von Peter am 29.08.2016, 17:01 Uhr , Kategorie: Betriebsrat

Coole junge Angestellte arbeiten in trendigem BüroAlle sprechen über die Hamburger Firma Goodgame Studios. Der größte deutsche Computerspiele-Entwickler ist vor allem für sein populäres Online-Strategiespiel Empire bekannt. Das spielten in Spitzenzeiten bis zu 70 Millionen Menschen weltweit und führte allein 2014 zu einem Jahresumsatz von 200 Millionen Euro.

So richtig in die Schlagzeilen geriet das Unternehmen aber wegen etwas ganz anderem: Ende 2015 wollten einige engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Betriebsrat gründen. Goodgames startete eine Riesen Kampagne gegen betriebliche Mitbetimmung. Und noch schlimmer: Dutzenden Kollegen wurde offensichtlich deshalb gekündigt. Am Ende entschied sich die Belegschaft dann nahezu geschlossen gegen einen Betriebsrat. Ein Pool im Garten und Freibier am Abend – war das  verlockender? Es darauf zu reduzieren ist zu einfach, wenn einem direkt oder zumindest indirekt die Angst im Nacken sitzt. Wir berichteten damals.

Nun wurde bekannt, dass das Unternehmen wahrscheinlich 600 seiner 1100 Arbeitsplätzen abbauen und etliche Entwickler-Studios schließen wird. Der Grund: Es läuft nicht mehr so gut. Jetzt von einer Quittung zu sprechen wäre zynisch, aber irgendwie bleibt dieser Gedanke hängen. Was für ein Desaster.

Die Frankfurter Allgemeine berichtet, dass Goodgames betriebsbedingte Kündigungen durch ein freiwilliges Abfindungsprogramm auf etwa über 100 reduziert werden. Ooffenbar wurde ziemlicher zeitlicher Druck ausgeübt. Entscheide dich bis heute, morgen zahlen wir dir nur noch die Hälfte! So ähnlich wird es gelautet haben. Über 300 Beschäftigte hätten sich bisher für das Angebot entschieden. Nach Auskunft der FAZ liegt es angeblich bei 1,5 Monatsgehältern pro Tätigkeitsjahr, deutlich mehr also als die übliche Faustformel „halbes Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr“.

Es wird nun gefeilscht bei Goodgame Studios und jeder kämpft für sich. Etliche überfordert das völlig. Bei betriebsbedingten Kündigungen hätte ein Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht. Er würde die Verhandlungen führen. Allein dadurch liefe vieles fairer und gerechter. Niemand wäre auf sich allein gestellt Hätte, würde, könnte. Aber es hilft nichts: Man muss es aussprechen.

Gerade erfolgreiche Unternehmen aus jungen, modernen Branchen fahren mit ihren Mitarbeitern oft eine Kuschelstrategie:  Alles kommt young und hip rüber, Flipper und trendige Loungemöbel stehen ums Eck, die Arbeitszeiten werden nicht überprüft, warum auch, und bei der regelmäßigen Wochenendarbeit kommt gerne auch der Lieferservice vorbei – Pizza und Bier natürlich umsonst.

Vieles dient der Ablenkung, niemand soll erkennen, wie es hinter den Kulissen verbreitet aussieht: Da herrscht knallhartes Business, grenzenlose Gier bei maximaler Ausbeutung der Belegschaft. Die ist den Inhabern im Zweifel nämlich völlig wurscht. Soziale Verantwortung? Ein Witz.

Ein Betriebsrat sei sowas von old school, hört man immer wieder. Was für ein Unsinn. Betriebsräte kämpfen für ihre Belegschaft und das tun sie vor allem in  schlechten Zeiten. Auf die sollte man nie warten.

Mehr Infos zur Betriebsratsgründung und Betriebsratswahl

Bildquelle: © rawpixel.com – fotolia.de (Motivbild)

Entwicklung con ComputergamesDas Hamburger Unternehmen Goodgame Studios ist der größte Computerspiele-Entwickler in Deutschland. Sein Spiel „Goodgame Empire“ entwickelte sich zu einem der weltweit erfolgreichsten Strategiespiele mit mehr als 70 Millionen Usern. Über 1.200 Kolleginnen und Kollegen sind bei Goodgame angestellt. Betriebsrat? Fehlanzeige – leider, wie so oft in dieser Branche. Obwohl ein Betriebsrat für ein Unternehmen dieser Größenordnung absolut üblich ist.

Mehrere Mitarbeiter machten sich daran, einen Betriebsrat zu gründen. Die Reaktion folgte auf dem Fuß: Nach Angaben eines früheren Kollegen und nach Presseberichten sprach das Unternehmen unverzüglich etliche Kündigungen aus. Diese richten sich offenbar gezielt gegen 15 Beschäftigte, die im Zusammenhang mit der Forderung nach einem Betriebsrat an die Öffentlichkeit gegangen sind. Auch einige andere Kollegen sind betroffen, die intern durch entsprechende Nachfragen zum Thema Betriebsrat auffielen.

Nachdem verschiedene Webseiten wie das Fachmagazin gamesbusiness.de darüber berichteten und die Geschäftsleitung konfrontierten, äußerte sich ein Sprecher des Unternehmens wie folgt: „Nach eingehender Prüfung hat das Unternehmen entschieden, sich aus betrieblichen Gründen, wie z.B. Leistungsdefiziten, von 28 Mitarbeitern aus unterschiedlichen Abteilungen mit umgehender Wirkung zu trennen.

Das ist nicht weniger als ein echter Skandal, der Folgen haben muss. Mal abgesehen davon, dass die Begründung rechtlich gesehen hirnrissig ist,
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