Wer den Hund seines Nachbarn „Gassi führt“ und dabei vom Hund verletzt wird, steht nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Dies hat das Landessozialgericht (LSG) Baden-Württemberg mit Urteil vom 31. August 2012 entschieden (Az.: L 8 U  142/10).

Opfer der Biss-Attacke war ein Mann aus Schwäbisch-Hall, der den Hund seines Nachbarn schon des Öfteren versorgt hatte. Als der Hundehalter unerwartet ins Krankenhaus musste, erklärte sich der Kläger bereit, sich um den Hund zu kümmern. Während eines nächtlichen Spaziergangs am sechsten Tag der Betreuung griff der Rottweiler den Kläger unvermittelt an. Er verbiss sich in den Händen und Armen des Mannes und fügte diesem über 30 tiefe Fleischwunden zu, so dass dieser notoperiert werden musste. Am rechten Unterarm war zudem eine Hauttransplantation erforderlich.

Wie auch schon die zuständige Berufsgenossenschaft lehnte auch das LSG eine Anerkennung der Biss-Attacke als Arbeitsunfall ab. Der Verletzte habe sich nicht wie ein Beschäftigter um den Hund seines Nachbarn gekümmert, sondern den Hund lediglich aufgrund der freundschaftlichen Beziehung zum Nachbarn ausgeführt. In der Praxis würden zwar Dienstleistungen wie das sog. „Dog-Sitting“ angeboten, typischerweise jedoch nicht durch abhängig Beschäftigte, sondern durch selbstständige Unternehmer. Wenn die Hilfeleistung wie hier aufgrund verwandtschaftlicher oder freundschaftlicher Beziehungen erfolgt und wegen der engen Verbundenheit auch zu erwarten war, sei das für die Anerkennung eines Arbeitsunfalls erforderliche arbeitnehmerähnliche Verhalten stets zu verneinen.

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