von Nicola am 11.05.2020, 09:20 Uhr , Kategorie: Betriebsrat, Schulungsanspruch, Seminare

Warum Weiterbildung gerade jetzt wichtig ist

Betriebsrat Weiterbildung in der Corona-Krise
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Gerade in Pandemie-Zeiten ist ein starker Betriebsrat Gold wert! Arbeitnehmer, die sich jetzt auf ihre Interessenvertreter verlassen können, haben gleich zwei Vorteile: Sie haben in der Krise einen vertrauenswürdigen Ansprechpartner, auf den sie mit ihren Fragen zukommen können. Und sie wissen: Der Betriebsrat handelt für die Beschäftigten das Bestmögliche aus. Das Ergebnis: Weniger Unsicherheit und Ängste um die Zukunft, bessere Arbeitsbedingungen und oft auch mehr Geld auf dem Bankkonto (wenn z. B. bei Kurzarbeit Aufstockungen des Arbeitgebers dazukommen).

Wie schaffen Sie es als Betriebsrat, diesen Erwartungen gerecht zu werden? Wie werden Sie zum starken Gremium und bleiben auch in Krisenzeiten arbeitsfähig?

Gute Weiterbildung ist das A und O

Ohne Grundlagenwissen im Betriebsverfassungsrecht kann kein BR-Mitglied wirklich weiterhelfen. Nicht umsonst haben Sie als Betriebsrat das gesetzliche Recht und sogar die Pflicht auf Schulung. Vielleicht haben Sie das Glück und arbeiten in einem Unternehmen, in dem Sie es als Betriebsrat bisher eher mit leichten Gymnastikübungen zu tun hatten als mit fortgeschrittener Akrobatik – weil die Arbeitsbedingungen gut waren, die Mitarbeiter zufrieden und im Betriebsratsbüro meist nur Routineaufgaben auf Sie warteten. Vielleicht hat sich Ihre Schulung deshalb auch darauf beschränkt, das Wichtigste von den Gremiumskollegen mitzukriegen oder im Internet nachzulesen.

Spätestens mit der Corona-Pandemie sind diese Zeiten vorbei: Zu viele Fragen der Belegschaft warten jetzt auf Sie als Betriebsrat. Zu viele – vorher gut da stehende – Unternehmen müssen sich jetzt mit Kurzarbeit oder gar mit einer drohenden Insolvenz auseinandersetzen.

Grundlagen im Betriebsverfassungsrecht: Googlen reicht nicht!

Haben alle im Gremium das nötige Wissen, um aktiv mitzuarbeiten? Nur wem bei Routineübungen nicht gleich der Schweiß auf der Stirn steht, kann sich gelassen auch an kompliziertere Anforderungen wagen. Wissen Sie, wie viele Paragraphen das Betriebsverfassungsrecht hat? Ganze 132 Paragraphen umfasst alleine das „BetrVG“ – Ihre Rechte und Aufgaben als Betriebsrat sind umfassend! Und damit ist auch klar: Wenn Sie erfolgreiche Betriebsratsarbeit leisten möchten – in Krisenzeiten und darüber hinaus – müssen Sie sich zunächst mit den Grundlagen Ihres Ehrenamts auskennen.

  • Was sind Ihre Rechte?
  • Wo dürfen Sie als Betriebsrat mitbestimmen?
  • Welche Pflichten haben Sie als Interessenvertreter?
  • Wo schlagen Sie nach, wenn Sie eine Frage haben? Und wie „liest“ man überhaupt in einem Gesetz?

All dies und mehr ist Gegenstand einer Grundlagenschulung zum Betriebsverfassungsrecht. Diese sind, so hat es das Bundesarbeitsgericht schon 1995 entschieden, „erforderlich.“ Das heißt: Sie haben als Betriebsrat einen Anspruch darauf, entsprechende Seminare oder Webinare zu besuchen und dafür von Ihrer Arbeit (bei Lohnfortzahlung) freigestellt zu werden. Die Kosten dafür trägt der Arbeitgeber. Das gilt übrigens für alle Teile einer Grundlagenreihe.

Auch für Ersatzmitglieder ist eine Grundlagenschulung erforderlich, allerdings nur, wenn sie regelmäßig bzw. häufig verhinderte ordentliche Mitglieder vertreten.

Weiterbildung in Krisenzeiten

Während der Corona-Zeit kostenpflichte Schulungen absolvieren? Vielleicht haben Sie Bedenken, sich in Krisenzeiten schulen zu lassen. Aber gerade jetzt ist Ihr Wissen für die Kollegen besonders wichtig. Gerade jetzt ist es Ihre Aufgabe und Pflicht als Betriebsrat, als Sprachrohr für die Belegschaft dienen zu können.

  • Möchte Ihr Arbeitgeber Kurzarbeit anmelden?
  • Sind Kollegen aufgrund von Corona ins Home-Office geschickt worden?
  • Wie sieht es jetzt mit dem Arbeitsschutz im Betrieb aus?
  • Was gilt für Arbeitnehmer, die zu Risikogruppen gehören?

Dies sind nur einige der vielen Fragen, bei denen Sie als Betriebsrat zu beteiligen sind. Wenn Sie jetzt merken, dass Ihnen wichtiges Grundlagen- oder Spezialwissen noch fehlt, ist eine Schulung dringend zu empfehlen.

Übrigens: Eine erforderliche Schulung kann Ihr Arbeitgeber nicht einfach so ablehnen, solange es einen ordnungsgemäßen Betriebsratsbeschluss zu Ihrer Entsendung gibt und Sie diese Punkte beachten.  

Webinar statt Seminar

Ihr Schulungsanspruch gilt auch für Online-Seminare. Das nötige Grundlagenwissen können Sie sich also in Zeiten von Reisebeschränkungen und Kontaktverboten auch in einer Webinar-Reihe aneignen. Eine tolle Alternative für all diejenigen, die sowieso eine Schulung geplant hatten und diese jetzt erstmal auf Eis gelegt hatten. 

Tipp: Hier geht’s zu den aktuellen Webinaren des ifb.



Dieser Beitrag wurde am Montag, 11. Mai 2020 um 09:20 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat, Schulungsanspruch, Seminare abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. So sehe ich das auch. Viele waren jetzt verhindert und schlaue Betriebe haben Mitarbeitern entsprechende Möglichkeiten zur Weiterbildung gegeben. Oder diese haben sie selbst ergriffen. Ich für meinen Teil hatte zum Glück genug zu tun, sonst hätte ich vielleicht auch ne Weiterbildung für Finanzen oder ähnliches gemacht. Oder zumindest schonmal alles geplant.

    Kommentar von: Weiterbildungsfan – am 28. Mai 2020 um 21:16

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