Seit 18 Jahren arbeitet Klaus Karmacher (Name geändert) in der Produktion eines westdeutschen Automobilzulieferers. Das Bedienen von Maschinen, der Umgang mit schwerem Gerät war seine tägliche Routineaufgabe. Körperlich sehr anstrengende Arbeit! Fast schon ein Wunder, dass es so lange dauerte, bis im Jahr 2008 sein Rücken massive Beschwerden machte. Der nachfolgende Bandscheibenvorfall führte zu einer längeren Arbeitsunfähigkeit. Es brauchte ein halbes Jahr, bis Karmacher soweit schmerzfrei war, dass er wieder arbeiten konnte. In diesen Monaten machte er sich mehr und mehr Sorgen. Nicht nur um seinen kranken Rücken, auch darum, wie wohl die Rückkehr in den Betrieb sein würde. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass er weiter so arbeiten würde wie bisher. Nur: wie sonst? Auch vor Kündigung hatte er Angst. Bis er eines Tages einen  Brief seines Arbeitgebers erhielt, in dem ihm dieser anbot, ein „BEM„, ein Betriebliches Eingliederungsmanagement durchzuführen. Das hörte sich nicht schlecht an, aber gehört hatte er von „BEM“ so gut wie noch nie etwas. Zumindest wusste er überhaupt nicht, was da auf ihn zukommen würde.

Im Jahr 2004 führte der Gesetzgeber über das Sozialgesetzbuch SGB IX das Betriebliche Eingliederungsmanagement ein. Es soll dem Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit dienen und zugleich den Folgen des demografischen Wandels wirksam begegnen. Wichtig zu wissen: Wenn ein Arbeitnehmer im Lauf der letzten zwölf Monate mehr als sechs Wochen arbeitsunfähig krank ist, dann ist sein Arbeitgeber durch § 84 Abs. II SGB IX dazu verpflichtet, ihm ein BEM-Verfahren anzubieten. Dem Arbeitnehmer steht es frei, das Angebot anzunehmen.

Die meisten Arbeitnehmer wissen nicht genau, was ein betriebliches Eingliederungsmanagement bedeutet. Um ihnen eine erste Orientierung zu geben, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales eine neue Broschüre aufgelegt: „Schritt für Schritt zurück in den Job„. Sie bietet einen Überblick über das BEM-Verfahren und ist mit einem praktischen Frage-und-Antwort-Teil versehen, der einen sehr einfachen und verständlichen Zugang zum Thema vermittelt. Eine Online-Bestellung bzw. ein sofortiger pdf-Download ist unter diesem Link möglich.

Auch für Betriebsräte bzw. die Schwerbehindertenvertretung (SBV) ist die Broschüre gut geeignet, allerdings nur zum ersten Einstieg in das Thema. Denn damit ist es in der Mitarbeitervertretung nicht getan! Betriebsräte und Vertrauensleute der Schwerbehinderten brauchen vertiefte Kenntnisse über das Verfahren sowie über ihre eigenen Rechte, wie sie ihnen nach dem SGB IX und der neuesten Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts zustehen. Dieses Wissen erhält man am besten auf einem praxisorientierten Grundlagenseminar zum BEM. Das ifb-Institut bietet hier eine dreiteilige BEM-Seminarreihe an, mit deren Hilfe man sich sogar zum innerbetrieblichen Experten beim Thema Betriebliches Eingliederungsmangement entwickeln kann.

Bildquelle: @ peepo – iStockphoto



Dieser Beitrag wurde am Montag, 28. Januar 2013 um 16:41 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat, Gesundheitsschutz, Schwerbehindertenvertretung, Seminare abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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