Arbeitsunfaehigkeitsbescheinigung liegt auf schwarzer Tastatur Jedenfalls fordert das laut Focus eine Medizinrechtlerin. Wie bitte? Ist man jetzt bei einer Erkältung nicht mehr krank? Absurd – weiß jeder, den es schon einmal richtig erwischt hat. Aber genau das könnte man beim Lesen der Fragestellung in der Überschrift denken. Doch: Eigentlich ist das, was die Medizinrechtlerin fordert, genau das Gegenteil. Nämlich: Wer wegen einer Erkältung nicht arbeiten kann, sollte nicht mehr vom Arzt, sondern durch sich selbst krankgeschrieben werden. Dies würde Patienten von unnötigen Wegen entlasten und Ärzte von unnötiger Arbeit. Denn nicht jede Erkrankung erfordere tatsächlich eine Betreuung durch einen Arzt, so die Expertin. Insbesondere bei einer „normalen“ Erkältung wisse man, dass das Schlimmste nach ein bis zwei Tagen wieder vorbei ist.

Unwahrscheinlich? Nicht überall? Laut Focus dürfen sich in Norwegen Arbeitnehmer für bis zu drei Tage am Stück ohne ärztliche Bescheinigung selbst krankmelden. In einem Großteil der norwegischen Unternehmen ist die selbstständige Krankmeldung sogar bei Ausfällen von bis zu acht Tagen am Stück und bis zu 24 Tagen im Jahr zulässig.

Warum das bei uns in Deutschland zumindest zur Zeit noch undenkbar ist, sind vor allem auch die gesetzlichen Regelungen z.B. im Entgeltfortzahlungsgesetz. Danach ist der Arbeitnehmer verpflichtet, ab dem 3. Krankheitstag dem Arbeitgeber eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen (wie berichteten darüber). Darüber hinaus ist der Arbeitgeber jedoch auch berechtigt, die AU-Bescheinigung bereits ab dem 1. Krankheitstag zu fordern.

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Arzt spricht mit PatientBisher war es recht einfach. Man fühlte sich krank, also ging man zum Arzt. Dieser diagnostizierte etwas und stellte die Arbeitsunfähigkeit fest. Man erhielt einen gelben Schein, den schickte man an den Arbeitgeber. Dann ging man ins Bett und irgendwann war man hoffentlich wieder gesund.

Bald könnte das alles anders ablaufen. Denn in Zukunft wird sich der Arzt einen Patienten, wenn er denn Arbeitnehmer ist, viel genauer anschauen als bisher. Schließlich könnte er entscheiden, dass der Patient tatsächlich gar nicht krank, sondern nur etwas teil-krank ist. Zum Beispiel nur zu 50%. Die Folgen: Die Arbeitsbefreiung liefe dann auch nur über 50%. Und ein mögliches Krankengeld würde sich ebenfalls entsprechend reduzieren.

Die Vorschläge eines Sachverständigenrats im Auftrag der Bundesregierung verblüffen. Sein Vorsitzender Ferdinand Gerlach erklärte, dass die Änderungen „das System flexibler und alltagstauglicher machen würden„. Dazu sein Beispiel aus der Praxis: Der Dachdecker mit gebrochenem Fuß könnte
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von Ines am 14.09.2015, 14:05 Uhr , Kategorie: Allgemein

ArbeitsunfähigkeitsbescheinigungDas neue Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Versorgungsstärkungsgesetz) ist zum 1. August 2015 in Kraft getreten. Dadurch verbessert sich für Patienten vieles, unter anderem beim Krankengeld. Das berichtet der Sozialverband VdK Deutschland in einer Pressemitteilung.

Bislang entstand der Krankengeldanspruch an dem Tag, der auf die Krankschreibung folgt, also am Folgetag nach der ärztlichen Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit. Um den Krankengeldanspruch nicht zu verlieren, war eine Überlappung notwendig. Wenn also eine Arbeitsunfähigkeit bis zu einem Freitag vorlag, musste der behandelnde Arzt spätestens an diesem Freitag die Bescheinigung verlängern. Nur dann lag eine kontinuierliche Krankschreibung vor. Doch was ist beispielsweise mit Patienten, die an einem Freitag aus der Klinik, Reha etc. entlassen werden und erst Montag einen Arzt aufsuchen können? Nach der alten Regelung bestand die Gefahr, dass sie aus dem Krankengeldbezug herausfallen. Diese Versorgungslücke schließt nun das neue Gesetz. Denn nun entsteht der Krankengeldanspruch bereits am Tag der festgestellten Arbeitsunfähigkeit. Es reicht also aus, wenn sich Versicherte bis spätestens an dem Werktag beim Arzt vorstellen, der auf den letzten Tag der aktuellen Arbeitsunfähigkeit folgt. Samstage gelten übrigens nicht als Werktage.

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Spinnenphobie, Höhenangst, Klaustrophobie – alles Ängste, von denen man schon einmal gehört hat. Aber gibt es wirklich auch eine Arbeitsplatzphobie? Leider ja. Prävention aktuell hat darüber mit dem Rehabilitationsforscher und Psychotherapeuten Professor Michael Linden gesprochen und Folgendes herausgefunden:

Eine Arbeitsplatzphobie ist die schwerste Ausprägung von verschiedenen arbeitsplatzbezogenen Ängsten und führt in vielen Fällen zu einer lang andauernden Arbeitsunfähigkeit bis hin zur kompletten Erwerbsunfähigkeit. Der Arbeitsplatz als Ort, sowie bestimmte Situationen, Gegenstände oder Personen, die mit dem Arbeitsplatz oder dem Arbeitsleben in Verbindung stehen, lösen bei Annäherung oder schon beim Gedanken an eine derartige Situation beim Mitarbeiter panikartige Ängste aus. Der tägliche Gang in die Arbeit wird zur Qual – bis es dann zur vielleicht sogar dauerhaften Krankschreibung kommt.

Professor Michael Linden sieht das kritisch: „Eine Krankschreibung erscheint zunächst einmal gerechtfertigt, da eine Annäherung an den Arbeitsplatz ja die Symptomatik verschlimmert (…). Die Krankschreibung – also die Vermeidung des Arbeitsplatzes – führt aber leider zu einer Angstverstärkung bei den Betroffenen.“ Er empfiehlt, sich besser aktiv der Angst zu stellen und der Versuchung, sich hinter der Vermeidungshaltung zu verstecken, nicht nachzugeben. „Vermeidung hat etwas Verführerisches, macht aber alles nur schlimmer.“ Laut Linden folgt die Behandlung denselben Regeln wie die Behandlung jeder anderen Angsterkrankung. Wenn möglich, macht er mit den Patienten gezielte Belastungserprobungen am eigenen Arbeitsplatz. Hier liegt es am Therapeuten, auch noch andere kreative Alternativen zu finden. Denn: An den Arbeitsplatz „kommt man nicht immer  so leicht ran wie an ein Kaufhaus oder eine U-Bahn“.

Auch wenn die Forschung über Arbeitsplatzängste noch ganz am Anfang steht, gibt es also bereits Lösungsansätze –  und damit Hoffnung für die Betroffenen. Professor Michael Linden fordert dennoch, dass in diesem Bereich künftig noch sehr viel getan mehr werden muss.

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Das entschied das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz (Beschluss vom 23.12.2011 – L 5 KR 309/11 B). Hat ein Arzt in einem Auszahlschein für Krankengeld Arbeitsunfähigkeit „bis auf weiteres“ bescheinigt, hat er die Dauer der Bestätigung in der Regel nicht auf einen Endzeitpunkt begrenzt. Dies gilt auch, wenn er in dem Schein selbst den nächsten Untersuchungstermin angegeben hat.

In diesem Fall hatte der Hausarzt Arbeitsunfähigkeit ab Dezember 2010 bescheinigt, woraufhin die Krankenkasse zunächst Krankengeld gewährte. Mit Auszahlschein vom 08.04.2011 bestätigte der Hausarzt aufgrund einer Untersuchung am gleichen Tag Arbeitsunfähigkeit „bis auf weiteres“. Als nächsten Praxisbesuch gab er den 30.04.2011 an. Handschriftlich ist hinzugefügt, dass der Termin auf den 02.05.2011 verlegt wird, weil der zuvor genannte Termin ein Samstag war. Am neu festgesetzten Termin erschien der Kranke und es wurde wiederum ein Auszahlungsschein ausgestellt, in dem festgestellt wurde, dass er noch arbeitsunfähig sei.

Die Krankenkasse lehnte die Krankengeldzahlung ab dem 01.05.2005 ab. Begründung:
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Meldet sich ein Arbeitnehmer krank, kann der Arbeitgeber auch ohne besonderen Grund schon ab dem ersten Fehltag eine ärztliche Bescheinigung verlangen. Das entschied kürzlich das Landesarbeitsgericht Köln (Urteil vom 14.09.2011, 3 Sa 597/11). Laut Gesetz (§ 5 Absatz 1 Satz 2 des Entgelt-Fortzahlungsgesetz) muss ein Mitarbeiter nach spätestens drei Kalendertagen eine ärztliche Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit vorlegen. Der Arbeitgeber kann dies generell auch schon bei weniger Fehltagen verlangen. Bislang war allerdings umstritten, ob es dazu einen besonderen Grund braucht.

In dem zu entschiedenen Fall hatte sich
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von Ines am 04.10.2011, 09:43 Uhr , Kategorie: Mobbing

Mobbing – Eines der größten Probleme an deutschen Arbeitsplätzen. Das hat inzwischen auch die Gerichte erreicht. Der Bundesgerichthof hat daher in seinem Urteil vom 09.03.2011, Az. IV ZR 137/10, entschieden, dass ein Versicherungsnehmer einer privaten Kranken- bzw. Krankentagegeldversicherung, Anspruch auf Zahlung von Krankentagegeld hat, wenn er aufgrund anhaltenden Mobbings arbeitsunfähig erkrankt ist.

Der Versicherer verweigerte dem Mobbingopfer zunächst diese Leistung, weil keine Arbeitsunfähigkeit im Sinne der Versicherungsbedingungen vorgelegen habe. Der Bundesgerichtshof entschied anders. Begründung:
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