Die Teilnahme an der TV-Sendung Germanys Next Topmodel GNTM hat für viele junge Frauen nach wie vor maximalste Prio. Scharen von „Mädchen“, wie die Nachwuchsmodells von Mama Klum genannt werden, lassen dafür alles liegen und stehen. Ungünstig, wenn man einen Job hat und die Modell-Vorauswahl (vulgo: Casting) während der Arbeitszeit stattfindet. Noch ungünstiger, sich krank schreiben zu lassen, um mit AU-Bescheinigung in der Tasche daran teilzunehmen. Und völlig in die Hose geht letztlich alles, wenn man beim High Heels-Gestackse richtig fett im Fernsehen gezeigt wird.

Wie BILD schreibt (Verlinkung nicht möglich, da Artikel kostenpflichtig), entdeckte ein Arbeitgeber die bei ihm beschäftigte 20jährige Melanie in den TV-Trailern zur neuen GNTM-Staffel. „Moment, die kenn ich doch„, wird er sich gedacht haben, gefolgt von „war die nicht neulich krank„?

Nun, die Aufnahmezeiten des Castings waren schnell rekonstruiert, ebenso wie die Feststellung, dass die sehr attraktive Arbeitnehmerin offenbar genau zu diesem Zeitpunkt krank geschrieben war. Die Folge: Er kündigte das Arbeitsverhältnis, die Kündigungsschutzklage scheint derzeit vor dem Arbeitsgericht anhängig zu sein.

Model oder normalsterblich
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von Ines am 08.10.2013, 14:41 Uhr , Kategorie: Rechtsprechung

Das ärztliche Attest besitzt einen hohen Beweiswert für das Vorliegen einer Arbeitsunfähigkeit. Doch was ist, wenn der Arbeitgeber aus für ihn offensichtlichen Gründen nicht an das Kranksein seines Mitarbeiters glaubt? Mit dieser Frage hat sich das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz beschäftigt (Urteil vom 06. Juni 2013, Az.: 10 Sa 17/13).

Ein Außendienstmitarbeiter eines Weinguts hatte mit dem Geschäftsführer ein Gespräch, in dem es um eine mögliche Arbeitgeberkündigung ging.  Am Folgetag legte der Mitarbeiter eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor, der anschließend weitere folgten. Der Arbeitgeber ging von einer vorgetäuschten Krankheit aus und kündigte fristlos. Hiergegen ging der Außendienstmitarbeiter vor.

In der Regel reicht das ärztliche Attest aus um das Vorliegen einer zur Arbeitsunfähigkeit führenden Erkrankung zu „beglaubigen“. Zweifelt der Arbeitgeber daran, muss er durch entsprechende Gegenbeweise den Beweiswert des Attestes entkräften. Gelingt ihm das, ist wiederum der Arbeitnehmer am Zug. Er hat nun die Möglichkeit, die Umstände, die gegen seine Arbeitsunfähigkeit sprechen, zu widerlegen. Zu diesem Zweck kann er begründete Darlegungen zu seiner Krankheit, den gesundheitlichen Einschränkungen, den ärztlichen Verhaltensanweisungen und der Medikation vornehmen. Dabei helfen beispielsweise die Entbindung von der Schweigepflicht und eine entsprechende Zeugenvernehmung des Arztes. Ist danach der Beweiswert der Arbeitsunfähigkeit wiederhergestellt, trägt wieder der Arbeitgeber die Beweislast für seine Behauptung, dass die Krankheit nur vorgetäuscht sei. Und so weiter und so weiter.

In unserem beschriebenen Fall war die Kündigung übrigens unwirksam, da dem Arbeitgeber bereits der erste Gegenbeweis nicht gelungen war.

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