Auslage im Alnatura SupermarktÖko und bio bedeutet nicht automatisch auch sozial – diese Erfahrungen dürften Angestellte der Bio-Supermarktkette Alnatura wohl schon länger machen. Im Herbst 2015 berichtete der Betriebsrat Blog über das nahezu mitbestimmungsfreie Unternehmen. 100 Filialen gibt es in Deutschland, aber nur in der Niederlassung in Freiburg gelang es den Beschäftigten bisher, einen Betriebsrat zu gründen.

In Bremen wollten die Kolleginnen und Kollegen 2015 nachziehen und stießen auf den erbitterten Widerstand des Bio-Unternehmens. Die Grünen-Politikerin Kai Wargalla arbeitete bis Juni 2016 in der betreffenden Filiale. Sie organisierte damals die Betriebsratsgründung, leider erfolglos. Gegenüber Radio Bremen äußerte sie sich deutlich: Alnatura habe die Wahl durch taktische Spielchen verhindert. Ein offensichtlicher Fall von „Union Busting„, also dem vorsätzlichen Behindern von Gewerkschaften und Betriebsräten sowie deren Gründung durch den Arbeitgeber.

Danach ging es bei Alnatura rechtlich rund. Das Arbeitsgericht Bremen setzte im Februar 2016 auf Antrag einiger Beschäftigter per Beschluss einen Wahlvorstand ein. Auch hiergegen ging Alnatura vor, jedoch ohne Erfolg. Erst im November urteilte das Landesarbeitsgericht Bremen und wies die Beschwerde des Unternehmens gegen den erstinstanzlichen Beschluss zurück.  Nun zieht Alnatura, man glaubt es kaum,  vor das Bundesarbeitsgericht. Dies meldete soeben Radio Bremen.

Das Unternehmen wehrt sich offenbar bis aufs Messer gegen die Einführung der betrieblichen Mitbestimmung. Im gleichen Zeitraum reduzierte Alnatura das Personal in der betroffenen Filiale laut einem Artikel der taz auf unter 20 Beschäftigte. Somit käme es bei Durchführung einer Betriebsratswahl nur noch zu einem kleinen Einer-Gremium. Es verwundert offen gesagt, dass das Unternehmen die Filiale nicht gleich schließt. Ein Mittel, das nicht völlig unüblich ist, um BR-Gründungen speziell in Filialen zu verhindern.

Die Vehemenz, mit der Alnatura auftritt, ist erstaunlich. Geht es hier speziell um die Verhinderung eines Gesamt-Betriebsrats, der nach erfolgreicher Wahl in einer zweiten Filiale, wie etwa in Bremen, gegründet werden könnte? Oder erlebt man ganz exemplarisch die wahre Natur von Unternehmensgründer Götz Rehn in Bezug auf Mitbestimmung und soziale Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern? Über 2.400 Kolleginnen und Kollegen erwirtschaften für ihn und sein Unternehmen einen Jahresumsatz in Höhe von 762 Millionen Euro. Das Bild das Alnatura nach außen abgibt wird durch diese Geschehnisse leider immer unwürdiger.

Es wird sicher eine zweite Mitarbeiterin wie Kai Wargalla kommen und bestimmt eine dritte und eine vierte. Alnatura kann das nicht aufhalten und als Unternehmen verlieren. Eben noch die Wahl zur beliebtesten Lebensmittelmarke Deutschlands? Kann schon sein. Bei den Kunden dürften Ansehen, Respekt und Reputation aber dennoch langfristig schwinden. Wer seine Mitarbeiter nicht schätzt, wird nicht geschätzt. Es ist wenig verständlich, was da passiert.

Bildquelle: @ Alnatura, Marc Doradzillo

Alnatura, BetriebsratBei den Begriffen Öko und Bio denken viele an die vielleicht etwas bessere Welt. Was die Produktion und Qualität von Waren und Lebensmitteln angeht, mag das schon zutreffen. Dass auch alles andere in dieser Branche rosarot ist, nun, wir wissen es nicht so recht. Bei den  Arbeitsbedingungen und dem Umgang mit Mitarbeitern scheint noch so manches im Argen zu liegen. Ein aktuelles Beispiel liefert die Biomarktkette Alnatura.

Rund 100 Filialen betreibt der Bio-Supermarkt bundesweit. Nur eine einzige davon, die Niederlassung in Freiburg, verfügt über einen Betriebsrat. Kürzlich wollten auch die Kolleginnen und Kollegen in Bremen eine betriebliche Interessensvertretung installieren. Auf der Mitarbeiterversammlung, auf der der Wahlvorstand gewählt werden sollte, kam es wohl zu taktischen Manövern der Geschäftsleitung. So ließ diese unmittelbar vor der Wahl
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