Spinnenphobie, Höhenangst, Klaustrophobie – alles Ängste, von denen man schon einmal gehört hat. Aber gibt es wirklich auch eine Arbeitsplatzphobie? Leider ja. Prävention aktuell hat darüber mit dem Rehabilitationsforscher und Psychotherapeuten Professor Michael Linden gesprochen und Folgendes herausgefunden:

Eine Arbeitsplatzphobie ist die schwerste Ausprägung von verschiedenen arbeitsplatzbezogenen Ängsten und führt in vielen Fällen zu einer lang andauernden Arbeitsunfähigkeit bis hin zur kompletten Erwerbsunfähigkeit. Der Arbeitsplatz als Ort, sowie bestimmte Situationen, Gegenstände oder Personen, die mit dem Arbeitsplatz oder dem Arbeitsleben in Verbindung stehen, lösen bei Annäherung oder schon beim Gedanken an eine derartige Situation beim Mitarbeiter panikartige Ängste aus. Der tägliche Gang in die Arbeit wird zur Qual – bis es dann zur vielleicht sogar dauerhaften Krankschreibung kommt.

Professor Michael Linden sieht das kritisch: „Eine Krankschreibung erscheint zunächst einmal gerechtfertigt, da eine Annäherung an den Arbeitsplatz ja die Symptomatik verschlimmert (…). Die Krankschreibung – also die Vermeidung des Arbeitsplatzes – führt aber leider zu einer Angstverstärkung bei den Betroffenen.“ Er empfiehlt, sich besser aktiv der Angst zu stellen und der Versuchung, sich hinter der Vermeidungshaltung zu verstecken, nicht nachzugeben. „Vermeidung hat etwas Verführerisches, macht aber alles nur schlimmer.“ Laut Linden folgt die Behandlung denselben Regeln wie die Behandlung jeder anderen Angsterkrankung. Wenn möglich, macht er mit den Patienten gezielte Belastungserprobungen am eigenen Arbeitsplatz. Hier liegt es am Therapeuten, auch noch andere kreative Alternativen zu finden. Denn: An den Arbeitsplatz „kommt man nicht immer  so leicht ran wie an ein Kaufhaus oder eine U-Bahn“.

Auch wenn die Forschung über Arbeitsplatzängste noch ganz am Anfang steht, gibt es also bereits Lösungsansätze –  und damit Hoffnung für die Betroffenen. Professor Michael Linden fordert dennoch, dass in diesem Bereich künftig noch sehr viel getan mehr werden muss.

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