Angestellte des Bundesarbeitsministeriums sollen in ihrer Freizeit dienstlich nicht mehr gestört werden. Ausnahme: Wenn etwas „unaufschiebbar“ ist. Darauf haben sich Personalrat und Leitung des Hauses nach langen Verhandlungen geeinigt. Das berichtet unter andern die Süddeutsche Zeitung. Damit zieht das Arbeitsministerium mit den Autobauern Daimler und VW gleich (wir berichteten). Laut Süddeutsche gibt es inzwischen auch bei der Telekom, bei Eon, bei Puma und bei BMW ähnliche Beschränkungen.

Nach den neuen Regeln ist die ungeplante dienstliche Kontaktaufnahme nur möglich, wenn die zu erledigenden Aufgaben „unaufschiebbar“ seien, „den Charakter einer Ausnahmesituation“ hätten und nicht „bis zum nächsten Dienstbeginn“ warten könnten, so die Süddeutsche. Der Kreis der eingeschalteten Personen sei „so klein wie möglich zu halten“. Vorgesetzte müssten auf die „persönliche und familiäre Situation Rücksicht nehmen„. Für die Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit gelte „das Prinzip des geringstmöglichen Eingriffs in die Freizeit“. Chefs dürften Beschäftigte im Urlaub grundsätzlich nicht in Anspruch nehmen.

Für Ministerin von der Leyen war es wichtig, sich auf feste Regeln zum Schutz der seelischen Gesundheit zu verständigen und dass alle Mitarbeiter die Klarheit darüber haben, wann sie erreichbar sein müssen und wann nicht. Laut Spiegel Online ist von der Leyen selbst dafür bekannt, dass sie am Wochenende von ihren Mitarbeitern nur im Notfall angerufen werden möchte. Wohl den Vorgesetzten, die für ihre Mitarbeiter die gleichen Bedingungen und Voraussetzungen schaffen, die sie auch für sich selbst beanspruchen! Wie brauchbar und sinnvoll die neuen Vorschriften tatsächlich sind, wird sich jetzt in der praktischen Umsetzung zeigen.

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Würden Sie sich auch manchmal wünschen, nach dem Urlaub kein überquellendes E-Mail-Postfach vorzufinden? Für Daimler-Mitarbeiter geht dieser Wunsch bald in Erfüllung: Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, kann ab 2013 jeder Mitarbeiter bis hin zum Manager die während seiner Abwesenheit eingehenden E-Mails automatisch löschen lassen. Gleichzeitig weist eine Abwesenheitsnotiz den Absender der E-Mail auf den zuständigen Vertreter hin, so dass jedes Anliegen dennoch bearbeitet werden kann. „Diese neue Spielregel zur E-Mail-Abwesenheit ist eine ganz wesentliche Maßnahme, damit unsere Belegschaft in Ruhephasen noch besser abschalten kann“, so Wilfried Porth, Personalvorstand von Daimler.

Der Autobauer hatte zuvor in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg 6000 Daimler-Beschäftigte zur Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben befragt, darunter auch Führungskräfte. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm erklärte, es gehe nun vor allem darum, dass Mitarbeiter die Möglichkeiten „mit aktiver Unterstützung wahrnehmen können“.
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Ein erschwerender Faktor in Sachen Burn-out ist, so Experten, bei vielen Arbeitnehmern die ständige Erreichbarkeit. Insbesondere die sogenannten Smartphones sorgen dafür, dass wir auch außerhalb des Büros bzw. außerhalb der eigentlichen Arbeitszeiten dienstliche E-Mails und Anrufe empfangen können. Mit dem Ergebnis, dass ein Abschalten von der Arbeit oft kaum noch möglich ist und die Erholung entsprechend auf der Strecke bleibt.

Der Betriebsrat von Volkswagen geht nun mit gutem Beispiel voran, um der Burn-out-Gefahr einen Riegel vorzuschieben. Das berichtet unter anderem Zeit online: Künftig werden hier nach Feierabend keine E-Mails mehr an die Firmen-Blackberrys von Mitarbeitern verschickt. 30 Minuten nach Ende der Gleitzeit wird der Server-Betrieb eingestellt, 30 Minuten vor Beginn des nächsten Arbeitstages sind die Verbindungen wieder offen. Telefonate sind nach wie vor möglich. Die neue Betriebsvereinbarung betrifft
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