In unserer Gesellschaft leben rund 2,5 Millionen Menschen, die eine schwere körperliche oder geistige Behinderung aufweisen. Dazu kommen weitere 7 Millionen mit leichteren Beeinträchtigungen. Der Anteil behinderter Menschen an der Bevölkerung in Deutschland liegt bei knapp 12 Prozent. Diese Zahlen kann man einem Bericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2011 sowie dem sog. Nationalen Aktionsplan aus dem selben Jahr entnehmen. Weltweit liegt der Anteil behinderter Menschen an der Gesamt-Bevölkerung ähnlich hoch.

2006 schlossen die Vereinten Nationen (UN oder auch UNO) ein internationales Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Die sog. Behindertenrechtskonvention (BRK) konkretisiert seither Menschenrechte speziell für Menschen mit Behinderung. Es geht um die gleichberechtigte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Die BRK beinhaltet viele spezielle Regelungen, die ganz besonders auf die Lebenssituation behinderter Menschen eingehen. Laut Wikipedia wurde diese Konvention bisher von 147 Staaten sowie von der Europäischen Union ratifiziert. Für Deutschland ist sie seit 2009 rechtlich bindend.

Ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang ist die Inklusion. Unter Inklusion versteht man, dass Menschen mit und ohne Behinderung von Anfang an gemeinsam in allen Bereichen selbstbestimmt leben und zusammenleben sollen. Vorurteile gehören abgebaut, Ausgrenzungen vermieden – jeder Einzelne wird unterstützt und wertgeschätzt.

Im betrieblichen Alltag stellt sich die Frage: Was genau bedeutet die UN-Behindertenrechtskonvention für die Schwerbehindertenvertretung? Wirkt sie sich auf die SBV-Arbeit aus? Jurist Oliver Schmidt-Eicher referiert seit vielen Jahren für Schwerbehindertenvertretungen und Betriebsräte. Als Fachanwalt für Arbeitsrecht und Sozialrecht kennt er sich mit der BRK sehr gut aus. Er weiß, wie sie innerbetrieblich umgesetzt werden kann. Dieses Wissen bringt er betrieblichen Interessenvertretern auf Seminaren näher, allen voran natürlich den Vertrauenspersonen der schwerbehinderten Mitarbeiter. „In Deutschland wurde ein Nationaler Aktionsplan aufgestellt, mit dem die BRK im Detail ausgestaltet werden soll. Deren Leitlinien können wiederum durch einen eigenen Aktionsplan im Betrieb umgesetzt werden.“ Vor Ort erklärt der Experte, wie das funktioniert. Teilnehmer des Seminars erhalten Handlungshilfen und Anleitungen zum weiteren Vorgehen. Referent Schmidt-Eicher: „Am Anfang steht eine Strukturanalyse. Bevor ein Plan aufgestellt werden kann, muss sich die SBV mit dem eigenen Unternehmen auseinandersetzen.  Dies geschieht zuerst duch einen Inklusionscheck.

Nach Erarbeitung und Aufstellung eines eigenen Aktionsplans erfolgt die Umsetzung. Daran arbeitet das betriebliche Inklusionsteam. Im Seminar erfahren Teilnehmer, welche konkreten Maßnahmen zur Umsetzung der BRK-Aufträge im Betrieb getroffen werden können. Und: Welche Formulierungsmöglichkeiten gibt es für Betriebs- und Integrationsvereinbarungen? Gerade letztere Frage ist für viele Schwerbehindertenvertretungen in der Umsetzungsphase von besonders hoher praktischer Relevanz.

Seminar-Tipp „SBV-Aktionsplan: Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Betrieb“

Bildquelle: © Woodapple – fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 05. Juni 2014 um 09:03 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Schwerbehindertenvertretung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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