinen Scheißhaufen“ war alles dabei. Dies kam der Geschäftsführung zu Ohren bzw. zu Augen worauf sich diese zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses entschied.

Zu Recht, so das Arbeitsgericht Hagen (Urteil vom 16.05.2012, 3 Ca 2597/11). Da unter den 70 „Freunden“ des Schreiberlings, die seine „Unterhaltung“ nachlesen konnten, 36 Mitarbeiter waren, wertete das Gericht die Beleidigung als betriebsöffentlich. Und nicht nur das. Aufgrund der gewählten Kommunikationsform im weltweit genutzten Internet sah das Gericht die Verfehlung in noch viel größerem Ausmaß an. Wegen der erheblichen Beleidigungen und Ehrverletzungen auf der Facebook-Pinnwand des Mitarbeiters war eine Weiterbeschäftigung für den Arbeitgeber nicht mehr zumutbar. Die Äußerungen waren laut Urteil auch nicht durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt. Eine Abmahnung war aufgrund der schweren Verfehlung entbehrlich.

Bildquelle: © javier brosch – Fotolia.com

 



Dieser Beitrag wurde am Montag, 29. Oktober 2012 um 09:26 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

«  –  »

3 Comments »

  1. Leider frage ich mich da auch …. es gibt im Internet NICHTS was wirklich geheim bleibt – würde ich meinen Chef öffentlich (vor Zeugen) so bezeichnen? Doch wohl nicht ….

    Kommentar von: Jürgen Scheuermann – am 02. November 2012 um 11:10

  2. […] den Chef als “kleinen Scheißhaufen“, […]

    Pingback: Wochenspiegel für die 44. KW., das war der "kleine Scheißhaufen", die beim Richter angeregte Durchsuchung und der Tesafilm beim Grundschüler..... - JURION Strafrecht Blog – am 04. November 2012 um 11:16

  3. Dazu fällt mir nur Albert Einstein ein, dem folgendes Zitat zugesprochen wird: „Es gibt zwei Dinge, die grenzenlos sind: das Universum und die Dummheit der Menschen, aber bei dem ersten bin ich mir noch nicht sicher.“

    Kommentar von: Ludger Kühle – am 08. November 2012 um 15:00

Leave a comment